Glosse
Kunsthaus Zürich: Wenn Bührle auszieht, kann die Pfauenbühne einziehen

Die Debatte um die Bührle-Sammlung im Kunsthaus tobt weiter. Die Stiftung droht darob, die Sammlung abzuziehen. Was geschähe dann aber mit dem Chipperfield-Neubau? Ein paar Vorschläge.

Anna Raymann
Anna Raymann
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Auf wen richten Pipilotti Rists «TastendeLichter» (2020) die Scheinwerfer, wenn die Bührle-Sammlung tatsächlich aus dem Kunsthaus abgezogen würde?

Auf wen richten Pipilotti Rists «TastendeLichter» (2020) die Scheinwerfer, wenn die Bührle-Sammlung tatsächlich aus dem Kunsthaus abgezogen würde?

Franca Candrian / Kunsthaus Zürich

Trotzig schwebt die Drohung wie eine gewittrige Wolke über dem Heimplatz: Man könnte den strittigen Kunstschatz auch wieder aus seiner prominenten Beton-Truhe holen und woanders vergraben, wenn Zürich ihn denn nur sauber geputzt haben wolle, mahnte Bührle-Stiftungspräsident Lukas Gloor. Gegen weitere Provenienzforschung würde man sich nicht stellen, doch sei die Herkunft der Perlen aus der Sammlung von Waffenfabrikant Emil G. Bührle für ihren Platz im Museum ausreichend geklärt.

Lukas Gloor jedenfalls – und dafür könnte man ihm Geschichtsvergessenheit, mindestens aber mangelndes Fingerspitzengespür vorhalten – meint klar: «Es darf nicht sein, dass die Sammlung zu einer Gedenkstätte für NS-Verfolgung wird, das wird den Bildern nicht gerecht.» Was aber geschähe mit der 200 Millionen schweren Kunstkiste, wenn ihr Schatz verschwindet? Ein paar Vorschläge:

Ein Shopping-Zentrum

Für Shopping-Zentrum und Multiplex-Kino bietet Chipperfields Architektur eine attraktive Hülle. Der edle Marmor passt zu gehobenen Kundenwünschen. Man stelle sich den Weihnachtsbaum vor, der nach Vorbild der Galeries Lafayette durch das lichtdurchflutete Treppenhaus bis unter das Dach reicht! Die neuen Mieter – wir wissen, es ist die Zeit des Onlineshoppings und des Streamings – bleiben aber auch nur auf Zeit.

Ein Club

Berlin machte in der tanzfeindlichen Pandemie aus dem berüchtigten Berghain-Club eine Kunstgalerie. Zürich macht es umgekehrt: Der Museumsneubau wird zum Musikbunker. Die angesagtesten Techno-DJs füllen das Haus mühelos.

Ein Parkhaus

- Die Stadt der Zukunft ist grün. Wo Parkplätze den Strassen entlang Spalier standen, wachsen Bäume. Wo aber versorgt der kulturdurstige Züri-Besucher seinen SUV? Das Kunsthaus an zentraler Lage ist ihnen – gut angebunden an das städtische E-Trotti-Netz – ideales Parkhaus. Die Teslas speist eine neue Solaranlage auf dem Dach.

Ein Gewächshaus

- Das Museum der Zukunft ist grün, noch grüner als der Recyclingbeton, der für das Kunsthaus verbaut wurde. Ein Gewächshaus erweitert das scheue Gärtlein nach innen. Hier spriessen Microgreens und vielleicht sogar Hafer für die Milch. Kinder in der verbauten Stadt finden hier in die Natur zurück.

Das Schauspielhaus

- Warum so weit suchen? Hat nicht ein Nachbar am Heimplatz ein Raumproblem? Dem Zürcher Schauspielhaus ist seine geschichtsträchtige Pfauenbühne, und vor allem der Arbeitsraum dahinter, eng geworden. Kultur und Politik zanken um den Guckkasten. Platz und Prestige gibt es nun nebenan mindestens für grosse und kleine Bühne. Und der Pfauensaal bliebe gut geschützt erhalten.

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