Nachruf

Der legendäre Drummer Jimmy Cobb ist tot – zuletzt hatte er kein Geld mehr für Medikamente

Schlagzeug-Legende trat am 11. April 2005 mit Isla Eckinger (Bass) und Roman Schwaller (Tenorsax) im Speise-Bistro Isebähnli in Baden auf.

Schlagzeug-Legende trat am 11. April 2005 mit Isla Eckinger (Bass) und Roman Schwaller (Tenorsax) im Speise-Bistro Isebähnli in Baden auf.

Der legendäre Drummer Jimmy Cobb ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er war der Antreiber auf Miles Davis epochalen Album «Kind Of Blue».

«Der Drummer muss die Band swingen, darüber gibt es keinen Zweifel», sagte Jimmy Cobb einst und brachte damit seine Auffassung des Schlagzeugspiels auf den Punkt. Jimmy Cobb war ein Swing-Master und der Prototyp des geschmackssicheren, vorwärts groovenden Begleiters, der es verstand, mit ungewöhnlichen Fills eine Spannung aufzubauen. Als solcher war jahrzehntelang einer der gefragtesten Schlagzeuger des Jazz, der zwischen 1958 und 1963 bei einigen der epochalsten Aufnahmen mitwirkte. Allen voran bei Miles Davis «Kind Of Blue» von 1959, wo mit John Coltrane, Wynton Kelly, Bill Evans und Cannonball Adderley die modale Spielweise eingeführt und der moderne Jazz neu definiert wurde. „Diese Aufnahmen müssen im Himmel produziert worden sein“, sagte Cobb, als er das Ergebnis der Session erstmals hörte.

Weitere wichtige Alben mit Miles Davis waren etwa «Sketches of Spain», "Someday My Prince Will Come" und „Porgy and Bess“. Wir finden ihn aber auch auf John Coltranes Meisterwerk «Giant Steps». 2009 wurde Jimmy Cobb zum "NEA Jazz Master“ ernannt. Es ist die höchste offizielle Auszeichnung, die in den USA an Jazzmusiker vergeben wird. Bis ins Alter von 90 Jahren trat er regelmässig auf und veröffentlichte noch im letzten Jahr das Album „This I Dig Of You“ (Smoke Sessions/Membran).

Spendenaufruf seiner Tochter

Am 20. Januar dieses Jahres feierte Jimmy Cobb seinen 91. Geburtstag. Er war schon krank und seine Ärzte empfahlen ihm dringend, kürzer zu treten. Doch weil er sich das nicht leisten konnte und die finanziellen Reserven für Medikamente und Pflege längst aufgebraucht waren, startete seine Tochter Serena einen erfolgreichen Spendenaufruf. Schon in den ersten Tagen wurden gegen 50'000 Dollar gespendet. Trotzdem ist Jimmy Cobb gemäss seiner Tochter immer hilfsbedürftiger geworden und am 24. Mai in New York verstorben.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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