Kolumne

Sprachliche Moden und Marotten: Liebe Kommunikationsberater, hört auf mit diesem vermeintlichen Trick

«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Pedro Lenz.

«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Pedro Lenz.

In seiner Kolumne erklärt Schriftsteller Pedro Lenz diese Woche, warum ein Satz nicht besser wird, nur weil man ihn in angesagtes Englisch übersetzt.

Was machen Sprachen weit weg von daheim? Sie können sich auf eigenartige Weise verbiegen oder dazugewinnen. Aber meistens gewinnen sie nichts. Ein Beispiel für Sprachverbiegung ist der Werbespruch einer Schweizer Kommunikationsfirma.

Sie empfiehlt uns ein «Gigaset element security pack». Was darf ich mir als potenzieller Käufer darunter vorstellen?

Entschuldigung, liebe Kommunikationsfirma, man möchte dir nicht zu nahe treten, aber die Werber, die dir empfohlen haben, ein Produkt als «Gigaset element security pack» zu bewerben, sind Gangster, um nicht zu sagen Pack. Kein Konsument über 13 Jahren kann sich unter einem «Gigaset element security pack» etwas Besitzenswertes vorstellen. So etwas kauft niemand. Ähnliche Schwierigkeiten ergeben sich bei den beliebten Social-Media-Posts. Auch da tut man der Sprache keinen Gefallen, wenn man sie weit weg von ihrem angestammten Milieu verwendet.

Viele Mitteilungen, die aus der Schweiz in die Welt hinausgeblasen werden, sind in einem helvetisch kolorierten Social-Media-Englisch formuliert. Das scheint auf den ersten Blick Sinn zu machen. Es könnte ja sein, dass jemand aus dem fernen Ausland mitliest. Da möchte man nicht riskieren, in der richtigen Welt draussen nicht verstanden zu werden.

Deswegen heisst es zum Beispiel:

Solche Nachrichten klingen, selbst wenn sie in fehlerfreiem Englisch daherkommen, lächerlich. Es passt einfach nicht, weil das weltmännische «today» oder das globale «very nice» mit dem eher regionalen «Chemmeribodebad» zu sehr kontrastieren. Zur Verteidigung der Verfasserin oder des Verfassers darf angefügt werden, dass er sich zumindest theoretisch an eine englischsprachige Community wendet.

Weniger nachvollziehbar sind dagegen Posts wie «I give my vote in the following cantonal elections for Emma Horrisberger-Stucki. Twice on every list: Emma Horrisberger-Stucki» oder: «For an unforgettable Breakfast: Tea Room Chriesiboum Hänggiswilen». Denn die internationale Komponente zieht normalerweise weder in regionalen Wahlkämpfen noch in regionalen Agglomerationsgemeinden.

Natürlich gibt es regionale Politik auch in englischsprachigen Gegenden. Dort fiele es aber niemandem ein, irgendwelche Posts in irgendwelchen Fremdsprachen zu tätigen und zu hoffen, von den eigenen Leuten dafür bewundert zu werden.

Selbstverständlich steht es jedem frei, durch den konsequenten Einsatz englischer Sätze auf Social-Media-Plattformen auf seine internationale Bedeutung aufmerksam zu machen. Aber was nützt es, weltberühmt zu sein, wenn sich die Welt auf das eigene Dorf beschränkt? Wer nichts Relevantes zu sagen hat, wird dieses Problem selbst durch einen Sprachwechsel nicht lösen. Wir dürfen sogar vermuten, dass dem nicht einmal ein «Gigaset element security pack» abhilft.

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