Klassik-Tipp der Woche
Ukrainerin singt russische Lieder – und will sich nicht mehr mit ihrer russischen Klavierbegleiterin zeigen

Es war einst ein schönes Projekt einer Russin und einer Ukrainerin. Doch der Krieg in der Ukraine hat die zwei Künstlerinnen getrennt.

Christian Berzins
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Lena Belkina, ukrainische Mezzosopranistin.

Lena Belkina, ukrainische Mezzosopranistin.

Bild: Katharina Harris

In Usbekistan 1987 zu Sowjetzeiten geboren, als Zweijährige in die Ukraine umgezogen, in Kiew zur Sängerin ausgebildet, alsbald die Karriereleiter hochgestiegen und als österreichisch-ukrainische Sängerin unter anderem auf der Bregenzer Seebühne 2017 und 2018 als Carmen in Bizets berühmtester Oper gefeiert.

So lässt sich das Leben einer faszinierenden Mezzosopranistin zusammenfassen. In Genf war sie im Herbst in Prokofjews «Krieg und Frieden» als Sonja und in «Anna Bolena» als Page zu erleben: Bei Donizetti trumpfte sie in der Nebenrolle stimmliches Gold verströmend auf und glänzte durch eine famose Spiellust.

Nun präsentiert Lena Belkina elegische Lieder – Romanzen – von Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow: Miniaturen aus dem späten, russischen 19. und frühen 20. Jahrhundert: Die üppig dunkle Stimme, die voller farblicher Geheimnisse und mit einem herben Veilchenduft beschenkt ist, passt bestens zu dieser Musik. Kommt hinzu, dass Belkina glücklicherweise furchtlos vor dramatischer Zuspitzung singt.

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So kann man auch ohne Russischkenntnisse erahnen, welche russischen Frühlingsdramen sich in diesen Mini-Novellen abspielen. Das Drama «eigenes Leben» hat Belkina eingeholt. Ihre Klavierbegleiterin auf der CD ist Russin, doch Belkina hat sämtliche Auftritte in Russland abgesagt und verurteilt den beispiellosen Angriff von Putin auf die Ukraine zutiefst.

Lena Belkina, Spring night, Natalia Sidorenko (Klavier), solo musica 2022.