Tatort-Kolumne
Lena Odenthal macht Jagd auf Psycho-Männer in Ludwigshafen

Die Kommissarin und ihre Kollegin Johanna Stern finden in der Luftröhre eines ermordeten Späti-Ladenbesitzers 73 Cent. Und wundert sich über ihre Verdächtigen, die sich dieses Mal besonders merkwürdig verhalten.

Julia Stephan
Drucken
Teilen
Misstrauen ist gefragt: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hat es dieses Mal mit schwierigen Verdächtigen zu tun.

Misstrauen ist gefragt: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hat es dieses Mal mit schwierigen Verdächtigen zu tun.

Bild: Das Erste

Eine laue Sommernacht in Ludwigshafen. Kommissarin Lena Odenthal lässt sich treiben im Kiez. Die Stimmung ist aufgeräumt. Die Farben der Kamerabilder satt. In einem Späti lungern zwei Männer, die ihr abendliches Dope brauchen: Spiritus in Flaschen. Dann fällt der Blick der Kamera auf den Mann, der normalerweise einkassiert. Blutüberströmt liegt er im Verkaufsgang. 73 Cent stecken in seiner Luftröhre – da hat einer nicht wegen eines simplen Raubmordes mit dem Leben bezahlt.

Regisseur und Drehbuchautor Martin Eigler hat sich zur Vorbereitung auf seinen Ludwigshafener «Tatort» durch Berge psychologischer Fach­literatur geackert. Und das merkt man dem Film an. Die Charaktere der Hauptverdächtigen – die zwei Männer aus dem Späti – sind sorgfältig angelegt wie Zierbeete, in denen kein Unkraut wuchern darf, welches das Psychogram irgendwie stören könnte.

Der eine gebärdet sich beim Verhör wie in einem Vorstellungsgespräch, flirtet und stapelt hoch in weissem Hemd. Sein drogensüchtiger blonder Gegenspieler tut alles, um den Verdacht auf sich zu lenken. In beiden Fällen sitzen Stern und Odenthal Menschen mit widersprüchlicher, brüchiger Biografie gegenüber, die lügen und von denen sich irgendwann einer selbst enttarnt.

Unglaublich vorhersehbar

Es scheint, als habe das Thema Narzissmus dem Fall, für den Lena Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern pausenlos zwischen den beiden Hauptverdächtigen tingeln, von Anfang an die Show gestohlen. Das ist schade. Denn Narzissten sind, wenn man sie einmal durchschaut hat, auf beängstigende Weise unglaublich vorhersehbar. Genau das will ein Krimi aber nicht sein.