Konzerte

Festival-Gängern steht ein Sommer der Superlative bevor

Top Acts am Genfersee: Das Westschweizer Paléo Festival lockte letztes Jahr 230000 Musikfans an.

Top Acts am Genfersee: Das Westschweizer Paléo Festival lockte letztes Jahr 230000 Musikfans an.

Mit dem Konzert der Rolling Stones im Letzigrund in Zürich fällt am Sonntag der Startschuss zur Schweizer Open-Air- und Sommer-Konzertsaison 2014. Über fünf Millionen Rock- und Popfans werden insgesamt erwartet.

Im Mittelland herrscht die grösste Open-Air-Dichte Europas mit einem unübersichtlichen Nebeneinander von idyllischen Kleinstfestivals bis monströsen Massenevents. Wohin entwickeln sich die Festivals? Was sind die Trends?

Highlights «More of the same» lautete das Verdikt im letzten Jahr. Im Konzert- und Festivalmenü figurierten die immer gleichen Superstars. Kaum Neues, keine Überraschungen. In diesem Jahr ändert sich das markant. Mit den Rolling Stones und Black Sabbath figurieren zwei Acts, die im letzten Jahr vermisst wurden. Dazu tritt mit Stevie Wonder, Dolly Parton und Udo Lindenberg eine Reihe von Superstars auf, die schon lange nicht mehr in der Schweiz waren – und aus Altersgründen vielleicht auch zum letzten Mal hier sein werden. Nicht verpassen!

Open Airs Die traditionellen grossen Open Airs in St. Gallen, Frauenfeld, Gurten Bern, Greenfield Interlaken, Heitere Zofingen, Paléo Nyon und Gampel sind auch in diesem Jahr die sicheren Werte. Also jene Open Airs, die mit Konzerten und Camping ein umfassendes Festivalerlebnis bieten. Der Vorverkauf läuft prächtig. Teilweise sind sie schon ausverkauft.

Marktsituation Seit Jahren wird vor einer Übersättigung des Marktes gewarnt. Trotzdem hat die Anzahl Veranstaltungen gemäss dem Branchenverband SMPA im letzten Jahr nochmals um fast zehn Prozent zugenommen. Das hat mit 4,9 Millionen Zuschauern zu einem neuen Rekordergebnis geführt. In diesem Jahr wird die Schallmauer von 5 Millionen Zuschauern durchbrochen.

Erste Opfer Die Marktbereinigung ist im Gang. Die Nachfrage konnte schon letztes Jahr nicht mehr mit dem Angebot Schritt halten, weshalb Taifun – die Veranstalterin von Sommersound Sursee – Konkurs anmelden musste. Eine Konkursandrohung erhielt auch die Open Air Zürich GmbH, die sich massiv verschuldet hat und den Zahlungsaufforderungen von Lieferanten nicht nachkommen konnte. Trotzdem richtet das Zürich Open Air vom 28. bis 31. Juli auch heuer mit der grossen Kelle an.

Verdrängungskampf I Von Mässigung ist aber auch in diesem Jahr nichts zu spüren. Im Gegenteil: Neue Festivals wie Rock The Ring in Hinwil (20.–22. Juni) mit Stars wie Bryan Adams, ZZ Top und Unheilig oder dem neukonzipierten Dance- und Electro-Festival Isle of Dreams in Gunzgen (8.–10. August) drängen in den Markt und verschärfen die Situation.

Hallenkonzerte Bisher hörte die Hallensaison auf, wenn die Open Airs im Juni starteten. Diesmal konkurrenziert aber eine Reihe von attraktiven Hallenstadion-Konzerten im Juni wie Robbie Williams (2./3.6.), Nine Inch Nails (4.6.), Miley Cyrus (7.6.), Kings Of Leon (9.6.), Black Sabbath (20.6) und The Eagles (30.6.) die Open Airs und Sommerfestivals.

Eintagesevents Massiv zugenommen haben die Eintagesevents. Neben den Hallenstadion-Konzerten und den grossen Arena-Konzerten im Stade de Suisse (Bern) und im Letzigrund (Zürich) sind das auch die Festivals Rock The Ring, Live at Sunset Zürich, Blue Balls Festival Luzern, Moon & Stars Locarno und das Montreux Jazzfestival, die auf Eintagesevents setzen und keine Übernachtungsgelegenheit auf dem Festivalgelände bieten. Sie tragen das grösste Risiko und sind absturzgefährdet.

Verdrängungskampf II Die Situation auf dem Konzertmarkt Schweiz spitzt sich also weiter zu. Vor allem die neue Firma Abc Productions von Pop-Pionier André Béchir drängt mit aller Macht in den Markt und vor allem den bisherigen Branchenprimus Good News an den Rand.

Ticketpreise Der Gesamtumsatz der Veranstaltungen dürfte auch in diesem Jahr nochmals zunehmen. Die Schallgrenze von fünf Millionen Zuschauern wird durchbrochen, denn die Nachfrage steigt immer noch – allerdings nicht mehr im gleichen Mass wie das Angebot. Der Ticketabsatz vor allem bei den Einzelkonzerten verläuft harzig. Damit kommen die Ticketpreise unter Druck. Das Publikum goutiert keine Preissteigerungen mehr.

Komfort Hauptzielgruppe der Open Airs sind Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren. Bisher wurde der Komfort nicht grossgeschrieben, weshalb ältere Musikliebhaber fernblieben. Das Open Air Frauenfeld beschreitet hier neue Wege, indem es acht Luxusvillen mit Zimmerservice, Dusche, Toilette und Jacuzzi, Strom, WLAN, Kühlschrank sowie fünfzig Favela-Hütten für finanzkräftigere Musikliebhaber anbietet. Der Luxus ist gefragt, Villen und Hütten längst ausverkauft. Hier ist noch Marktpotenzial vorhanden.

Personalisierte Tickets Der Schwarzmarkt auf den diversen Internetportalen blüht auch in diesem Jahr. Mit personalisierten Tickets, die auch den bargeldlosen Geldverkehr ermöglichten, versuchte das Gurten Festival im letzten Jahr, den Schwarzmarkt einzudämmen – ohne Erfolg. Der Test wurde wegen Problemen mit der Software wieder abgebrochen. Jetzt regiert auf dem Gurten wieder das Bargeld. Am Open Air St. Gallen, mit anderer Software, hält man dagegen nach wie vor am sogenannten Cashless Payment fest.

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