Literatur

Monika Maron jammert in ihrem neuen Roman über verweichlichte Männer

So wünscht sich die Erzählerin den modernen Waschlappen-Mann: Als ritterlichen Helden Artus.Bild

So wünscht sich die Erzählerin den modernen Waschlappen-Mann: Als ritterlichen Helden Artus.Bild

Monika Marons Tendenzroman «Artur Lanz» will linken Mainstream verspotten und ist eine verknorzte Provokation gegen den Zeitgeist.

Klimaskeptiker als fröhliche Helden gegen moralische Schnellgerichte eines selbstgerechten, intriganten linksgrünen Mainstreams: Die Pointe des neuen Romans der in der DDR aufgewachsenen Schriftstellerin Monika Maron wirkt wie aus einem gehässigen Leitartikel. Die vielen Dialoge in «Artur Lanz» riechen denn auch wie Verkaufsargumente ihrer Botschaft: Die deutschen Männer seien durch Feminismus, Pazifismus und Umwelthysterie zu Waschlappen geworden, ohne einen Funken Heldentum komplett entmännlicht.

Die Ich-Erzählerin Charlotte Winter kommt wie ihre Autorin aus der Ex-DDR, ist pensionierte Lektorin und bedauert, dass Männer keine Helden mit Liebe und Opferbereitschaft mehr seien. Die Titelfigur Artur Lanz seinerseits fühlt sich der Heldenverpflichtung seines Namens nicht gewachsen, hält sich für einen Feigling. Die Mutter hatte ihn Artur getauft, um ihn auf Mut und Ritterlichkeit zu verpflichten. An der Tafelrunde von König Artus sass ja als Superman-Ritter Lancelot.

Da werden glatzköpfige Biker zu Helden

Charlotte Winter trifft den traurigen Mann auf einer Parkbank. «Er sass als einziger auf der Schattenseite des Platzes, auf der Sonnenseite sassen die Säufer.» Typisch Monika Maron: Prägnant verschmilzt sie die Stimmung von Innen und Aussen. Darin zeigt sie ihre grosse literarische Meisterschaft.

Die Erzählerin wittert Stoff für ein Buch-Projekt. Mit Lanz, aber auch mit Freundinnen und Bekannten wird die Verweichlichung nun seitenweise verhandelt. Charlottes Freundin behauptet, «dass manche Männer nur schwul geworden seien, weil sie sich nur noch bei Männern wie Männer fühlen durften.» Den Zeitgeist spiegelt Charlotte an ihrer DDR-Vergangenheit. Dass dabei suggeriert wird, der Moralismus des linken Mainstreams operiere mit denselben Mitteln wie die Stasi in der DDR, ist schon starker Tobak.

Bei der Lektüre dieses sprachlich immer noch oft starken Romans gerät man inhaltlich allmählich über Verwunderung in Bestürzung. Ist diese grosse Monika Maron noch bei Trost? Was sie Charlotte Winter in den Mund legt, hat sie allerdings ähnlich, wenn auch meist weniger krass, öffentlich gesagt. Charlotte Winter ist froh, wenn sie Handwerkern oder Taxifahrern begegnet, «an denen die jahrzehntelange Umerziehung zu empfindsameren, leiseren, feineren, eben weiblicheren Menschenwesen kaum Spuren hinterlassen hatte.» Wer hat denn da «umerzogen»? Ein Lagersystem der BRD?

Bizarr auch folgende Episode: Bei einer bedrohten Frauen-Demonstration kommt ausgerechnet ein glatzköpfiger Biker zu Hilfe. Es sei «plötzlich aus dem Dunkel wie ein Ritter aus dem Märchen ein grosser Mann aufgetaucht und habe die Verfolger in die Flucht geschlagen.» Ein Heldenbiker! Auch wenn dieser Roman noch viel besser geschrieben wäre – der Inhalt beschädigt die Form. Der Autorin ging es offensichtlich um einen Frontalangriff: Postheroismus sei verschleierte Feigheit. Ein Buch, dem man entweder zustimmt oder von dem man sich kopfschüttelnd provozieren lässt.

Monika Maron: Artur Lanz, Roman, S.Fischer, 220 S.

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