Kolumne

Künzlis Playlist: Diese Songs prägten das letzte Jahrzehnt

Der Rapper Kendrick Lamar brachte die Politik zurück in die Musik der letzten zehn Jahre. (Archivbild)

Der Rapper Kendrick Lamar brachte die Politik zurück in die Musik der letzten zehn Jahre. (Archivbild)

Unser Kulturredaktor schreibt in seiner aktuellen Kolumne über die musikalischen Trends der 10er-Jahre.

Die 50er-Jahre haben ihren Sound, die 60er, 70er und erst recht die 80er. Doch danach wird’s schwieriger. Seither herrscht eine zunehmende postmoderne Vielfalt, ein wildes Nebeneinander der Stile und Substile, die eine Einordnung erschweren. Unterstützt von den Streamingportalen mit der unbegrenzten Verfügbarkeit der Musikgeschichte hat diese Segmentierung in den 10er-Jahren einen neuen Höhepunkt erreicht. So etwas wie ein Mainstream ist kaum noch erkennbar. Genregrenzen lösen sich auf, und Gassenhauer, Songs, die jedes Kind kennt, sind die Ausnahme.

Trotz dieser Beliebigkeit gibt es in den 10ern erkennbare Trends wie die Rückkehr des Politischen, die sich etwa in Kendrick Lamars «To Pimp A Butterfly» (2015) spiegelt. Aber nicht nur politisch und gesellschaftlich gehört dieses Meisterwerk zu den relevantesten Alben des Jahrzehnts. Mit unzähligen Reverenzen an die Musikgeschichte weist es auch musikalisch weit über den Rand des Genres hinaus. Bezeichnend ist, dass sich Lamar Impulse von Jazzmusikern wie Flying Lotus, Terrace Martin, Thundercat und Kamasi Washington holte, die an den Schnittstellen der diversen Genres experimentieren.

Woher der spannendste Wind weht, hatte aber auch David Bowie erkannt. Vor seinem Tod hat der Visionär mit Jazzmusikern wie Donny McCaslin, Ben Monder, Tim Lefebvre und Maria Schneider zusammengearbeitet und dabei mit «Blackstar» ein Vermächtnis geschaffen, das weit über das Pop- und Rockgenre ausstrahlt.

Die 10er-Jahre gehören aber auch den Frauen. MeToo hat deutliche Spuren hinterlassen und starke Stimmen wie Janelle Moná hervorgebracht. Aber auch musikalisch haben Frauen wie FKA Twigs, Julia Holter einiges bewegt. Zu nennen sind die Schwestern von Ibeyi, Daymé Arocena und Rosalia, die wie der männliche Kollege Sampha von der Volksmusik ihrer Herkunft die Brücke zu den verschiedensten Genres schlagen.

Hip-Hop und Electronica haben Rock, punkto Innovationskraft, wie schon in den 80ern, die Vorherrschaft entrissen. Aber gute Musik muss nicht unbedingt neu und unerhört klingen. Die Tedeschi Trucks Band setzt hier den Massstab und klingt wie die Quintessenz von Pop, Rock, Blues, Soul und Jazz. Besser geht’s nicht.

  • Kendrick Lamar: Alright
  • Kendrick Lamar: The Blacker The Berry
  • Flying Lotus feat. Kendrick Lamar: Never Catch Me
  • Kamasi Washington: Change Of The Guard
  • David Bowie: Blackstar
  • David Bowie with Maria Schneider Orchestra: Sue (Or In The Season of Crime)
  • Donny McCaslin: What About The Body
  • Janelle Monáe: Pynk
  • FKA Twigs: Two Weeks
  • Julia Holter: Words I Heard
  • Ibeyi: River
  • Daymé Arocena
  • Rosalia: Malamente
  • Sampha: Blood On Me
  • Tedeschi Trucks Band: Don’t Know What It Means

Folgen Sie Stefan Künzli auf Spotify, hören Sie seine Playlist zu den Hits aus dem Jahr 1969:

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Autor

Stefan Künzli

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