Partnerschaft

Plötzlich ist Papa hin und weg

Und dann sieht er nur noch junge Frauen - überall.

Und dann sieht er nur noch junge Frauen - überall.

Wenn Männer um 50 ausser Kontrolle geraten, fallen Ehefrauen aus allen Wolken.

Lange schien alles bestens. Filmstar Mel Gibson konnte auf eine glückliche Familie mit sieben Kindern verweisen. Seine jahrzehntelange Ehe mit Jugendliebe Robyn mutete in Hollywood wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten an. Doch 2006, nach seinem 50. Geburtstag, wurde alles anders. Das Paar trennte sich, und Gibson trat fortan mit der jüngeren Russin Oksana, Modell «schwarzhaarige Barbie», auf. Damit steht er stellvertretend für viele Männer, die zwischen 40 und 50 ausbrechen. «Erstaunlicherweise betrifft es meist die Traumpaare, bei denen nach aussen alles wunderbar schien», sagt Paarcoach Charles Meyer aus Cham ZG.

Der ausbrechende Mann

Doch was veranlasst auch brave Familienväter, Hals über Kopf ihre entsetzten Ehefrauen und Kinder zurückzulassen? Liegt es nur an der «bösen» anderen, deren Jugend der Mann einfach nicht widerstehen kann? «Nur um das geht es in den meisten Fällen nicht», sagt Meyer, der zusammen mit seiner Frau Doris Carmen das Buch «Mein Mann hat eine Jüngere» schrieb. In einer guten Beziehung werde die anfängliche körperliche Attraktion durch emotionale Anziehungskraft ersetzt. Und somit nimmt der Partner die schwindende Jugend des anderen nicht als Problem wahr. Meyer, der selbst einmal ausbrach, aber wieder zurückfand, wagt im Buch einen Erklärungsversuch. «Um die 50 haben Männer eine Art Passhöhe erklommen, von der aus sie die Anfänge, aber auch das Ende ihrer Wanderschaft sehen können.»

Die Endlichkeit des Lebens zu erkennen, mache viele verletzlich. Die Folge: Sie schlittern in eine tiefe Midlife-Crisis. Verstärkt wird dieses Gefühl der Schwäche dadurch, dass auch Männer eine Art Wechseljahre durchmachen. Bedingt durch eine nachlassende Testosteron-Produktion, erleben sie Erektionsprobleme und eine verminderte Lust auf Sex. «Viele Männer geben dann der vermeintlich erlahmten Partnerschaft die Schuld daran», beobachtet Meyer. Um aus dieser Situation herauszukommen, wird nach jedem Strohhalm gegriffen. Vor allem, wenn er in der Gestalt einer jüngeren Frau daherkommt, die bewundernd zum älteren Mann und seinen Erfolgen aufschaut, während ihn die langjährige Ehefrau mit allen Schwächen kennt und daraus oft keinen Hehl macht.

Der entthronte Mann

Eine weitere Ursache liegt für Meyer in der lange vor sich hin schwelenden Kränkung, durch den Nachwuchs entthront worden zu sein. «Vater zu werden, hat auch seinen Preis. Plötzlich hat man eine Mutter neben sich, deren Brust jetzt dem Kind gehört», sagt Meyer, der rät, das Thema unbedingt anzusprechen. Noch problematischer wird es, wenn die Partnerin auch dem Mann gegenüber die Mamarolle einnimmt und sagt, was er zu tun hat. «In diese Rollenverteilung schlittern meist beide gemeinsam und sollten bei ersten Anzeichen sofort gegensteuern.»

Der dritte Grund für den Bruch mit der bisherigen Existenz liege in der Erkenntnis, dass man nicht das Leben führt, das man eigentlich will. «In diesem Fall erleben Männer Karriere und Familie plötzlich als eine Art Gefängnis», sagt Meyer. Und warten nur auf den Moment, auszubrechen. Kommt in diesem Augenblick eine passende jüngere Frau des Weges, wird sie oft als Rettungsring für ein neues Leben gesehen.

Der verdrängende Mann

Doch nicht alle Männer in der Krise werfen ihr bisheriges Leben über Bord. Meyer sieht jene gefährdet, die ihre Gefühle verdrängen. «Es gehen die, die nicht merken wollten, dass sich in ihrer Beziehung das Unglück aufstaut.» Doch zur Beziehungspflege gehöre es, dass die Gefühle auf den Tisch kommen. «Sonst wird man überschwemmt von Emotionen», warnt Meyer. Das gelte auch für die anfängliche Verliebtheit, die wie eine Droge anmute. «Wer nicht gelernt hat, mit seinen Gefühlen umzugehen, denkt in dieser Lage, dass er endlich das ersehnte Glück gefunden hat», so Meyer. Ein weiteres Motiv für den abrupten Ausstieg aus der Beziehung liege auch darin, dass Männer meinen, gleich Nägel mit Köpfen machen zu müssen. Und sich überstürzt entscheiden – gegen die Familie und für die Neue.

Meyer half es damals, seine Gefühle zu äussern, mit Doris Carmen zu reden und nichts zu überstürzen. Als Therapeut war er den Umgang mit Gefühlen gewohnt und wusste, dass die Verknalltheit ein vorübergehender Rausch sein würde.

Mel Gibson hatte weniger Glück. Vielleicht fühlte er sich ja erneut verdrängt, als er Oksana zur Mutter machte? Mittlerweile hat sie ihn auf Körperverletzung verklagt, weil er sie schlug. Und nun erlebt Gibson statt des zweiten Frühlings Hass.

Charles und Doris Carmen Meyer Mein Mann hat eine Jüngere! Orell-Füssli- Verlag, Zürich 2010. 192 S., Fr. 34.90.

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