Covid-19

24 Kandidaten werden aktuell getestet: Wie ist der Stand im Rennen um einen Corona-Impfstoff?

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Alles deutet darauf hin, dass es keinen Impfstoff geben wird, der bei einmaliger Impfung einen lebenslangen Schutz vor Covid-19 bietet. Gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden momentan 24 Impfstoffe klinisch erprobt.

Um sich für das Zulassungsverfahren zu qualifizieren, muss ein Impfstoff-Kandidat drei klinische Phasen durchlaufen. In Phase I wird an einer kleinen Anzahl von Freiwilligen (20 bis 30) vor allem die Verträglichkeit getestet. Zeigen sich Nebenwirkungen und wie heftig fallen sie aus? In Phase II wird an ein paar hundert freiwilligen Probanden neben der Verträglichkeit auch getestet, ob sich wirklich eine Immunantwort einstellt und wie hoch die Dosierung sein muss, damit sie auch wirklich schützt. Phase III wäre dann der Grossversuch mit mehr als tausend Probanden. In dieser Phase möchte man auch herausfinden, wie verlässlich der Impfschutz sein wird und wie lange er anhält.

Laut der Übersicht der WHO befinden sich momentan 24 Impfstoff-Kandidaten gegen Covid-19 in klinischer Erprobung. Das heisst, der Impfstoff wird bereits an Freiwilligen getestet. 142 Impfstoff-Kandidaten befinden sich noch in der vorklinischen Phase. Zwei Impfstoffe werden bereits im Grossversuch (Phase III) getestet, drei haben einen Grossversuch beantragt, aber noch keine Probanden rekrutiert.

Ein Super-Impfstoff ist nicht zu erwarten

Was man bis jetzt vom Sars-CoV-2-Virus weiss, deutet darauf hin, dass es wohl keinen Impfstoff geben wird, der bei einmaliger Applikation einen 100-prozentigen lebenslangen Schutz vor Covid-19 bietet. Wenn sich gegenüber einer Kontrollgruppe nur halb so viele Geimpfte anstecken wie Ungeimpfte, spricht man von einer Wirksamkeit von 50 Prozent. Wie hoch die Anforderungen diesbezüglich sein sollen, ist noch nicht sicher (50 bis 70 Prozent). Diese Probanden, welche die Basis für die Wirksamkeitsberechnung liefern, sollten noch keinen Kontakt mit dem Virus gehabt haben.

In Phase III sollte der Impfstoff aber auch breit ausprobiert werden: Unter den Probanden sollte es Freiwillige verschiedenen Alters geben, auch solche mit Vorerkrankungen und auch Patienten, die schon eine Infektion hinter sich haben.

Laut WHO haben schon fünf Kandidaten die Phase III erreicht oder stehen an der Schwelle. Die Phasen können sich auch überlappen, bei allen diesen Kandidaten laufen auch die Phasen I und II noch.

Universität Oxford/AstraZeneca in der Führungsposition

In Brasilien wird seit Ende Juni der Impfstoff der Universität Oxford an Probanden getestet, der Impfstoff-Hersteller AstraZeneca soll auch bereits mit der Grossproduktion begonnen haben, mit dem Risiko, die bereits produzierten Dosen wegwerfen zu müssen, wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellend ausfallen. Es handelt sich um einen Impfstoff, der das Antigen mit einem harmlosen Vektorvirus einschleust. Diese Methode hat man bei einem Ebola-Impfstoff erfolgreich ausprobiert.

In China und in den VAR wird der Impfstoff des Wuhan Institute of Biological Products und der Firma Sinopharm getestet. Dieser Impfstoff besteht aus inaktivierten Virus-Bestandteilen.

Zwei weitere Kandidaten kurz vor der Phase III aus China arbeiten ebenfalls mit inaktivierten Viren. Phase III angekündigt, aber noch keine Versuchspersonen rekrutiert, hat der Impfstoff-Kandidat der Firma Moderna, die Produktion soll dann bei Lonza erfolgen. Das ist ein Impfstoff der auf mRNA (messenger RNA) basiert. Das sind ausgewählte Gene des Virus, die im Geimpften die Immunantwort auslösen sollen. Dieses Verfahren wurde bisher noch bei keiner Krankheit ausprobiert.

Und dann die Logistik: Produzieren und verteilen

Wie schnell der Impfstoff verfügbar ist, hängt nicht nur von der klinischen Evaluation ab, sondern auch davon, wie schnell die Grossproduktion und die Verteilung hochgefahren werden können. Verschiedene Firmen haben angekündigt, die Produktionsanlagen für Millionen von Dosen verfügbar zu haben. Vier Pharma-Giganten (AstraZeneca, GlaxoSmithKline, Pfizer (BioNTech) und die Johnson&Johnson-Tochter Janssen) versprechen, den Impfstoff auf Selbstkostenbasis zur Verfügung zu stellen.

Ohne eine Phase-III-Erprobung soll kein Impfstoff freigegeben werden. Bei einer erfolgreichen Phase III könnte allenfalls ein Kandidat im Eilverfahren freigegeben werden. Im optimalen Fall ist der Horizont Ende 2020 mindestens nicht völlig unrealistisch.

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