Newcomer
«Ich würde gerne einmal im Hallenstadion auftreten»: Der St.Galler Rapper Batuhan Kanay will hoch hinaus

Anfang Januar hat der 20-jährige Batuhan Kanay sein erstes Album veröffentlicht, das er in seinem eigenen Tonstudio in St.Gallen aufgenommen hat. Seine Songs handeln von Herzschmerz, Partynächten und One-Night-Stands.

Claudio Weder Jetzt kommentieren
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Mit neun Jahren schrieb er seine ersten Songs: Batuhan Kanay, St. Galler Nachwuchsrapper.

Mit neun Jahren schrieb er seine ersten Songs: Batuhan Kanay, St. Galler Nachwuchsrapper.

Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 7. Januar 2022)

Das neue Jahr hätte für ihn nicht besser beginnen können. Am 4. Januar, einen Tag vor seinem zwanzigsten Geburtstag, veröffentlichte Batuhan Kanay sein Débutalbum «Chapter Two». Zwei Jahre lang hat der Nachwuchsrapper darauf hingearbeitet. «Ich kann noch immer nicht glauben, dass es endlich fertig ist», sagt der türkischstämmige St.Galler. Worauf er besonders stolz ist: Eine kurze Zeit lang war das Album auf Platz zwei in den Schweizer iTunes-Charts.

Auf seinem ersten Album zeigt sich Kanay vielseitig und experimentierfreudig. Die vierzehn Songs sind ein bunter Stilmix aus Hip-Hop, Trap und R’n’B. Auch zwei gefühlvolle Balladen, stilistisch zwischen Pop und Soul angesiedelt, finden sich auf der Platte. Kanay kennt keine Genregrenzen: «Ich probiere alles aus.» Auch mit den Sprachen experimentiert er gern: Er rappt und singt auf Deutsch, Englisch und Türkisch.

Die Musik hat Batu, wie er auch genannt wird, im Blut: Schon früh begann er zu singen, seine ersten Songs schrieb er mit neun. Damals sang er noch von der Liebe auf den ersten Blick – heute von Herzschmerz, Partynächten und One-Night-Stands. In der dritten Sek kam Kanay durch einen Kollegen zum ersten Mal in Kontakt mit einem Tonstudio. «Ich fühlte mich sofort zu Hause.»

Den Song «One Night Stand» produzierte Batuhan Kanay in nur 20 Minuten.

Video: Youtube

Neben Synthesizern stehen Shishas

Heute hat Batuhan Kanay sein eigenes Tonstudio. Seine Songs nimmt er alle selber auf und mischt sie selber ab. Er zeigt ein Handyvideo seines kleinen Reichs: Im blauen Neonlicht wirkt der Raum schummrig, an der Decke hängt ein «Himmel» aus Wattewolken und LED-Lichtern, auf einem kleinen Tisch stehen zwei Wasserpfeifen, die Atmosphäre erinnert an eine Shisha-Bar. Mit seinem «closed circle» – so nennt er seine fünfköpfige Crew – feiert er im Tonstudio auch gerne mal Partys. Seine Grosseltern, mit denen er zusammenwohnt, stört das nicht. «Auch die Nachbarn reklamieren nicht, wenn ich den Sound mal etwas lauter aufdrehe», sagt Kanay mit einem Augenzwinkern.

Auch mit Synthesizern, Drumcomputern, einem DJ-Pult sowie einer Gesangskabine ist Kanays Studio ausgestattet. Einen Teil des Studio-Equipments hat er von seinem Onkel erhalten.

«Er ist als DJ tätig und benötigte die Sachen nicht mehr. Im Gegenzug musste ich ihm aber versprechen, mit der Musik Gas zu geben.»
Dass sich die Gläser seiner Brille bei hellem Licht dunkel färben, hat Batuhan Kanay erst gemerkt, als er die Brille schon gekauft hat.

Dass sich die Gläser seiner Brille bei hellem Licht dunkel färben, hat Batuhan Kanay erst gemerkt, als er die Brille schon gekauft hat.

Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 7. Januar 2022)

Publikumspreis beim BandXOst

Gesagt, getan. In den vergangenen Jahren hat Batuhan Kanay rund 100 Songs produziert. «Und es werden immer mehr.» Schon zwei Mal nahm er am BandXOst-Wettbewerb teil — für die Finalqualifikation reichte es bislang nicht, doch 2021 gewann er in der Vorrunde den Publikumspreis.

Sein erstes Minialbum erschien 2019. Inzwischen hat er dieses aber wieder von allen Streamingplattformen entfernt, weil es ihm nicht mehr gefällt. Mit «Chapter Two» schlägt Kanay nun selbstbewusst ein neues Kapitel in seiner Rapperkarriere auf. «Ich will, dass dieses Album durch die Decke geht», sagt Kanay. Dass er es mit der Musik ernst meint, nimmt man dem enthusiastischen 20-Jährigen ab: «Es macht brutal viel Spass.»

Derzeit absolviert Kanay eine Ausbildung zum Fachmann Betreuung in einer Kindertagesstätte. Nach dem Lehrabschluss wartet die Rekrutenschule auf ihn, danach peilt er ein Musikstudium an. Als Rapper wird er weiterhin Gas geben: Schon im Sommer soll ein weiteres Minialbum erscheinen, auch ein Festivalauftritt zusammen mit seinem Rapperkollegen Kapca93 steht an. Zudem will Batuhan Kanay am Rapcity Contest teilnehmen, einem Newcomerwettbewerb im Bereich Hip-Hop. Schafft er es ins Halbfinale, könnte er im Zürcher Hallenstadion auftreten. «Das ist ein Kindheitswunsch von mir.»

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