Der macht ja alles! Mal ist Michael Elsener auf der Bühne und erzählt witzig-gedankenanregende Anekdoten, mal erklärt er den Populismus in einem kurzgefassten Video, mal macht er auf SRF 3 einen kurzen Sketch über das Sparen, mal (ja, es geht weiter!) lenkt er eine Late Night Talk Show in Zug und – zu guter Letzt – moderiert er die «Comedy Club 17»-Show» in Das Zelt.

Keine Pseudo-Objektivität

Das Hauptziel des studierten Politikwissenschafter-Schrägstrich-Exjournalisten ist das unterhaltsame Informieren; vor allem in den Online-Videos bemüht er sich, möglichst viele Informationen zu aktuellen Themen unterhaltsam in unter fünf Minuten reinzupacken, garniert mit eloquenten Argumenten, witzigen Grafiken sowie spielerischem Sarkasmus. «Sich informieren sollte nicht anstrengend sein. Wenn ich einen Zeitungsartikel lese und ich merke, dass er uninspiriert und langweilig geschrieben ist, dann muss ich mich zwingen, ihn fertig zu lesen.» Relevante Themen unterliegen laut Elsener keinem Zwang, komplett ernst abgehandelt zu werden. Die von den «seriösen» Nachrichten hochgeschätzte Objektivität hält er für einen Fehlschluss, sogar in den Wissenschaften. «Man kann eine Studie machen, aber welche Faktoren man mehr und welche man weniger gewichtet, ist nie neutral. Und auch eine Zeitungsnachricht ist nie neutral.» Manche trauen ihm, dem Komiker, sogar mehr, weil er nur über das berichtet, was ihn interessiert. «Es ist nicht so, als würde ich probieren, mich hinter einer Pseudo-Objektivität zu verstecken.»

Weniger politisch läuft es bei den Live-Auftritten ab. «Ich bin Komiker. Wenn die Leute nicht lachen, habe ich meinen Job nicht gut gemacht.» In seinem laufenden Programm «Mediengeil» erzählt er von verschiedenen Figuren im Zeitalter der Handysucht und der sozialen Medien, wie zum Beispiel die Geschichte eines Baselbieters, der während der Libyen-Ferien von Terroristen gekidnappt wird, und ihnen beibringt, wie sie sein Entführungsvideo filmen sollten, damit er möglichst viele Klicks erhält. «Wenn man will, kann man einfach zwei Stunden lang extrem lachen, aber man kann auch nachher mit anderen darüber diskutieren und sich eine eigene Meinung dazu bilden.»

Bühnenreifes Bettgeflüster

Das Bühnenbild von Elseners Late Night Talk Show «Die Gute Nacht Show» besteht aus einer grossen Leinwand und einem Bett. Bei jeder Aufführung lädt er für ihn spannende Menschen ein, mit ihm auf der Bettkante zu diskutieren und, je nach dem, auch unter die Bettdecke zu hüpfen. «Es gibt einen völlig anderen Talk, wenn man nebeneinander liegt und redet. Es hat etwas viel Persönlicheres.» Politik ist hier gar nicht unbedingt der Schwerpunkt, selbst wenn SRG-Generaldirektor Roger De Weck zur Bettkannte eingeladen ist. Auch persönlichere Erlebnisse könnten aufkommen. Aber halt mal, Michael: Wo ist denn jetzt das Lustige daran? «Schlussendlich ist fast alles, was ich angehe, irgendwie etwas zum Lachen», gibt Elsener zu, «Es hatte aber bei der letzten Show auch ganz ernste Momente, wo mir ein Politiker, der das schon 35 Jahre lang macht, mir erzählte, was er anders machen würde. Aber später hatten wir auch lustige Momente, wo wir über Reden von Johann-Schneider Ammann gelacht haben. Es sollte beides Platz haben.»

Bei der Aufführung in Das Zelt am Dienstag soll sozusagen ein «Best of»-Programm Elseners zu sehen sein. Zu dem möchte er eine möglichst gute Plattform für die Artisten des «Comedy Club 17» bieten – darunter Helga Schneider, Johnny Burn und Starbugs Comedy. Auf den Auftritt freut er sich: «Ich bin sonst als Solo-Künstler unterwegs, ich finde es sehr toll, ab und zu eine Show mit anderen Künstlern zu haben. Es ist geselliger.»

  • Das Zelt: 13. bis 24. Oktober, Pferderennbahn Aarau (weitere Infos siehe daszelt.ch)
  • Comedy Club 17: Di, 19. Oktober, Aarau/Mi, 1. November, Solothurn 
  • Mediengeil: Di, 31. Oktober, Basel Theater Fauteuil