Stimmen-Festival

Calexico riss am Stimmen-Auftakt den Grenzzaun nieder

Zum Auftakt des Stimmen-Festivals stand die Band Calexico auf der Bühne. Die Musiker aus den Südstaaten waren bereits zum vierten Mal zu Gast am Stimmen-Festival.

Ein einsamer Südstaaten-Trucker trifft in einem verlassenen Wüsten-Kaff auf eine jauchzende mexikanische Hochzeitsgesellschaft: Mit einem solchen Bild könnte man etwa die Musik von Calexico beschreiben. Ihre grenzüberschreitende Stilmischung machte beim Stimmen-Festival den Anfang. Dabei wurde auf einen sicheren Wert gesetzt: Die Band war bereits zum vierten Mal zu Gast beim Stimmen-Festival und konnte rund 1000 Besucher in den Burghof in Lörrach locken.

Vor dem Konzert durfte der Programmchef Markus Muffler noch einen anderen «Auftritt» ankündigen: Die noch bis Ende Monat amtierende Lörracher Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm eröffnete mit einer Ansprache die 21. Stimmen-Ausgabe. Ihre Amtszeit deckt sich beinahe mit der bisherigen Lebensdauer des Festivals. Zufrieden blickte sie zurück: «Für das Stimmen kommen sogar die Basler nach Lörrach», meinte sie schmunzelnd. Das Festival habe es der Kreisstadt ermöglicht, kulturell einen Aufbruch zu wagen. Es habe auch dem vorher wenige attraktiven Marktplatz neuen Glanz verliehen. «Zudem wäre der Burghof ohne Stimmen nicht vorstellbar», meinte die Noch-Oberbürgermeisterin.

Darauf gehörte die Bühne der jungen britischen Folk-Sängerin Lucy Ward. In Begleitung einer Violinistin vermochte sie als Opening Act beim Publikum zu überzeugen. Besonders ihre enthusiastische und humorvolle Art, ihre durchaus melancholischen Lieder anzukündigen, wurde gut aufgenommen.

Schliesslich startete die Reise über den Río Bravo: Die sieben Musiker von Calexico betraten unter erwartungsvollem Applaus den Burghof. Die Band um den Sänger und Gitarristen Joey Burns und den Schlagzeuger John Convertino aus Arizona begann den Auftritt eher schwermütig: Mit «Epic» spielte sie ein Stück ab ihrem aktuellen Album «Algiers». Auch wenn der Titel der CD einem Stadtteil in New Orleans entnommen ist, orientierte sich die Gruppe weniger an Louisiana, sondern blieb ihrem bewährten Stil treu: Melancholischer Wüsten-Rock, welcher mit feierlichen mexikanischen Ranchera-Anleihen und kubanische Rhythmen verschmilzt. Gleich beim zweiten Song, «Across the wire», wurde der Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko niedergewalzt: Schwelgende Mariachi-Trompeten brachten das Konzert in Fahrt.

Bei Inspiración ging’s mit Cha-Cha-Cha gar in Richtung Karibik. Dabei übernahm der Trompeter Jacob Valenzuela den Gesangspart. Er und der Berliner Multiinstrumentalist Martin Wenk ernteten für ihre kraftvollen Trompeten-Soli tosenden Applaus. In ruhigeren Stücken mit Vibraphon oder Akkordeon kam die Stimme von Joey Burns zum Tragen. Die Lap-Steel-Gitarre von Jairo Zavala zudem bisweilen für einen psychedelischen Country-Hintergrund.

Der Auftritt war stilsicher, doch zu routiniert: Bisweilen fehlte der Spannungsbogen und die Spontanität, für welche sich die überaus vielseitige Musik eigentlich anbieten würde. Dennoch vermochte das Konzert zu überzeugen und einmal mehr wurde klar, dass bei Calexico der Name Programm ist: Das Kofferwort aus México und California, welches für eine Grenzstadt kreiert wurde, steht sowohl musikalisch wie auch textlich für die Band: Die berüchtigte Grenze war ein roter Faden, so etwa im Song «Crystal Frontier» mit funkigen Gitarrenriffs und Bläsersätzen. Er spielt auf den gleichnamigen Roman des mexikanischen Schriftstellers Carlos Fuentes über Migranten-Schicksale an. Auch in der letzten Zugabe wurde die «kristallene Grenze» einmal mehr überschritten: Das groovige «Güero Canelo», wo ein Surfgitarren-Riff von einem Latin-Rhythmus getragen wird, sorgte für einen stimmungsvollen Abschluss.

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