Pink Floyd
Der Kreis schliesst sich – das Gesamtwerk bleibt

«The Endless River» ist das letzte Album von Pink Floyd. Es ist Reprise und Schlussakkord einer wegweisenden Band und einer fast 50-jährigen Karriere.

Stefan Künzli
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Legendär: Pink Floyd mit Dave Gilmour, Snowy White, Nick Mason und Roger Waters spielen «In The Flesh» auf der Bühne im englischen Stafford im März 1977. David Redfern/Redferns

Legendär: Pink Floyd mit Dave Gilmour, Snowy White, Nick Mason und Roger Waters spielen «In The Flesh» auf der Bühne im englischen Stafford im März 1977. David Redfern/Redferns

Redferns

«Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es neue Musik von uns geben wird. Dafür müssten David Gilmour und Roger Waters zusammenarbeiten. Das halte ich für fast unmöglich», sagte Schlagzeuger Nick Mason 2011 im «Rolling Stone».

Das Material auf «The Endless River» ist denn auch eine Restverwertung, eine Collage von Ideen, Sounds und Improvisationen, die für das Album «The Division Bell» von 1994 keine Verwendung fanden. Immerhin ein Song, «Louder Than Words» von Dave Gilmour ist neu und klingt versöhnlich. «Wir haben gestritten und uns bekämpft. Doch das Ding, das wir machten ... ist lauter als Wörter.» Mit diesem berührenden Abschlusssong schliesst sich der Kreis und Pink Floyd wird wohl endgültig verstummen.

Eine der grössten Bands der Rockhistorie hat ihre Geschichte zu Ende geschrieben. Doch das Gesamtwerk bleibt. Epochal und wegweisend. Der LSD-schwangere Prog der 60er-Jahre im Traum- und Fantasieland Psychedelia, bombastische Chor- und Orchesterwerke, die Meisterwerke «Dark Side Of The Moon», «Wish You Were Here» und «The Wall». Sie erhoben Alltagsgeräusche zu Kunst: schreiende Möwen, bellende Hunde, plätscherndes Wasser und Bedrohliches wie rotierende Helikopter, Maschinengewehr-Salven, explodierende Bomben.

Sie «rockten und rollten in eine neue Musizier-Epoche» («The Observer») und haben die Möglichkeiten der modernen Elektronik für die Popmusik entdeckt und nutzbar gemacht. Gigantische Lightshows verstärkten die Wirkung der Musik. Pop in neuen Dimensionen.

Avantgarde trifft Pop

Und vielleicht die grösste Leistung: Ihre Musik war zugleich avantgardistisch und populär. Elitär und massentauglich. Manchmal überbordend und gigantomanisch, aber meist stilsicher. Die «New York Times» entdeckte in der Musik «eine Lebendigkeit, der klassische Elektronikwerke ermangle». Lob und Respekt aus der klassischen Musik machte sie aber umgekehrt bei der Rock- und Punk-Fraktion verdächtig.

Doch die musikhistorische Leistung ist unbestritten und bleibend. Wie auch die unzähligen Songs wie «Another Brick In The Wall», «Wish You Were Here», «Money», die längst zu Klassikern der Popgeschichte geworden sind.

The Piper At The Gates Of Dawn (1967) Das erste Pink-Floyd-Album ist das Baby des Exzentrikers Syd Barrett. So schillernd wie sein Schöpfer. Bizarr, exzentrisch, abenteuerlich, avantgardistisch und drogenschwanger. Voll von genialischen Ideen und Melodien, die sich dem britischen Folk anlehnten. Das Meisterwerk der psychedelischen Musik.
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Atom Heart Mother (1970) Was gestern im Pop hip war, ist morgen verstaubt. «Atom Heart Mother« wurde zuerst gefeiert, dann verdammt. Selbst Roger Waters meinte in den 80ern, dass es in den Mülleimer gehöre. Das pompöse Orchesterwerk sprengte den Pop-Rahmen und war wegweisend für das Crossover von Rock und Klassik. Zeit für eine Rehabilitation.
Meddle (1971) Mit «Meddle» finden Pink Floyd nach dem Abgang von Syd Barrett zum neuen majestätischen Sound. Gitarrist und Sänger Dave Gilmour rückt in den Mittelpunkt. Die Songs sind immer noch progressiv, komplex und verschachtelt, gewinnen aber an Pop-Appeal und die Melodien wirken vertraut. Es ist das Strickmuster für den grossen Erfolg.
Dark Side Of The Moon (1973) Das grosse Meisterwerk. Höhepunkt des künstlerischen Schaffens sowie des kommerziellen Erfolgs. Die perfekte Mischung aus klanglichen Experimenten und Popsongs. Mit 50 Millionen verkauften Einheiten ist «Dark Side Of The Moon» eines der erfolgreichsten Alben der Popgeschichte.
Wish You Were Here (1975) Mit «Wish You Were Here» reitet Pink Floyd weiter auf der Erfolgswelle auf höchstem Niveau. Das Album ist brillant, der Titelsong wie «Shine On You Crazy Diamond» werden zu Klassikern der Pop-Geschichte. In der Rezeption leidet das Album aber darunter, einfach die Fortsetzung von «Dark Side Of The Moon» zu sein.
The Wall (1979) Roger Waters hat das Zepter übernommen und Keyboarder Rick Wright aus der Band gedrängt. Mit «The Wall» schuf er eines der bedeutendsten Werke der Rock- und Popgeschichte. «The Wall» ist ein monumentales Multimedia-Spektakel. Rein musikalisch ist es aber überschätzt und kommt nicht an die besten Werke von Pink Floyd heran.
The Division Bell (1994) Roger Waters hat die Band verlassen. Gilmour, Wright und Mason sind motiviert, Gilmour spielt schöne Soli, doch das verbliebene Trio vermag keine neuen Akzente zu setzen. Im Vergleich zu den besten Alben fällt «The Division Bell» ab. Eine ziemlich müde Nummer. Die Geschichte von Pink Floyd ist abgeschlossen. (sk)

The Piper At The Gates Of Dawn (1967) Das erste Pink-Floyd-Album ist das Baby des Exzentrikers Syd Barrett. So schillernd wie sein Schöpfer. Bizarr, exzentrisch, abenteuerlich, avantgardistisch und drogenschwanger. Voll von genialischen Ideen und Melodien, die sich dem britischen Folk anlehnten. Das Meisterwerk der psychedelischen Musik.

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