«Die Sonne scheint doppelt so schön. Heut’ ist alles anders, als wie es sonst wär’, und das sollte nie mehr vergeh’n.» Die Sonne am Himmel war längst untergegangen, als sie am Donnerstag ob Zofingen aufging: Da stand er, der Hansi Hinterseer, und 7500 Menschen waren glücklich. «Ich hoab sovüil Spass, wieder do zu sein», sagte der Hansi, und man glaubte es ihm aufs Wort. Schlank und blond wie eh und je, die langen Beine in weissen Hosen, dazu ein Hemd in einem den Himmel konkurrierenden Blau und mit einem herzerwärmenden Strahlen im Gesicht, hielt er mit seiner Gegenwart das Versprechen «... heut’ ist dein Tag, denn heut’ wird das Glück dir begegnen ...»

Weit über vier Stunden hat es bis zu Hansis Auftritt gedauert. Kleine Sterne und alte Planeten am Schlagerhimmel, zum zwölften Mal anmoderiert von Sascha Ruefer, haben den Weg bis dahin gepflastert. Nicht zu vergessen Speis und Trank. Sie leisten seit eh und je einen wesentlichen Beitrag an die Stimmung. An diesem herrlichen Sommerabend war das besonders der Fall. Um 20 Uhr beherrschten noch gegen 30 Grad Celsius die Szene: Wasser mit und ohne Hopfen und Malz floss in Strömen, und wer auf Nahrungssuche war, litt an akuter Qual der Wahl: Fajita oder Sushi, Fischknusperli oder Pizza, süss-sauer oder scharf, Cervelat oder Bratwurst, Berliner oder Nussgipfel – uff, was für ein riesengrosses Picknick.

Outfit-mässig waren Dirndl und Landhausmode Trumpf. Zwei Mannsbilder trugen blond gelockte Damenperücken, einer ein schwarz-weiss geflecktes Ganzkörper-Kuh-Kostüm: wahrlich Heldentaten angesichts der herrschenden Temperaturen!

Heiterer Hansi-Hype

Heiterer Hansi-Hype

Technisch nicht optimal

Nicht klönen – bewahre –, es hat auch schon nasse und kühle Heitere Open Airs gegeben. Und – was das Programm betrifft – auch schon bessere. Dieses Jahr wollte lange Zeit der Funke von der Bühne nicht so recht ins Publikum überspringen. Nicht von den Chue Lee, die sich in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt haben, und nicht von Wolkenfrei. Von der ehemaligen Band ist lediglich Sängerin Vanessa Mai übrig geblieben. Hübsch, blond, in Shorts und nabelfreiem Blüschen hat sie die Ausstrahlung eines amerikanischen College-Girls und eine Stimme, die dem Bass-Wummern schier hoffnungslos gegenüber stand.

Über weite Strecken des Abends war die Technik generell nicht optimal, wurde der Gesang (ausser bei Hansi) von der Musik sehr übertönt, sodass die Song-Texte – war man in einer gewissen Distanz positioniert – nur vage erahnt werden konnten. Mit dieser Tatsache hatte auch Kristina Bach zu kämpfen. Im eleganten langen Kleid – weiss mit Papageien und Pflanzen – und Jeans-Jäckchen vermochte sie das Publikum mit ihrem «Erst ein Cappuccino, dann ein bisschen Vino» dennoch aus der Reserve zu locken: Den Ohrwurm kennt man schliesslich auswendig.

Nostalgie zum Mitsingen

Schunkeln, tanzen, mitsingen – kurzum Begeisterung – lösten die beiden Rier aus: Papa Norbert, bestens bekannt und beliebt als Frontsänger der Kastelruther Spatzen, und Sohn Alexander beglückten Männlein und Weiblein sowohl je solo als auch im Duett. Ganz besonders rissen sie mit einem Nostalgie-Medley auch die glücklichen Eroberer einer der raren Sitzgelegenheiten von den Bänken: Rex Gildos («Fiesta Mexicana»), Michael Holms («Mendocino»), Costa Cordalis’ («Anita»); Schlager, die man auch nach 40 und mehr Jahren noch immer im Ohr hat.

Um nicht zu sagen in Fleisch und Blut. So wie das Repertoire der in die Jahre gekommenen Mitglieder des Nockalm Quintetts. Da macht sich wohl oder übel eine gewisse Routine breit, welche das Feuer auf eher kleiner Flamme halten und Funken ins Publikum entsprechend sparsam stieben lässt. Auch mit dem Rock-Pop-Volksmusik-Cocktail von Franz Arnold Wiudä Bärg tat sich das Publikum etwas schwer – ausser, als ein «Stern, der deinen Namen trägt» über den Platz brauste. So richtig rundherum im Glück badeten die Besucher, vorab aber die Besucherinnen, jedoch erst gegen 23 Uhr, denn da sang der Hansi «... vom Himmel wird’s Sternschnuppen regnen, heut’, da werden deine Wünsche wahr.»