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Michael Elsener: «Wenn ich in einem Buch nicht vorkomme, lege ich es weg»

Kabarettist Michael Elsener, 34, tourt ab September mit seiner neuen Show «Fake me Happy» durch die Schweiz.

Kabarettist Michael Elsener, 34, tourt ab September mit seiner neuen Show «Fake me Happy» durch die Schweiz.

Diese Woche erklärt Satiriker Michael Elsener, warum er auf dem Sofa und nicht im Bett liest.

Welche Bücher liegen auf Ihrem Nachttisch?

Michael Elsener: Bei mir auf dem Nachtisch liegt kein einziges Buch. Meine Bücher stehen oder liegen in meinem Bücherregal. Ich habe vor zehn Jahren einmal alle nach Farben sortiert. An die Buchtitel kann ich mich meistens nicht mehr erinnern, an die Farbe vom Einband immer. Zum Lesen leg ich mich auf mein Sofa direkt vor die farbige Bücherwand. Ich weiss nicht, wie ich im Bett lesen sollte, da schlafen mir immer die Arme ein.

Warum sortieren sie Ihre Bücher nach Farben?

Oh, Sie scheinen sehr interessiert zu sein. Jetzt können wir pedantisch werden. Wenn die Bücher in sanften Farbverläufen eingeordnet sind, dann wird die Bücherwand zum Kunstwerk. Die Bücher nach Alphabet zu sortieren macht wenig Sinn. Wie soll man die Asterix-Bände einordnen? Da fangen die meisten an mit: «Le …», «La …» oder «L’…».

Wie viele Bücher haben Sie in Ihrer Wohnung?

Eine genaue Zahl kann ich Ihnen nicht nennen, doch ich habe von schwarz über türkis bis zu rosa Büchern alles im Haus. Aus irgendeinem Grund habe ich am meisten Bücher mit blauem Buchrücken.

Wie lesen Sie?

Relativ zügig. Im Zug lese ich im E-Book. Zu Hause oder beim Reisen in Asien oder Südamerika lese ich meistens die Taschenbuch-Ausgaben. Gerade beim Reisen bin ich mit Dingen unterwegs, die ich nicht aufladen muss und die auch einmal nass werden können.

Welches aktuelle Buch empfehlen Sie unseren Lesern?

Ich lese mich gerade wieder mal durch die Bücher von Markus Werner. Ein Schweizer Autor, der leider viel zu früh verstorben ist. Er hat es geschafft, seine Charaktere derart fein mit einer tragischen und komischen Note auszustatten, dass ich jeweils laut herauslachen muss. Auch im Zug. Ich denke mir beim Lesen konstant: Hoffentlich geht diese Geschichte nie zu Ende.

Wie stossen Sie auf neue Bücher?

Die meisten Tipps bekomme ich von Freunden, mal lese ich einen Hinweis auf Twitter oder schnappe etwas auf in einem Gespräch im Bus. Ich ging auch schon einmal in den Buchladen und sagte: «Mir fehlt noch ein hübsches dunkelgrünes Buch. Was können sie mir empfehlen?»

Welche drei Autoren möchten Sie zu einem gemeinsamen Nachtessen einladen?

Wow! Gleich drei aufs Mal? Für ein Abendessen einladen würde ich wohl Elfriede Jelinek, den Drehbuchautor Charlie Kaufmann und den Brenner-Krimi-Autor Wolf Haas.

Welches Buch haben Sie nie zu Ende gelesen?

Ich habe viele Bücher nicht zu Ende gelesen. Wenn ich in einem Buch nach 20 Seiten nicht vorkomme, dann lege ich es weg. Wenn ein Autor oder eine Autorin es nicht schafft, dass ich mich oder meine Lebenswelt im Buch wiedererkenne, dann ist das Buch wohl nur für sie relevant. Ich frag mich dann: Was mach ich mit diesem angelesenen Buch? Weil so ein Buch, das mir nicht gefällt, kann ich ja nur Leuten mitbringen, zu denen ich nicht mehr eingeladen werden möchte.

Hat ein Streit über Literatur schon einmal eine Freundschaft zerstört?

Nein. Aber es haben sich schon neue Freundschaften daraus ergeben. Ich habe auf einer philippinischen Insel in einer Hängematte «Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» von Peter Handke gelesen und mich gefragt, warum ich dieses Buch bis ans Ende der Welt schleppe, wo es mich so überhaupt nicht packt und ich in einem Selbstgespräch anfange, mich über Handke aufzuregen. Ein Filipino sagte dazu: «Kommst du Fussball spielen?» Wir sind dann eine Woche zusammen herumgereist.

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