Biologie
Bei manchen Pflanzen geraten Katzen geradezu in Ekstase - Wissenschafter erklären warum

Minze, Silberwein, Baldrian: Wissenschafter erklären, warum Katzen sich in gewissen Pflanzen geradezu wälzen.

Jörg Zittlau
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Katzen können süchtig werden nach gewissen Pflanzen, wie die indische Nessel.

Katzen können süchtig werden nach gewissen Pflanzen, wie die indische Nessel.

Foto: Getty Images

Sie reiben und wälzen sich, und wirken danach ermattet wie nach einem Drogentrip. In der Nähe von Katzenminze oder Silberwein geraten Katzen geradezu in Ekstase. Auf dem Tierbedarfsmarkt werden daher die beiden Pflanzen sogar zu Spielzeug und Schmusekissen verarbeitet. Doch eine japanisch-englische Studie hat nun herausgefunden, was der triviale biologische Sinn hinter den «Katzendrogen» ist.

Sie riechen herb, ein wenig zitronig, also für uns Menschen durchaus angenehm. Aber auch nicht gerade spektakulär. Doch Katzen empfinden das offenbar ganz anders und geraten aus dem Häuschen. Doch warum eigentlich? Es ist schon länger bekannt, dass Katzenminze und Silberwein ihren Duft bestimmten ätherischen Ölen – nämlich den Nepetalactonen und ihren Abkömmlingen – verdanken. Also ging ein Forscherteam um Masao Miyazaki von der Iwate University daran, diese Öle aus den Pflanzen zu extrahieren, um dann zu überprüfen, wie sie auf Katzen wirken. Mit dem Ergebnis, dass die Katzen auf die Extrakte ähnlich euphorisch reagierten wie auf die kompletten Pflanzen – oder sogar noch stärker, wenn genug Nepetalactone in dem Extrakt waren.

Kein Selbstzweck, sondern biologisch sinnvoll

Der Hauptschuldige für den Katzenrausch war also gefunden, und offenbar dockt er, wie Pharmakologe Miyazaki betont, «an den gleichen Oipioidrezeptoren, die auch beim Menschen für Belohnungs- und Euphorieeffekte sorgen». Doch im Unterschied zum Zweibeiner haben diese Effekte beim Vierbeiner keinen Selbstzweck, sondern einen ausgewiesenen biologischen Sinn.

So fällt schon beim Betrachten von durch Minze euphorisierten Katzen auf, dass sie sich in dem Kraut wälzen, bis sich dessen Geruch komplett über ihren Körper verteilt hat. Und das hat Folgen. Denn die Forscher fanden heraus: Die solcherart eingedufteten Katzen werden kaum noch von Mücken gestochen. Wenn sich also die Katze in der Minze wälzt, geht es um das gleiche Ziel wie bei uns, wenn wir uns mit Anti-Mücken-Spra y übersprühen. Und die Wissenschaftler fanden das Wälzverhalten und seinen Moskitoschutzeffekt auch bei anderen – freilebenden – Katzenarten, wie etwa Jaguar, Luchs und Amurleopard.

Schutz vor Mücken und wohl auch Zecken

Wer also seinem Stubentiger ein lustvolles Wälzbad in Minze oder Silberwein gönnt, schützt ihn gleich noch vor Mücken und wohl auch vor Zecken und anderen Parasiten, die ebenfalls keine Nepetalactone mögen. Wobei man ähnliche Substanzen auch in anderen Pflanzen findet. Wie etwa im Baldrian, der zwar beim Menschen beruhigend wirkt, doch bei Youtube regelmässig genannt wird, wenn von «Katzen im Vollrausch» berichtet wird.

Noch stärker wirkt aber offenbar die indische Nessel. Sie wurde schon auf den Weihnachtsinseln erfolgreich als Lockmittel eingesetzt, um das Problem mit den verwilderten Katzen in den Griff zu bekommen. Oft konnte man allerdings die Tiere nur zusammen mit der Pflanze einsperren. Denn sobald man sie ihnen zu entreissen versuchte, tobten sie vor Wut.