Lesetipps Thriller: Ein Kommissar geht auf Spinnenjagd

Im neuen Krimi von Fred Vargas haben möglicherweise Spinnen zahlreiche Menschen auf dem Gewissen, während in Mats Strandbergs das Böse von einer alten Frau Besitz ergreift.

Michael Graber/Arno Renggli
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Die Spinnen sind los

Sind es tatsächlich Spinnen, die zahlreiche Menschen in Frankreich auf dem Gewissen haben? Im Internet überschlagen sich die Verschwörungstheoretiker mit allerlei Halbwissen nach einer Serie von Toten – mutiert seien die ­Viecher und besonders zahlreich seien sie auch, wegen des Klimawandels. Kommissar Adamsberg hat schon früh Zweifel an der Spinnentheorie. In seiner bekannt ruhigen Art entflechtet er nach und nach das Netz und kommt den Tätern auf die Spur. Wie Fred Vargas den Krimi aufbaut und erzählt, ist einmal mehr ein Genuss. Auch wenn die Geschichte im Mittelteil des Buches etwas in all den verschiedenen Fäden (darunter auch ein kleiner Machtkampf im Büro) kleben bleibt, am Schluss macht alles plötzlich Sinn. Die Figuren sind alle herrlich schräg bis kurlig. Seine stärksten Momente hat der zehnte Fall von Adamsberg dann auch jeweils, wenn der eigentliche Fall beiseite liegt und man in die Welt des Ermittlerteams eintauchen kann. Ein Krimi, den man auch Leuten mit ausgeprägter Spinnenphobie ans Herz legen kann.

Fred Vargas: Der Zorn der Einsiedlerin. Limes, 512 S., Fr. 36.–

Der Horror kommt
in ein Heim für Demente

Letztes Jahr sorgte der Schwede Mats Strandberg mit seinem Thriller «Die Überfahrt» für Aufsehen. In der Tat bot er ein Panoptikum interessanter Figuren. Um die Story aber zügig in das überlange Gemetzel einer Vampirseuche münden zu lassen. Subtiler geht er im neuen Thriller «Das Heim» vor. Hauptfiguren sind Joel, der seine Mutter in ein Heim für Demente bringen muss, und Nina, die dort als Pflegerin arbeitet. Im Heim verändert sich der Charakter der Mutter. Sie wird ausfällig, gewalttätig, spricht finstere Geheimnisse an, die sie gar nicht wissen kann. Bald ahnen Protagonisten und Leser: Etwas Böses hat von ihr Besitz ergriffen.

Erneut überzeugt Strandberg mit den Figurenzeichnungen, namentlich bei Joel und Nina. Beide haben eine teils gemeinsame krasse Vergangenheit, beide leiden sie darunter, was Demenz mit Angehörigen bzw. Patienten macht. Dies schildert der Autor absolut erschreckend. Als Spannungshintergrund funktioniert das Heim perfekt. Die finale Auflösung, was mit der Mutter passiert ist, fällt dann irgendwo zwischen Stephen King und «Der Exorzist» etwas konventionell aus.

Mats Strandberg: Das Heim.Tor, 448 S., Fr. 24.–