Kinotipp
Dieser Stummfilm lässt es krachen – demnächst läuft er auch in drei Kinos im Kanton Aargau

Dieser Stummfilm ist alles andere als still. Stephan Athanas haucht Harold Lloyds Filmklassiker «Safety Last» mit seiner Musik neues Leben ein.

Anna Raymann
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Das ganze Drama: Im originalen Filmplakat zu «Safety Last».

Das ganze Drama: Im originalen Filmplakat zu «Safety Last».

zvg/Pathé

Es ist eine der spektakulärsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte. Der «Junge» klettert die Hochhausfassade hoch, der Polizist folgt ihm Stockwerk um Stockwerk. Bis er geplagt von fiesen Tauben und anderen Hindernissen das Gleichgewicht verliert – und sich gerade noch mit einer Hand am Zeiger der Turmuhr halten kann.

Die Szene aus Harold Lloyds Stummfilmklassiker «Safety Last!» (Deutsch: «Ausgerechnet Wolkenkratzer») ist weltberühmt. Nun hat sie einen neuen Sound bekommen. Der Musiker Stephan Athanas hat dem Film eine neue Begleitmusik geschrieben, die er im Kino live einspielt.

Die berüchtigte Szene: Harold Lloyd hängt am Zeiger der Turmuhr

Die berüchtigte Szene: Harold Lloyd hängt am Zeiger der Turmuhr

zvg/Pathé

Es ist nicht der erste Stummfilm, den Stephan Athanas vertont. So hat er unter anderem schon einen neuen Sound für Jacques Tatis «mon oncle» geschrieben. «Filmmusik fasziniert mich. Schon als Kind habe ich den Ton von Filmen auf Kassette aufgezeichnet», erzählt Athanas. Er hat damit eine Nische für sich entdeckt, die er mit viel Leidenschaft füllt.

Ohne Orchester - aber nicht weniger imposant

Inzwischen touren zwar bekannte Filmmusiker wie Hans Zimmer als Rockstars um die Welt und grosse Orchester spielen live zu Blockbustern. «Das ist eine neuere Entwicklung», so Athanas, «Lange hat man Filmmusik nicht recht ernst genommen. Erst in den 90er-Jahren erkannte man ihre Bedeutung – auch als Zeitdokument.»

Stephan Athanas

Stephan Athanas

zvg

Bei Stephan Athanas ist alles eine Nummer kleiner, er kommt ohne Orchesterbegleitung aus. «Grundsätzlich gehe ich vom Stummfilmpianist aus – nur weniger antiquiert», sagt Athanas. Und das hört man: er begleitet Harold Lloyds Klassiker mit Klavier, Bassgitarre, Melodica und einer Loopstation. «Es ist eine sehr moderne Interpretation. Die Kombination von dem Filmklassiker mit dem zeitgenössischen Sound hat manchmal fast etwas Ironisches.»

Es ist ein treibender Sound, der den Humor des Films aufgreift, mitnimmt und zu etwas ganz Eigenem macht. Es lohnt sich, den Blick auch Mal von der Leinwand zu nehmen: Athanas Auftritt, das Multitasking zwischen den verschiedenen Instrumenten ist eine heitere Performance.

Der Filmmusiker begleitet Harold Lloyds Klassiker mit Klavier, Bassgitarre, Melodica und einer Loopstation.

Stephan Athanas

So leichtfüssig es auch aussieht, ist das Schaffen dennoch aufwändig und konzentriert, erzählt Stephan Athanas:

«Zuerst studiere ich die Geschichte und Charaktere, suche nach passenden Motiven. Und dann muss man einfach vorne anfangen – und am Ende aufhören. Man kann es sich vorstellen wie ein Spannteppich: von «wall to wall», von einer Wand zur anderen.»

Nicht jeder Film eignet sich für eine neue Vertonung, nicht überall sind die Rechte frei. Charlie Chaplins Filme etwa dürfen nur mit der vorgesehenen Originalmusik gezeigt werden. Wenn er es sich aber etwas für die nächste Vertonung frei aussuchen könnte? Stephan Athanas: «Reizen würde mich Science-Fiction, zum Beispiel Mars Attacks.»

Frank Lloyd live vertont von Stephan Athanas:
26. Januar 2022, 20.15 Uhr, Kino Ideal Aarau
25. März 2022, 20.15 Uhr, Kino Odeon Brugg
31. März 2022, 21.00 Uhr, Royal Baden
Unterstützt von der Josef Müller Stiftung