Kurzfilm

Wegen Niesanfall kann sogar eine Seilbahn abstürzen - im Film

«Die Seilbahn» aus dem Animationsfilm von Claudius Gentinetta.HO

«Die Seilbahn» aus dem Animationsfilm von Claudius Gentinetta.HO

In der Realität steckt die Angst vor dem Absturz in manch einem, der in eine Seilbahn steigt. Doch die Statistik sagt, die schwebenden Kabinen seien sicher. Weshalb Seilbahnabstürze so selten sind.

Eine schmale Kabine schwebt über tiefe Schluchten und entlang hohen Felsen. Ein Greis, der sich damit zu Berge transportieren lässt, gönnt sich eine Prise Schnupftabak. Das Unglück nimmt seinen Lauf: Ein Niesanfall um den andern lässt die rostige Klapperkiste Stück um Stück bersten.

So beginnt der animierte Kurzfilm «Die Seilbahn» des Zürcher Filmemachers Claudius Gentinetta. Auch wenn die Höhenangst Gentinetta antrieb, es in einer Seilbahn zur Katastrophe kommen zu lassen, die Geschichte ist eine Metapher: Um sich zu retten, klebt der Greis mit mitgeführtem Klebeband die auseinanderfallende Kabine zusammen. Pflästerli verhindern aber ein Ende nicht, das sich damit nur hinauszögern lässt.

Die Angst vor dem Absturz steckt in manch einem, der in eine Seilbahn steigt. Doch Seilbahnen sind sicher, sagt die Statistik.

Pech hatte also der Waldarbeiter, der vor einer Woche im Misox tödlich verunfallte. Die Arbeiter hatten eine 600 Meter lange Transportseilbahn montiert.

Seil gerissen

Der junge Mann liess sich damit hochziehen, doch das Zugseil riss und die Seilbahn schoss zu Tale. Die Wucht, mit der der junge Mann gegen eine Betonplattform geschleudert wurde, überlebte er nicht.

Glück im Unglück hatte dagegen jener Mann, der am Montag eine Gondel im Bündner Calancatal bestieg. Plötzlich brach die Tragvorrichtung der Kabine. Nur ein beherzter Sprung rettete dem Mann das Leben. Wie durch ein Wunder blieb er beim Aufprall auf einer steilen Bergwiese unverletzt.

Bei grösseren Anlagen ist der Bund zuständig, bei kleinen sind es die Kantone. Letztere kümmern sich um Skilifte, nicht öffentlich betriebene Anlagen sowie Seilbahnen, welche pro Fahrtrichtung nicht mehr als acht Personen gleichzeitig transportieren.

Für die Bahn im Calancatal ist also der Staat verantwortlich, der diese auch betreibt. Siedlungen ab 30 Einwohnern garantiert der Kanton einen Zugang. Wo keine Strassen möglich sind, wie etwa im steilen Calancatal, betreibt er Seilbahnen.

Die Unfallursache sei noch nicht geklärt, heisst es beim Bündner Tiefbauamt. Die Kontrollstelle des interkantonalen Konkordats für Seilbahnen und Skilifte sei mit der Untersuchung beauftragt worden. Diese kontrolliert rund 250 Seilbahnanlagen und 900 Skilifte stichprobenmässig auf ihre Sicherheit. Dasselbe macht der Bund bei den 650 grösseren Anlagen.

Seit 2008 kamen bei Unfällen mit grossen Seilbahnen 4  Menschen ums Leben, 34 wurden schwer verletzt. Bei kleinen Seilbahnen und Skiliften gab es seit 2008 5 Todesopfer. Für Unfälle mit Transportseilbahnen wie im Misox interessiert sich die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva).

Schlagzeilen verursachte 1996 ein Achsenbruch an der Riederalp. Dabei kam eine  Person ums Leben, 18 verletzten sich. Eine Böe hob 2008 das Seil der Sesselbahn «Fallboden» auf der Kleinen Scheidegg aus den Rollen. Eine Person starb, drei wurden verletzt. 2004 schrammte die Schilthornbahn nur knapp einer Katastrophe vorbei, als die Ummantelung eines der Tragseile riss. Die Kabine stoppte vorher, 53 Passagiere konnten gerettet werden.

Vielleicht beruhigt dies verängstigte Passagiere: Damit es zu den genannten Vorfällen kam, brauchte es weit mehr als ein paar Niesanfälle nach einer Prise Schnupftabak.

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