Tatort-Kolumne
Gläubige Psychopathen in der neuen Folge aus Wien: Das endet nur dank dem Humor der Kommissare nicht in einem Flop

Die Wiener Kommissare bekommen es diesmal mit einem strenggläubigen Katholiken zu tun, der seine gerechte Strafe erhalten will. Der Krimi um einen unerwarteten Freispruch ist sehr konstruiert, doch das charismatische Stammpersonal rettet ihn.

Susanne Holz
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«Tatort» aus Wien: «Alles was Recht ist». Sonntag, 3. April 2022, SRF 1, 20.05 Uhr.

«Tatort» aus Wien: «Alles was Recht ist». Sonntag, 3. April 2022, SRF 1, 20.05 Uhr.

Bild: ORF

Zu Beginn dieser Folge aus Wien macht Bibi Fellner (Adele Neuhauser) einen etwas müden Witz. «Jetzt hat der auch noch in seiner Freizeit mit Toten zu tun», sagt sie, als Kollege Eisner (Harald Krassnitzer) ihr erklärt, der Chef sei auf einer Beerdigung. Da ahnt man schon, dass auch dieser ganze Krimi nicht gerade auf der Überholspur sein wird.

Sie sind schon etwas müde geworden, die zwei Wiener Kommissare. Andererseits lebt auch diese Folge zu grossen Teilen von der tiefen Verbundenheit, die Eisner und Fellner im Lauf der Zeit entwickelt haben. Sie streiten und sie lieben sich – verlässlich.

Eine so gar nicht erwartete Unverlässlichkeit wiederum ist es, die hier unter dem Titel «Alles, was Recht ist» einen biederen Durchschnittsbürger dazu bringt, seiner Frau und deren Freundin die Kehle durchzuschneiden. Der völlig humorbefreite Stefan Weingartner (Johannes Zeiler) verliert folgenschwer die Kontrolle, als er unfreiwillig die Erzählung seiner Gattin mithört, welch erotische Freuden der Fitnesstrainer ihr bereitet habe. Ein Mord also, gleich zu Beginn geklärt, der Täter muss nur noch abgeführt werden.

Was folgt, ist eine etwas konstruierte Geschichte um einen überraschenden Freispruch, einen toten Anwalt eine Weile darauf und den Wunsch des strenggläubigen Katholiken nach der gerechten Bestrafung für die eigenen Sünden.

Wären da nicht die routiniert erdverhafteten Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner, würde diese Räuberpistole um Ehebruch, Glaube, Schuld und Sühne zur Satire geraten. Doch dank charismatischem Stammpersonal und einer Prise Humor kriegen die Wiener hier gerade noch mal die Kurve.

«Tatort» aus Wien: «Alles was Recht ist». Sonntag, 3. April 2022, SRF 1, 20.05 Uhr. Wir geben drei von fünf Sternen.