Mundart-Pop

Das Jahr des Hechts: Sie beweisen, dass Konzerte wichtiger sind als CDs

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Die Schweizer Band «Hecht» ist ein Beispiel dafür, dass Konzerte heute wichtiger sind als CDs

2016 war laut chinesischem Horoskop das «Jahr des Affen». Nun haben wir hier nur wenige Affen, und auch sonst stand ein anderes Tier unter einem besonders guten Stern: der Hecht. Die nach dem Fisch benannte Band erlebte in diesem Jahr den Sprung an die Spitze. Die Konzertsäle wurden grösser und waren trotzdem immer voll. «Schüür» ausverkauft. «Bierhübeli» ausverkauft. «Salzhaus» ausverkauft. Auch für das Konzert an der Radio Pilatus Christmas Night im «Schweizerhof» nächste Woche gibt es keine Tickets mehr. Im kommenden März gehen sie noch einmal auf Tour, lange wird es nicht mehr gehen, und auch da wird «ausverkauft» stehen.

HECHT - Fiji

HECHT - Fiji

Es war wirklich das Jahr des Hechts. Die Band, einst im Luzerner Seetal gegründet, ist endgültig zu einem grossen Fisch im Schweizer Musikteich geworden. «Ich will in vollen Hallen spielen, und alle im Publikum sollen mitsingen», sagte Stefan Buck vor eineinhalb Jahren bei unserem ersten Gespräch. «Es ist verrückt: Es hat tatsächlich geklappt», sagt er jetzt, zufrieden lächelnd. Wer die Youtube-Schnipsel ihrer Konzerte sieht, der hört Buck teilweise fast nicht mehr singen. Da wird geklatscht, gehüpft und gesungen. Mittendrin immer: ein strahlender Stefan Buck. «Es gibt kaum etwas Schöneres», sagt der 36-Jährige. Privat trägt er weniger farbige Hemden als auf der Bühne. Buck ist nicht nur Hecht, sondern hat auch einen gut dotierten 100-Prozent-Job. Als die Band so richtig am Durchstarten war, wurde er zum zweiten Mal Vater.

«Computer klatschen nicht»

Hechts ursprünglichem Schlagzeuger wurde alles ein bisschen zu viel. Er stieg aus, komplett freiwillig und ohne böses Blut, wie Buck betont. Aber es ist sinnbildlich für die Schwelle, an der die Band gerade steht. Vollgas weiter, den Schwung nutzen oder lieber etwas auf die Bremse stehen? Vollgas weiter bedeutete wohl Verlangsamung an einem anderen Ort. Man merkt Buck das Hadern an: Natürlich sei es reizvoll, voll auf die Musik zu setzen, gibt er zu – «Computer klatschen nun mal nicht». Doch die «Aber» kommen schnell, und es sind einige. Wie genau er und die Bandkollegen sich entscheiden, steht noch in den Sternen.

HECHT live @ Argovia Fäscht 2016

HECHT live @ Argovia Fäscht 2016

Hecht live am 11. Juni 2016 am Argovia Fäscht auf dem Birrfeld.

Hecht treffen mit ihrem mitsingtauglichen Mundartpop einen Nerv der Zeit. Sie erzählen in ihren Liedern Geschichten über die Liebe, das Flirten, aber auch über das Scheitern. Immer in einer blumigen Sprache voller Metaphern. Und vor allem: Hecht sind eine starke Liveband. Ihre Freude ist ansteckend. Da wird getanzt, umarmt, getrunken. Buck und seine Kollegen Daniel Gisler, Christoph Schröter, Chris Filter und Philipp Morscher sind sich für nichts zu schade und tragen auch mal Anzüge mit Herzen drauf. Ein Hecht-Konzert ist ein Erlebnis. Ein gutes.

Spielen, spielen, spielen

45 Konzerte haben sie seit der Veröffentlichung ihres Albums «Adam + Eva» im Sommer 2015 gespielt. Darunter über 15 auf Festivals. Dabei haben Hecht Tausende Zuhörer erreicht. Und die kommen immer wieder. Die CD-Verkäufe dagegen sind fast ein bisschen zu vernachlässigen. Eine goldene Schallplatte, die es ab 10 000 verkauften Einheiten gibt, haben Hecht nicht. «Viel fehlt aber nicht mehr», sagt Buck. Der Mechanismus ist ähnlich wie bei Trauffer, dem anderen, noch erfolgreicheren Senkrechtstarter der Saison. «Spielen, spielen, spielen» ist die neue Zauberformel. Nicht mehr die CD ist der Motor, an ein Konzert zu gehen, sondern umgekehrt: Das Konzert schafft einen Anreiz, die CD zu kaufen.

HECHT - Brissago

HECHT - Brissago

Das ist ein harter Weg. Am Anfang sind weder die Säle voll noch das Publikum textsicher. Beharrlichkeit und Authentizität sind die wichtigsten Faktoren geworden. Hecht sind beides und wurden dafür belohnt. Nach den Konzerten im Frühling wird es etwas ruhiger werden. Songs schreiben ist angesagt. Zu der Beharrlichkeit gehört auch, dass man keine grössere Pause zwischen zwei Platten zulässt. «Schreiben und Konzerte spielen geht fast nicht gleichzeitig, wenn man nebenher noch arbeitet und Familie hat», sagt Buck. Aber natürlich wolle man sich auch etwas rar machen. Das macht den Hunger bei den Fans grösser. Ziel sei es, dass die neue CD vielleicht schon Ende 2017 auf den Markt kommt. Dann ist laut chinesischem Horoskop das «Jahr des Huhns». Auch kein Hecht, aber der Anfangsbuchstabe stimmt schon mal.

Hecht Konzerte ab 11. März in Solothurn, Zürich, Andermatt und Bern www.hechtimnetz.ch

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