Viktor Giacobbo muss derzeit Kritik einstecken. Im Nachgang der Sondersendung „Giacobbo/Müller" ("G/M") zu Gast beim Circus Knie vom vergangenen Sonntag hatte sich Knie-Sprecher Peter Küchler über die Sendung als „positive Sache" gefreut.

Kein Wunder. 80 Minuten lang standen der Zirkus und seine Artisten im Fokus. Zwar spulten Giacobbo und sein Moderations-Partner Mike Müller ihr übliches Rendement ab, doch gehörten auch diverse Nummern aus dem Circus Knie zum Programm.

Dass es sich dabei just um den Zirkus handelt, mit dem Giacobbo 2006 durch die Schweiz tourte, sieht Roger Blum, emeritierter Professor für Medienwissenschaft, nicht problematisch. «Der Circus Knie ist zu einer Schweizer Institution geworden. Er hat Kultstatus, weswegen die Wahl dieses Circus trotz Giacobbos Vergangenheit harmlos ist», sagt Blum gegenüber der «Nordwestschweiz».

Auf Platz 4 der Einflussreichsten im Showbiz

Giacobbo ist Autor, Kabarettist, Moderator und Schauspieler. Zudem hat er das Sagen am Casino Theater in Winterthur und auch sein Einfluss beim Schweizer Fernsehen SRF ist nicht zu unterschätzen.

So verdankt ihm sein „G/M"-Partner Mike Müller wohl einen Grossteil seiner Bekanntheit.

Im Ranking „Die 50 Einflussreichsten im Schweizer Showbiz" der „Schweiz am Sonntag" wählte die Jury Viktor Giacobbo auf den vierten Platz. Er erhielt 353,5 von maximal 420 Punkten. Auch in Giacobbos grossem Einfluss sieht Blum kein grundsätzliches Problem.

Wirtschaftliche Tätigkeit als Basis für die Unabhängigkeit

«Satire ist eine Gratwanderung», so Blum. Je vernetzter ein Satiriker sei, desto schwieriger werde es für ihn. Gleichzeitig gelte aber, dass je gefestigter ein Satiriker wirtschaftlich ist, desto unabhängiger kann er seine Arbeit machen.» Die wirtschaftliche Tätigkeit bilde erst die Basis für die Unabhängigkeit.

«Die verschiedenen Funktionen Giacobbos sehe ich aus der Distanz nicht dramatisch», sagt Blum. Die Objekte seiner Satire würden aus Politik, Wirtschaft und Sport stammen. «Problematisch wäre es, wenn Personen aus der Kultur zum Gegenstand seiner Satire würden.» Wenn sich also eine Persönlichkeit aus der Kultur so verhielte, dass sich eine satirische Reaktion aufdrängen würde, «würde es für Giacobbo mühsam».