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Jay-Z und Kanye West erklimmen den Thron

Kanye West  und Jay-Z (feat. La Roux) mit «That's My Bitch»

Kanye West und Jay-Z (feat. La Roux) mit «That's My Bitch»

Wenn sich zwei Rap-Schwergewichte zusammentun, kann das verdammt gut tönen. Das Album «Watch the Throne» von Jay-Z und Kanye West zeigt, dass auch im oft eintönig klingenden Mainstream-Hip-Hop noch Innovation möglich ist.

Schuldenkrise, Arbeitslosigkeit, aussichtslose Kriege. Amerika droht seine globale Dominanz zu verlieren. Das gilt für die Politik, nicht aber für die Popmusik. Hier sind die US-Stars noch immer tonangebend. Und auch wenn Amerika über keine bemannten Raumfähren mehr verfügt, Jay-Z, Kanye West und Beyoncé tragen uns bis zum Mond – und noch viel höher. «We gon’ take it to the moon, take it to the stars», singt die Sängerin mit voller Stimme und fragt: «How many people you know can take it this far?»

Nicht viele, wollen wir ihr antworten. Denn das was Jay-Z und Kanye West – unterstützt von einigen wenigen auserlesenen Gästen – uns präsentieren, übertrifft das meiste, was wir in den letzten Jahren im Mainstream-Hip-Hop gehört haben.

Durchdachte Symbiose

«Watch the Throne» ist nicht einfach eine Aneinanderreihung von Songs, in denen mal West, mal Jay-Z die Oberhand behält, sondern eine durchdachte Sound-Symbiose. Das hört sich etwa so an: Man nehme einen der besten Tracks von Jay-Z der letzten Jahre, zum Beispiel das raue «Death of Auto-Tune», vermengt es mit der elektrifizierenden Soundcollage, die Kanye West auf «My Beautiful Dark Twisted Fantasy» ausgearbeitet hat, und gewinnt dieser Kombination immer wieder neue Formen ab.

Das klingt dann mal futuristisch und minimalistisch wie in «Ni**gas in Paris», mal soulig und überdreht wie in der Hommage an Otis Redding, mal protzig und tanzbar wie in «That’s my Bitch», dann wieder verträumt und sensibel wie in «New Day», in dem die beiden Musiker über ihre (noch) ungeborenen Söhne rappen. Dass trotz der je eigenen stilistischen Ausprägungen sich die Tracks zu einem homogenen Ganzen vermengen, ist die vielleicht grösste Leistung von Jay-Z und Kanye West.

Ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Album ist «Watch the Throne» geworden, das trotz aller musikalischen Opulenz und dem stetigen Streben nach Formvollendung nicht gänzlich auf inhaltliche Tiefe verzichtet. Es zeigt eindrucksvoll, dass auch im oft eintönig klingenden Mainstream-Hip-Hop noch Innovation möglich ist.

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