Freida Pinto
Woody Allen: «Schnappen Sie sich das Mädchen!»

Soeben ist der Berufsneurotiker 75 Woody Allen geworden, jetzt läuft sein neuer Film im Kino. Im Film erklärt der Regisseur, warum ihn das Thema «alter Mann trifft junge Frau» in seinen Werken immer wieder beschäftigt.

Hans Jürg Zinsli
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Woody Allens neue Muse
8 Bilder
 Sexy Pose
 An den Oscar-Verleihungen: Der Film Slumdog Millionaire, in dem die schöne die Hauptrolle spielte, gewann acht Oscars.
 Sinnlich
 Mit ihrem Freud Dev Patel, mit dem sie seit Slumdog Millionaire zusammen ist.
 Lasziv
 Hat gut Lachen: Freida Pinto.
 Die Inderin war für Bollywoodfilme zu schlank.

Woody Allens neue Muse

Zur Verfügung gestellt

In Ihrem neuen Film «You Will Meet a Tall Dark Stranger» trennt sich ein älterer Mann (Anthony Hopkins) von seiner gleichaltrigen Frau, um ein Callgirl zu heiraten. Weshalb?

Woody Allen: Aus Angst. Die Gattin hat ihn allein mit Worten in die Flucht geschlagen. Du bist alt, sagt sie, und solltest nicht mehr Fitness treiben. Das will doch niemand hören.

«Alter Mann trifft junge Frau» ist ein wiederkehrendes Thema in Ihren Filmen...

Für Komödien und für Dramen ist diese Konstellation perfekt. Es ist provokativ und ergibt Lacher.

Weshalb treten Sie in Ihren Filmen kaum mehr selbst auf?

Für den romantischen Typ bin ich zu alt. Das ist manchmal schon frustrierend. Da habe ich Frauen wie Naomi Watts oder Scarlett Johansson am Set, aber ausführen dürfen sie andere. Und manchmal heisst es: Wer ist eigentlich der alte Mann da hinten? Ach so, der Regisseur.

Probleme mit dem Älterwerden?

Nun, es ist ein lausiger Deal. Man wird im Alter nicht weiser, nicht weicher. Dafür tut der Rücken weh, und die Augen tränen. Ich möchte niemandem raten, älter zu werden. Es ist auch nicht romantisch. Seien Sie jünger und schnappen Sie sich das Mädchen!

Wie denken Sie über den Tod?

Meine Beziehung dazu ist dieselbe wie immer – ich bin strikt dagegen. Aber im Ernst: Wenn ich so alt werden könnte wie Manoel de Oliveira, der mit 101 Jahren noch Filme macht – das wäre grossartig. Ich will jedoch nicht als geifernder Opa enden.

In Ihrem Film glaubt eine Person fest an Wahrsagerei. Sie auch?

Nein, Wahrsagerei ist völliger Blödsinn. Im Film ist das natürlich lustig, aber in Realität handelt es sich um eine Riesenindustrie, die sich auf Kosten Leichtgläubiger bereichert. Trotzdem sind am Ende die Leichtgläubigen die Glücklichen.

Weshalb?

Um sich zu helfen, muss man sich selbst belügen. Das wussten schon Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud und Eugene O’Neill. Wenn man sein Leben zu genau anschaut, wird es unerträglich.

Man sagt, Sie machten sich während der Dreharbeiten am Set kaum bemerkbar. Weshalb?

Das Wichtigste an einem Film ist das Casting. Wenn man die richtigen Schauspieler hat, braucht man sich nicht mehr zu sorgen. Naomi Watts, Josh Brolin, Anthony Hopkins, Antonio Banderas – das sind Ausnahmekünstler. In diesem Fall kann man am Set getrost die Klappe halten und danach seinen Lohn abholen.

Wie kamen Sie auf Josh Brolin, der dank «No Country for Old Men» der Coen-Brothers und «W.» von Oliver Stone einen zweiten Frühling erlebt?

Ich hatte Josh bereits in «Melinda and Melinda» besetzt. Allerdings hatte er da nicht einmal eine Dialogzeile. Es war, als hätte ich mit einer Mumie gearbeitet. Nachdem ich ihn in «No Country for Old Men» und «W.» gesehen hatte, schrieb ich ihm einen Brief: «Lieber Josh Brolin. Sie mögen sich vielleicht erinnern. Ich war der Regisseur von ‹Melinda and Melinda› und möchte Sie gerne für meinen nächsten Film.» Er sagte Ja.

Viele Schauspieler träumen davon, einmal mit Woody Allen zu drehen. Von wem träumen Sie?

Von Cate Blanchett und Reese Witherspoon. Leider habe ich mit beiden noch nie gesprochen, geschweige denn ihnen etwas angeboten. Aber ich hoffe, das kommt noch.