Musik

Feuerwerk mit Schlagzeugern: Der Trompeter Peter Schärli meldet sich aus dem Ruhestand zurück

Peter Schärli.

Peter Schärli.

Peter Schärli präsentiert eine Duo-Sammlung mit Schlagzeugerinnen und Schlagzeugern. Ein Album, das Freude macht.

Peter Schärli, der seit ein paar Wochen offiziell in Pension ist, lehnt sich nicht zurück. Musikalisch läuft es ihm besser denn je, Erweiterung und Vertiefung sind angesagt. Das zeigt jetzt auch sein wunderschönes Album «rumrum», mit dem er seinen breiten Erfahrungshorizont auf einer Zeitachse von 1991–2019 bündelt. Es gelingt ihm, im Duo mit über einem Dutzend Schlagzeugern und Schlagzeugerinnen, seine Qualitäten und Eigenheiten neu erlebbar zu machen: Reduktion und Expression, Melodie und Experiment, Verankerung und Freiheit.

Die meisten der 18 Tracks dieses Doppelalbums (Cover­design Niklaus Troxler), von denen es jeder einzelne verdient, gehört zu werden, sind aus gezielten Begegnungen im Studio Gabriel Recordings in Stalden OW entstanden. «Ich wollte eine CD machen, nur mit Schlagzeugern und Schlagzeugerinnen und meiner Trompete», so Schärli.

Es sind alles Musiker und Musikerinnen, mit denen er in den vergangenen Jahren gerne spielte. «Immer wenn ich wieder genügend finanzielle Mittel und Zeit hatte, ging ich mit einer Schlagzeugerin, einem Schlagzeuger ins Studio, um aufzunehmen.»

Die ältesten Aufnahmen aus dem Jahr 1991

Das Resultat macht Freude, das Spektrum ist nahrhaft. Die Musikalität strahlt in Facetten, die vom beseelten Universal-Musik-Verständnis eines Don Cherry und ethnischen Färbungen bis zu zeitgenössischen Klangexperimenten und freier Improvisation reichen. Da sind auch die eruptiven Linien seiner Freejazz-Anfänge, die bis heute in konzisen Energiemomenten aufscheinen können und hören lassen, wie souverän Schärli seine archaischen Einflüsse gebändigt hat, ohne den Tiger zu zähmen. Ein langjähriger Partner ist auch Pierre Favre, mit dem Schärli im Dschungel der Klänge herumschnalzt und zu beseelten Phrasen findet.

Die ältesten Aufnahmen von 1991 machen klar, dass Schärli schon früh die Fühler ausstreckte nach afrikanischer und südamerikanischer Musik. Explizit zu hören auf den 1991er-Aufnahmen mit Stelle Rambisai Chiweshe, Dom Um Romão und Burhan Öçal oder den zwei Tracks mit Dom Um Romão. Das kommt aber auch auf der aktuellen Interpretation von «Batak» (Co Streiff/Tommy Meier) mit Schlagzeuger Fredi Flükiger zum Ausdruck oder in der Tribal-Groove-Jam mit Schlagzeuger Chris Jager. Eigene Kompositionen spielt Schärli mit Norbert Pfammatter, Maris Egli, Jacques Widmer oder Béa­trice Egli. Mit Widmer wird das alpine Heimatglimmen erweckt, mit Graf singt und jault der Trompeter seine «Sugar Lady.»

Die schöne Vater-­Sohn-Hommage (Drums Samuel Schärli) an Don Cherry mit dessen Stück «Malinyea» ist ein Bindeglied von der kargen und doch so farbigen Melodiosität dieses frühen World-Jazz-Musikers zu Schärlis aktuellen Duo-Einspielungen, die stärker auf Atmosphäre, Klanglichkeit und freie Improvisation setzen. Beispiele dafür sind die experimentierfreudigen Begegnungen mit Gerry Hemingway, Sylwia Zytynska oder Fredy Studer und Julian Sartorius. Die Melodie als musikalische Grundspur glimmt immer auf, bis zu ihren Verfremdungen und Auflösungen.

CD-Release-Tour in Basel, Aarau und Luzern

Schärli hatte sich vorgenommen, das Projekt Ende Mai 2019 abzuschliessen. So ungern er sich auf eine bestimmte Zahl von Schlagzeugern beschränken musste, so schwierig fiel ihm später auch die Auswahl all der vorhandenen Aufnahmen. «Ohne die Hilfe von Chris Jaeger und Ron Kurz wäre ich wohl heute noch daran.» Den Schlusspunkt der Doppel-CD setzt eine knapp zweiminütige Aufnahme von 2002 mit dem Trommelfeuer von Tony Marsch und den «dirty lines» von Schärli. Im kommenden Herbst starten Peter Schärli und Sylwia Zytynska mit «duoplus» ein grosses Live-Projekt.

In Basel, Aarau und Luzern spielt das Duo je eine Konzertreihe mit neun Gästen, insgesamt 27 Konzerte. Es ist im weitesten Sinne eine Art CD-Release Tour, die zum «rumrum» von Trompete und Schlagzeug neue musikalische Stimmen fügt und im zweiten Teil der Konzerte auch zu Gesprächen mit dem Publikum einlädt.

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