Klassik
Poltéra und Stradivaris Mara glänzen mit Argovia Philharmonic

Argovia Philharmonic ersetzt Brahms durch kleiner besetzte Sinfonien grosser Klassiker. Meistercellist Christian Poltéra lotet Tschaikowski-Kontraste aus.

Peter König
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Irène Zandel

Klar ist es schade, dass vorerst nichts wurde aus der Dritten von Brahms. Die schöne Idee des Argovia Philharmonic, diese Saison all seine Sinfonien zu spielen, musste bei Halbzeit einem Plan B weichen – allerdings einem guten. Man kann die Verantwortlichen zum «Ersatz» nur beglückwünschen: Statt Romantik gab es zwei Leckerbissen der Wiener Klassik.

Corona bedingt musste man kleiner denken, Brahms’ Dritte mit je neun Holz- und Blechbläsern und gross besetzten Streichern hätte den Rahmen gesprengt. Die Haydn- und Mozart-Sinfonien kommen mit halb so vielen Blas- und weniger Streicherinstrumenten aus – also grössere Abstände auf dem Konzertpodium und mehr Sicherheit (und als Zusatzluxus ein eigenes Notenpult für alle). Den Anfang machte die 1791 – Mozarts Todesjahr – komponierte und ein Jahr später in London uraufgeführte Symphonie Nr. 94 «mit dem Paukenschlag» von Joseph Haydn.

Und der «Paukenschlag» sorgt für Überraschungen. Da Haydn es hier faustdick hinter den Ohren hatte und das Publikum gerne an der Nase herumführte, trifft es der englische Beiname «Surprise» fast noch besser, denn das Werk strotz vor unerwarteten Wendungen. Chefdirigent Rune Bergmann kostet diese genüsslich aus und überträgt viel Energie auf das vor Spielfreude sprühende Orchester. Den Schlusspunkt setzte Wolfgang Amadeus Mozarts Haffner-Symphonie (KV 385), entstanden 1782. Sie hat bemerkenswerte Parallelen zu Haydn – und markante Unterschiede. Rune Bergmann schält beides sorgfältig heraus und lässt das Andante und das Menuetto beider Sinfonien in klaren, aber nie schroffen Gegensatz treten zu den Ecksätzen.

Meistercellist und Meisters Cello

Unberührt von der Pandemie blieben der Mittelteil des Programms, der Solist und gegenüber dem zweiten Abonnementskonzert, auch das Soloinstrument: Nach Camille Thomas war die Reihe jetzt am Schweizer Christian Poltéra, mit zwei Stücken von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, die verschiedener kaum sein könnten: Von seinen beiden Prachtinstrumenten kam das Mara des grossen Antonio Stradivari zum Zug, eines der bekanntesten Instrumente weltweit und ein Cello mit strahlend hellem und reinem Klang.

Christian Poltéra erweist sich mit beiden Tschaikowski-Werken als des Mara würdig. Scheinbar mühelos meistert er die simpel anmutenden, jedoch vertrackt schwierigen Rokoko-Variationen. Zur perfekten Technik kommt eine Gestaltungskraft, die von Variation zu Variation, aber auch im Vergleich zum elegisch ausgekosteten Andante cantabile, dem zweiten Tschaikowski-Stück, staunen macht.

In normalen Zeiten wäre der Meistercellist nicht ohne Zugabe davongekommen. Trotz kleinerer Besetzung ein ganz grosser Konzertabend in der Alten Reithalle. Einzig in dramaturgischer Hinsicht hätte man sich vielleicht den Abtausch der beiden Sinfonien gewünscht, aber das ist auf hohem Niveau geklagt.

Weitere Konzerte: Am 21. Januar im Kurtheater Baden, am 23. Januar im Festsaal Kloster Muri (11 Uhr) und in der Alten Reithalle und Aarau (17 Uhr) sowie am 26. Januar im Bahnhofsaal in Rheinfelden.

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