Francine Jordi
«Jetzt merkt man: Das Schlager-Schätzli macht ja auch noch gute Musik»

Die beliebteste Schweizer Sängerin über ihr neues Album, Musikantenstadl und Sturmgewehre.

Benno Tuchschmid
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Francine Jordi sagt: «Mich interessiert es Tradition in die moderne Zeit zu übertragen».

Francine Jordi sagt: «Mich interessiert es Tradition in die moderne Zeit zu übertragen».

Andreas Gemperle

Francine Jordi, in welche Genre-Schublade würden Sie Ihr neues Album stecken?

Francine Jordi: Für mich ist das moderner Schlager. Was ist es für Sie? Sie befassen sich als Journalist ja mit diesen Schubladen. Ich weniger.

Man könnte es auch Pop nennen.

Von den Harmonien und Melodien her nicht wirklich. Aber einige Songs, gerade die Mundart-Sachen, sind Pop, ja. Wenn nicht mein Name daneben stehen würde (lacht).

Ich frage, weil Schlager immer noch ein uncooles Image hat. Ist Ihnen das egal?

Ich finde die Frage seltsam. Würden Sie die einer Pop-Künstlerin auch stellen? Ich mache Schlager. Ich bin damit aufgewachsen und mache das von ganzem Herzen. Mich erstaunt eher, dass jetzt ganz viele Pop-Acts Schlager singen.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie privat Rihanna und Beyoncé mögen.

Neues Album, neue TV-Sendung

Francine Jordi, 38, ist die wohl beliebteste Sängerin der Schweiz. Morgen erscheint ihr dreizehntes Album mit dem Titel «Wir». Das Album wurde zu einem grossen Teil in Hamburg vom Produzenten-Team Thorsten Brötzmann und Ivo Moring, die auch für DJ Ötzi den Hit «Stern» kreierten und mit Unheilig, Matthias Reim und Helene Fischer arbeiteten.
Francine Jordi, die bürgerlich Lehmann zum Nachnamen heisst, stammt aus Richigen bei Worb BE. 1998 gewann sie den Grand Prix der Volksmusik und nahm 2002 für die Schweiz am Eurovision Song Contest teil. Bis heute gewann Jordi 7-mal Gold und 5-mal Platin.

Wieso steht in jedem Porträt über Sie «die ausgebildete Sängerin»?

Weil das stimmt.

Aber warum muss es betont werden?

Über ein Studium von 10 Jahren, wie ich es hinter mir habe, verfügen schon nicht alle in der Branche. Müssen sie auch nicht. Aber mir hat es enorm viel gebracht. Ich hatte in den letzten viereinhalb Wochen zwei Tage frei. Alles andere waren 15- bis 18-Stunden-Tage. Wenn du dazwischen Konzerte hast, dann ist es gut, wenn du auf eine Technik zurückgreifen kannst. So kann ich auch mit einem müden Körper gute Konzerte spielen. Das habe ich dieser Ausbildung zu verdanken.

Sie singen auf dem Album fünf Songs in Mundart. Was bedeuten die Ihnen?

Sie bedeuten mir sehr viel. Das ist Heimat. Sogar meine Stimme klingt anders, wenn ich in Mundart singe. Sie ist tiefer und weicher.

Wie unterscheiden sich die Fans in Deutschland, Österreich und hier?

In der Schweiz sind die Fans schon sehr emotional. Ich gehöre hier irgendwie zu ihrem Wohnzimmer (lacht). In Österreich geht es auch in diese Richtung. Die sagen «unsere Tschordi». In Deutschland, vor allem im Norden muss man sie noch abholen. Schlagerpublikum ist einfach generell sehr herzlich. Sie wollen gute Stimmung und Fun. Das ist ein dankbares Publikum.

Schlager boomt. Hat das damit zu tun, dass in Zeiten wie diesen die Flucht, die diese Musik bietet ...

Was meinen Sie mit Flucht?

Mit Schlager taucht man für ein paar Stunden aus einer manchmal nicht so schönen in eine wunderbare Welt ab.

Aber das ist doch keine Flucht. Es geht um Freude. Andere gehen Fussball spielen, um Spass zu haben. Schlager-Fans gehen an Schlager-Konzerte. Aber ja, Schlager boomt. Angefangen hat das mit Gildo Horn. Dann haben plötzlich viele gemerkt, dass Schlager-Partys lustig sind, aber man traute sich noch nicht, dazu zu stehen. Dann kam Andrea Berg mit «Du hast mich 1000 Mal belogen» und alle johlten auf den Tischen mit. Aber daheim hörte das offiziell immer noch niemand. Erst mit Helene Fischer und Andreas Gabalier konnte man sagen: Logisch, ich höre Schlager. Es wurde total normal.

Was bedeutet das für Sie als Sängerin?

Wenn ich mich heute auf der Strasse bewege, kommen plötzlich sehr viele Frauen zu mir hin, die sagen: Ich wollte Ihnen schon lange sagen, Sie sind eine tolle Frau. Mein Bild hat sich verändert.

Was war es denn früher für ein Bild?

Jordi, Schlager-Schätzli. Jetzt merkt man: Ich mache ja auch noch ganz gute Musik. (lacht) Heute sind Menschen auf mich aufmerksam geworden, die nicht unbedingt extreme Schlager-Fans sind. Das ist schön.

Ihr Leben wird medial begleitet, auch die Schattenseite. Das erfuhren Sie bei den Trennungen von Tony Rominger und Florian Ast. Stumpft das ab?

Ich weiss sehr wohl, dass es mit den Medien ein Geben und ein Nehmen ist. Die Medien unterstützen mich auch, dass ich so viele Konzerte geben kann. Seit 18 Jahren. Aber klar, ich arbeite nicht mehr mit allen Journalisten zusammen. Zum Teil kann man ja selber steuern, was man aus dem Privaten sagen will und was nicht.

Hat sich das verändert?

Ja, ich sage immer weniger.

Stichtwort: Musikantenstadl.

Stadl-Show!

Entschuldigung. Ist das wichtig?

Ja, diese TV-Stationen haben sich entschieden, dass sie einen Umbruch wollen. Darum brauchte es einen neuen Namen. Es zeigt, dass diese Show ein neues Kleid hat. Aber keine Angst: Es wird nicht alles auf den Kopf gestellt. Wenn du ein neues Kleid kaufst, dann achtest du auch darauf, welcher Schnitt dir passt. Die Sachen, die alle Fans liebten, bleiben. Volksmusik und Schlager.

Ihr Vorgänger Andy Borg fürchtet, die Volksmusik werde verschwinden.

Nein. Auch bei der Stadl-Show geht es immer noch von den Kastelruther Spatzen bis Helene Fischer.

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie das Stadl-Show-Angebot bekamen?

Erst Sprachlosigkeit. Puh. Die wollen mich wirklich! Aber dann dachte ich sofort: Ich muss diesen Mazza (ihren Co-Moderatoren) kennen lernen. Weil, wenn das nicht harmoniert, dann kannst du es gleich vergessen. Ich ging hin, brachte ihm eine anständige Schokolade, und es war sofort klar. Das passt. Und das war auch gut so, denn vom Zeitpunkt des ersten Treffens bis zur Pressekonferenz waren nur wenige Tage Zeit.

Musikantenstadl ist eine Erfolgsgeschichte. Da können Sie nur verlieren.

Oder weitermachen mit der Erfolgsgeschichte. Unser Ziel ist es, dass es wieder eine Familienshow wird. So wie bei uns in der Familie früher: «Tüschele», «pyschele», eine Tüte Chips und dann Stadl schauen. An den Konzerten ist das ja bereits möglich. Die Oma geht mit dem Enkel an Konzerte von Voxxclub oder Andreas Gabalier.

Schiessen Sie eigentlich noch?

Aber selbstverständlich. Als Schweizerin gehe ich natürlich ans Feldschiessen (lacht).

Gab es einen Kranz?

Den hab ich bis jetzt noch jedes Mal geholt. Und zwar ohne zu üben. Der erste Schuss zählt immer gleich. Schiessen ist eine Herausforderung.

Sie sind in einem Verein?

Richiger Feldschützen. Die ganze Familie ist da dabei. Immer wieder haben mich andere Schützenvereine fürs Feldschiessen «abzuwerben» versucht. Aber das geht natürlich nicht.

Ist Ihnen Tradition wichtig?

Mich interessiert es, die Tradition in die moderne Zeit zu übertragen. Das passiert ja in der Schweiz im Moment auf verschiedensten Ebenen. Das Schwingen boomt. Und eben auch der Schlager.

Und die Liebe?

Läuft gut (lacht).

Ja?

Ja, überall auf der Welt herrscht Liebe.

Also anders gefragt: Zivilstand?

Single (lacht).