Der neue Komfort für die Nächte draussen

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Das Start-up Citypeak bietet besondere Camper zur Miete an. (Bild: PD)

Das Start-up Citypeak bietet besondere Camper zur Miete an. (Bild: PD)

Graubünden  Pontresina – die Oberengadiner Gemeinde mit 2197 Einwohnern ist bekannt für seine Hotels aus der Belle Epoque und seine traditionellen Engadiner Häuser. Und bei Naturfreunden für den Camping Morteratsch, Europas höchstgelegener Campingplatz, welcher auch im Winter geöffnet ist. Hier auf 1860 Metern über Meer, wo das Thermometer nie die 30-Grad-Marke knackt, entsteht im Sommer während der Schulferien zwischen Lärchen und Arven ein Dorf auf Zeit. Über 1000 Personen schlagen hier täglich ihre Zelte auf. Und später, wenn sie weitergezogen sind, hinterlassen sie im Internet Kommentare wie diese: «Der schönste Campingplatz in den Alpen.» «Die Lage am Fusse des Morteratsch-Gletschers ist einmalig.» «Wir sind Wiederholungstäter und lieben diesen Platz über alles.»

Das macht schnell die Runde, insbesondere bei Schweizern, die 80 Prozent der Gäste ausmachen. Wer hier Ferien machen will, muss früh kommen – oder Wochen im Voraus reservieren. Denn täglich müssen Peter und Kathrin Käch, die den Platz seit sechs Jahren leiten, Gäste abweisen. «Es lief schon immer gut. Aber was wir jetzt haben, sind ganz neue Dimensionen», sagt Peter Käch (55). Er führt dies nicht nur auf den guten Ruf zurück und die Investitionen, die man in den vergangenen fünf Jahren zusammen mit dem örtlichen Tourismusverein getätigt hat, sondern auf einen generellen Trend: «Campen ist total in. Schauen Sie sich doch nur mal die Entwicklung bei den Wohnmobilen und VW-Bussen an. Da geht völlig die Post ab.»

VW-Camper: Luxus auf vier Rädern

Thomas Jenzer (44) und Peter Creutzig (49) spielt genau dies in die Hände. Die beiden haben 2016 ein Start-up zur Vermietung von VW-Campern gegründet und dabei eine lukrative Nische gefunden. Denn während es an Vermietern von grossen Wohnmobilen nicht mangelt, gibt es in der Schweiz kaum jemanden, der die kleineren Camper im grösseren Stil vermietet. Und genau hier setzen die beiden mit ihrer Firma Citypeak an. Die Camper sind kompakter, verfügen über leistungsstarke Motoren, und mit ihnen kommt man nicht nur über den nächsten Pass, sondern auch ins Stadtzentrum. Ende Saison gelangen sämtliche Fahrzeuge in den Verkauf, damit in der Garage Platz für die neusten Modelle entsteht. Im zweiten Jahr kann Jenzer sagen: «Wir haben Fahrt aufgenommen. Vor allem der Herbst läuft in diesem Jahr unglaublich gut.» Zielpublikum von Citypeak sind Familien, aber auch Personen ab 50 – auf jeden Fall sind es Leute, die sich was leisten wollen. Denn Ferien im Camper sind längst nicht mehr nur etwas für Leute mit einem ausgeprägten Kostenbewusstsein. Die Fahrzeuge werden immer leistungsstärker und komfortabler, aber auch teurer. «Für Camper, wie wir sie anbieten, zahlt man schnell einmal 60 000 Franken und mehr», sagt Jenzer.

Gestartet sind die beiden Jungunternehmer mit 14 Fahrzeugen. Im zweiten Jahr ist ihre Flotte bereits auf 20 angestiegen. Künftig wollen sie nicht nur bei der Anzahl Fahrzeuge zulegen, sondern auch einen weiteren Standort eröffnen. Heute werden die Fahrzeuge in Gebertingen SG, 50 Minuten von Zürich entfernt, ihren Besitzern auf Zeit übergeben. Ein Nachteil ist dies nicht. Ein zweites Standbein wäre aber noch besser. Als mögliche Region kommt insbesondere die Zentralschweiz in Frage; in Zug ist bereits der Firmensitz von Citypeak domiziliert. Klar ist hingegen, dass die beiden ihr Geschäftsmodell 2019 auf Schweiz-Besucher aus den USA, Kanada, Australien und Neuseeland ausweiten werden. Dort, so Jenzer, sei man sich nämlich noch gar nicht bewusst, dass man in der Schweiz sehr gut Campingferien machen kann. Mit der Grand Tour, dem Road Trip durch die Alpen, habe Schweiz Tourismus ein tolles Angebot geschaffen, sagt Jenzer. Man müsse die Kunden darauf hinweisen. Überhaupt sieht Jenzer im Service noch ganz viel Potenzial. So wollen die beiden von Citypeak ihren Kunden nicht nur ihr Fahrzeug aushändigen, sondern bieten auch eine komplette Beratung mit Tourenvorschlägen für ganz Europa an. Für die Schweiz ist dieses Angebot noch ausbaufähig. Aus diesem Grund wollen Jenzer und Creutzig schon bald einen Service mit exklusiven, zum Teil abgeschiedenen Plätzen lancieren, die in keinem Campingführer zu finden sind.

Die Zukunft liegt im Wintergeschäft

Vor ganz anderen Herausforderungen stehen Peter und Kathrin Käch vom Camping Morteratsch. Ihnen wird der Erfolg fast ein wenig unheimlich. Sie haben jedes Jahr mehr Leute auf ihrer Lohnliste, damit sie die Arbeit bewältigen können. Doch der Berg wird nicht kleiner. Auch die Nachfrage lässt im Sommer nicht nach. Dabei machen sie schon lange keine Werbung mehr für die Sommermonate. «Sonst müssten wir wohl noch mehr Leute abweisen, und das wollen wir nicht», sagt Peter Käch. Stattdessen versuchen die beiden, das Wintergeschäft zu forcieren. «Im Schnee zu campen, tönt für viele noch wie ein Widerspruch. Dabei sind die heutigen Fahrzeuge so gut, dass niemand frieren muss», sagt Käch. Zudem gibt es auf dem Camping Morteratsch auch eine Sauna. Die Anstrengungen, das Wintergeschäft anzukurbeln, sind nicht umsonst. Er zähle jedes Jahr mehr Gäste. Letztes Jahr sei der Platz über Weihnachten und Neujahr gar ausgebucht. Käch ist überzeugt: «Campen im Winter wird der nächste Trend. Es dauert einfach noch ein bisschen.» (bu)

Hinweis
www.camping-morteratsch.ch
www.citypeak-campers.com

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