Tatort-Kolumne
Im Münchner Fasnachts-Tatort gerät «Rotkäppchen» auf die schiefe Bahn

Ein toter Goldhändler, Geldwäsche und ein modernes Rotkäppchen, das etwas naiv mit dem Verbrechen kokettiert - die Münchner Ermittler Ivo Batic und Franz Leitmayr scheitern in einem Genre, bei dem es fast nie gut kommt: dem traditionellen Fasnachts-«Tatort».

Julia Stephan
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Nina Proll als modernes Rotkäppchen mit Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr und Miroslav Nemec als Ivo Batic.

Nina Proll als modernes Rotkäppchen mit Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr und Miroslav Nemec als Ivo Batic.

Bild: Luis Zeno Kuhn / BR

Rotkäppchen, grundsympathischer Naivling aus dem Unterhaltungsuniversum der Gebrüder Grimm, verkauft seine Lizenzen jedes Jahr an unzählige Fasnächtler, die dann kostümiert und ziemlich besoffen in seinem Namen verkleidet durch die Strassen torkeln.

Ein solches Rotkäppchen darf im Münchner Fasnachts-«Tatort» die Hauptrolle spielen. Silke Weinzierl (Nina Proll) ist nach dem Tod eines Goldhändlers inmitten feuchtfröhlicher Festlichkeiten die wichtigste Zeugin für die Ermittler Ivo Batic und Franz Leitmayr. Sie hatte zuletzte mit dem Toten Kontakt. Doch Weinzierl hat mit ihrem Vorbild aus dem Märchen viel gemein: Sie ist unzuverlässig, kommt beim Versuch, ein geradliniges Leben auf der Erfolgsspur zu führen, immer mal wieder vom Weg ab und legt sich ziemlich naiv mit Männern aus dem kriminellen Untergrund an.

Batic und Leitmayr versuchen verzweifelt sie vor sich selbst zu beschützen. Denn diese Frau gibt nicht nur an der Fasnacht, sondern auch im richtigen Leben vor, etwas zu sein, was sie nicht ist: eine erfolgreiche Geschäftsfrau, eine attraktive Verführerin, eine liebevolle Mutter. Lang hält sie die Rollen aber nie durch.

Zum Schluss doch nur eine Schmonzette

Viel zu früh erschöpft sich dieser «Tatort» erzählerisch in den Schlaufen, die er mit seiner überzeugenden Hauptdarstellerin Nina Proll dreht, die auch den beiden Kommissaren schöne Augen macht. Dass am Ende alles zu einer rührseligen Schmonzette wird, ist im schwierigen Genre des Fasnachts-«Tatorts» fast nicht zu vermeiden gewesen. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Auch für die Überführung des Mörders ist derjenige klar im Vorteil, der als Kind bei der Märchenstunde aufgepasst hat.

«Tatort aus München: «Kehraus». SRF 1, So, 20.05 Uhr. Wir vergeben zwei von fünf Sternen.