Popmusik
Er produziert Superstars – sein eigenes, drittes Album ist selbst ein Hit

Der Superstar-Produzent von Lorde und Taylor Swift macht als Bleachers selbst hervorragende Musik. Eine Begegnung mit Jack Antonoff.

Steffen Rüth
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Schrullig Genial: Jack Antonoff von Bleachers hat sein drittes Album veröffentlicht.

Schrullig Genial: Jack Antonoff von Bleachers hat sein drittes Album veröffentlicht.

Douglas Mason / Getty

Der gerade extrem gefragte Sänger, Songschreiber und Produzent Jack Antonoff ist Experte für den sensiblen Superstarpop. Aber auch alleine kann er glänzen, wie «Take The Sadness Out Of Saturday Night», sein drittes Album unter dem Namen Bleachers, beeindruckend belegt.

«Ich habe gerne Menschen um mich, aber ich will meistens nicht mit jemandem sprechen», sagt er und singt passend dazu, «I am here, but I’m not», in «91», dem nostalgischen, kammerpopartigen, mit Streichern verzierten Auftaktstück des Albums. Heisst so viel wie: Ich bin hier und auch wieder nicht.

«Diese Worte beschreiben mich auf den Punkt genau. Ich lebe teils in der Realität und teils in meiner eigenen Fantasiewelt.»

Jack Antonoff gehört zu den etwas schrägeren Geschöpfen. Beim Zoom-Interview aus seinem Studio in Brooklyn (er hat zusätzlich einen Arbeitsraum in den berühmten «Electric Lady»-Studios in Manhattan) macht er sich nebenbei Notizen, weil ihm gerade irgendetwas eingefallen ist. Er wirkt zwar liebenswürdig und knuffig, aber auch versponnen, irgendwie tatsächlich halb an- und halb abwesend. «Am liebsten kommuniziere ich durch meine Songs», sagt er, «zu schreiben ist so ein grandios einsamer, der Realität entrückter Akt. Aber ich bin kein Eremit. Ich liebe es, im Studio mit anderen Kreativen zu kollaborieren.»

Liebe und Musik mit den Superstars

Man sollte diesen Mann, 37 Jahre ist er alt, vielleicht kurz erklären. Bekannt und erfolgreich wurde Jack Antonoff, der Junge aus Jersey, vor bald zehn Jahren als Teil der – inzwischen auf unbestimmte Zeit pausierenden – Alternative-Pop-Band fun. Für die Single «We Are Young» bekamen die Jungs 2013 den «Song Of The Year»-Grammy, nur um kurze Zeit später getrennte Wege zu gehen. Antonoff, zu dessen Ex-Freundinnen übrigens Scarlett Johansson und Lena Dunham zählen, gründete Bleachers, und zunächst eher beiläufig baute er sich eine Karriere als Produzent auf.

«I am here, but I’m not», singt Bleachers in «91».

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Seine Spezialität ist geschmackvolle, etwas dezente, aber doch effektive Popmusik, gern mit Geigen, akustischen Gitarren, einer feinen Melodie und authentischem Text. Seit geraumer Zeit ist er der Mann für die Superstarproduktionen. Mit Taylor Swift arbeitete Jack an «1989» und «Folklore», mit Lana Del Rey konzipierte er das tolle «Norman Fucking Rockwell»-Album, für St.Vincents «Masseduction» bekam er einen weiteren Grammy (insgesamt sind es inzwischen fünf), und auch an Lordes kommendem Werk «Solar Power» arbeitete er intensiv mit.

«Ich staune jeden einzelnen Tag über mich und wie weit ich gekommen bin», sagt er, «das ist echt gross geworden. Doch Kunst ist wie Magie, du kannst sie nicht erklären. Zu den grausamen Realitäten meiner Arbeit gehört, dass der Goldstaub nicht für immer an meinen Fingern kleben wird.»

Ein Duett mit Kindheitsidol Bruce Springsteen

Auf «Take The Sadness Out Of Saturday Night» verstreut er seinen Zauber jedenfalls grossflächig. Das Album ist ein bisschen wie Antonoff selbst – schwer zu durchschauen, aber genial. Er hat ein paar sehr zackige, von Bläsern vorangetriebene und euphorisierende Popsongs wie «How Dare You Want More» und «Stop Making This Hurt» im Angebot. Aber auch reichlich nachdenkliches, ja trauriges Material wie «Secret Life», auf dem Lana Del Rey mitsingt. Mit 13 starb Jacks jüngere Schwester an Krebs.

«Mein zentrales Thema auf der Platte ist die Unmöglichkeit, Freude und Hoffnung auf Dauer aufrechtzuerhalten. Ich habe zu viel Trauer erlebt, um unbeschwerte Musik zu machen, auch wenn mir das in seltenen Momenten gelingt.»

Einen besseren Duett-Partner als Bruce Springsteen hätte er sodann nicht finden können. Gemeinsam singen sie eine Strophe auf «Chinatown», einem klanglich hübsch intimen Lied über die Fahrt mit der neuen Freundin heim nach New Jersey, um sie dort den Eltern vorzustellen. «Bruce ist mein Kindheitsidol und meine grösste Inspirationsquelle», so Antonoff, «seine Musik hat mich stets begleitet und bestärkt.» Nur folgerichtig also, dass sich das ganze Album angenehm Spring­steen-nah anhört.

Bleachers Take The Sadness Out Of Saturday Night, RCA Records.