Musik

In ihr klingt Prince weiter: Lianne La Havas bringt neues Album – ihr bestes bisher

Die 30-jährige Londoner Sängerin Lianne La Havas hat ihren Sound neu definiert.

Die 30-jährige Londoner Sängerin Lianne La Havas hat ihren Sound neu definiert.

Die englische Sängerin Lianne La Havas ist nach einer Pause zurück – und stärker denn je.

Acht Jahre ist es her, dass ­Lianne La Havas, die Tochter einer Jamaikanerin und eines Griechen, mit ihrem Debüt «Is Your Love Big Enough?» in die Soulwelt hinein explodierte. Ihre sonnengetränkte und frische Ausstrahlung setzte sie in trotzigen Soulhymnen mit querstehenden Gitarrenriffs und charmanten, fast jazzigen Miniaturen um.

Der Nachfolger «Blood» hatte eine etwas glatte Oberfläche. Beide Welten hat Lianne La Havas auf dem dritten Werk austariert. «Das erste Album war experimentell, sprang zwischen allen Genres, die ich mag, hin und her, das zweite war produzierter. Dieses neue Werk liegt in der Mitte, klingt sehr live, hat viele Gitarren und grossen Gesang», analysiert La Havas.

Selbstbewusst, aber nicht abgeklärt klingt das Album, entstanden mit Südlondoner Musikern aus Pop über afrikanische Musik bis zu Jazz, Soul und Hip-Hop.

Es ist etwas vom Besten, was dieses stilistische Umfeld zu bieten hat. Die Songs erzählen vom Tournee-Burn-out im hymnischen «Bitter­sweet». Von ihrer Grossmutter, deren Lebens­weisheiten sie in «Sour Flower» verewigt. Von neuer Liebe in «Read My Mind». Sie tut das mit einer Stimme, die ihr unverkennbares Vibrato besitzt, sich aber verändert hat:

Lianne La Havas souliger Planet hat auf diesem dritten Opus ein paar überraschende Satelliten eingefangen. «Green Papaya» ist ein Song, der an die kanadische Songwriterin Joni Mitchell erinnert. «Während der Aufnahmen lernte ich ihr Album ‹Hejira› kennen. Mir gefiel, wie sie und Bassist Jaco Pastorius ganz nackt, ohne Beats, zu hören sind. Das inspirierte diesen Song.»

Das ruhige, folkige «Courage» hat sie ihrer Liebe zum Brasilianer Milton Nascimento zu verdanken, es ist eine Auslotung der süffigen tropischen Harmonien der 1970er-Jahre. Und immer wieder erkennt man in den Gesangsschichtungen und Gitarren-Grooves ihren Mentor Prince.

«Sein Tod war ein Schock für mich, und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke», sagt La Havas. «Jeder spricht von seiner rätselhaften Natur, aber ich entdeckte eine sehr liebevolle Seite und seinen hartnäckigen Willen, Bewusstsein und Kreativität stets auszuweiten. Für mich ist das sein Vermächtnis.»

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