Open Air

«Für immer uf eu! Heitere! Zofige!» Schweizer Musiker drücken dem Open Air den Stempel auf

Den internationalen Bands und Musikern blieben am 29. Heitere Open Air in Zofingen die Nebenrollen.

«Meh als meh. Meh als meh», singen 12'000 Kehlen und geben Frontmann Büne Huber deutlich zu verstehen, dass sie noch lange nicht genug haben. Das Konzert von Patent Ochsner am Samstagabend war der unbestrittene Höhepunkt des Festivals. Ein Konzert für Band und Massenchor, denn das Publikum sang bei jedem Stück, jedem Ochsner-Hit, lautstark mit. Das Publikum kriegte, was es wollte. Überraschend, dass nur zwei Songs aus dem aktuellen Album «Cut Up» gespielt wurden. Büne Huber staunte aber nicht schlecht, als die Zuschauer auch die neuen Stücke «Pfingerabdröschti» und «Für Immer Uf Di» schon bis auf die letzte Zeile auswendig mitsangen. Büne Huber danke es den Zofingern mit dem Rotweinglas in der Hand: «Für immer uf di. Für immer uf eu – Heitere – Zofige!»

«Etwas ganz Besonderes» ist der Heitere für den Rothrister Posaunisten René Mosele. «Als Teenager war ich an ihren Konzerten, auch im Zofinger Ochsen, und war ein Riesenfan. Plötzlich stehst du selber mit ihnen auf der Bühne, das ist grossartig,» sagt er. Seit gut zwei Jahren ist Mosele in der neuformierten fünfköpfigen Bläsersektion. Und nicht nur das: Am Sonntagnachmittag spielte er noch in der Band von Kunz. Bei den Ochsner-Bläsern waren aber noch weitere Musiker aus der Region engagiert. Seit diesem Jahr auch Estefanía Campaña (Posaune und Euphonium) aus Zofingen sowie Saxofonist Alex Hendriksen, der an der Musikschule in Olten unterrichtet.

Patent Ochsner ist die Schweizer Band, auf die sich alle einigen können. Überhaupt waren es die Schweizer Bands, die der 29. Ausgabe des Zofinger Open Airs den Stempel aufdrückten. Am Sonntag machten die Hauptacts Marc Sway, Kunz und Stefanie Heinzmann Stimmung, zuvor aber noch Lo & Leduc, die den Heiteren am Freitagabend zum Kochen brachten. Wie schon im letzten Jahr räumten die beiden Berner mit ihrer grossen Band mit Bläsern kräftig ab und versprühten Lebensfreude. Beeindruckend war aber vor allem die Freestyle-Rap-Einlage aus den vier aus dem Publikum aufgeschnappten Worten Silberring, Aufmerksamkeitsdefizit, Mauersegler und Mandalamale.

Die Bilder des Sonntags

Die Bilder des Samstags

Die Bilder des Freitags

Lukas Graham: Mehr Body als Stimme

Im Vergleich zu Patent Ochsner und Lo & Leduc spielten alle internationalen Acts eine Nebenrolle. Am besten kam noch der dänische Sänger Lukas Graham an, dessen Musik von durchdringendem Mädchengekreische begleitet wurde. Graham, der vor vier Jahren mit «7 Years» einen Welthit landete, trat mit nacktem Oberkörper auf und machte umso besser deutlich, dass der Body grösser ist als seine dünne Bubenstimme. Trotzdem durfte er eine Zugabe geben.

Stimmlich besser präsentierte sich Lewis Capaldi, der schottische Pop-Aufsteiger des Jahres, am Freitagabend. Der Mädchenschwarm mit Bäuchlein und zerzauster Frisur ist so etwas wie die Antithese von Lukas Graham. Der beste Beweis dafür, dass man auch ohne perfektes Aussehen Erfolg haben kann. In der vordersten Reihe hielten Mädchen Plakate mit Liebeserklärungen hoch, doch dann war plötzlich Schluss. Statt einer Stunde spielte Capaldi nur knapp 40 Minuten und hinterliess in Zofingen einen bitteren Nachgeschmack.

Noch enttäuschender war der Auftritt von Cro. Dass der deutsche Musiker ein durchschnittlicher Rapper und ein noch durchschnittlicherer Sänger ist, war bekannt. In Zofingen präsentierte er sich dazu noch unmotiviert und völlig ausser Form. Auch die Panda-Maske mochte ihn nicht mehr retten, hat sie doch im Lauf der Jahre ihren Reiz verloren. Cro bleibt nur noch ein grosses Fragezeichen.

Die schönsten Bilder des Heitere Open Air 2019

Besser machte es Bastille. Doch sie hatte einen schweren Stand. Die international hochgehandelte Electro-Pop-Band hat einen eigenständigen Bandsound entwickelt. Doch nach dem Auftritt von Patent Ochsner war die Luft beim Publikum irgendwie raus. Die Stimmung konnte nicht gehalten werden. Da mochte sich Sänger Dan Smith noch so bemühen.

Einen willkommenen rockigen Kontrapunkt zum mehrheitlich poppigen und hip-hoppigen Programm konnte die schwedische Rockband Mando Diao setzen, die kurzfristig für Feine Sahne Fischfilet verpflichtet wurde. Die Band hat seit dem Abgang ihres zweiten Frontmannes Gustaf Norén an Attraktivität verloren, für die Rockfraktion in Zofingen war sie aber der klare Höhepunkt.

Insgesamt positive Bilanz für die Heitere-Woche

Insgesamt kann eine positive Bilanz gezogen werden. Im Gegensatz zu einigen anderen arrivierten Open Airs war das Heitere schon Monate im Voraus ausverkauft. Auch das Volksschlager-Open-Air meldete zuletzt volles Haus, und die Magic hat sich trotz durchschnittlichem Programm etabliert. Nur die «Rock Night» am Dienstag hat mit knapp 4000 Zuschauern die Erwartungen deutlich verpasst.

Die Bilder der Rock Night

Die Bilder des Volksschlager Open Airs

Die Bilder der Magic Night

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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