Schawinski vs. Schmidt

«Sehen so Leute aus, die sich nicht ausstehen können? Ja!»

Zwei TV-Tiere im Gehege: Schawinski (l.) und Schmidt.

Zwei TV-Tiere im Gehege: Schawinski (l.) und Schmidt.

In «Schawinski» begegnete Harald Schmidt seinem wohl grössten Verehrer. Die grosse Konfrontation blieb aus. Die beiden Talkmaster unterhielten sich stattdessen gepflegt, ja schon fast freundschaftlich.

Harald Schmidt sagt «Hallo!». Es ist ein freundliches «Hallo!» von einem freundlichen Mann, er ist riesig, er geht vorbei, in einem schwarzen Flur im Leutschenbach, sein Anzug ist auch schwarz, und oben drauf sitzt ein sehr heller Kopf.

Er scheint guter Laune zu sein, aber das ist ja sowieso die Eigenschaft des Harald Schmidt, das Scheinen. Wie so eine Sonne. Oder Gott. Als er seine Kündigung einreichte am Tag, als Roger Schawinski seinen Job bei Sat.1 antrat, da sagte Anke Engelke: «Gott ist tot.» Jetzt tritt Gott (57) durch eine Studiotür und neigt sich hinab. Zu eben jenem Roger Schawinski (69).

Schawinski vs. Schmidt: Die Sendung vom 16.2. in voller Länge.

Schawinski vs. Schmidt: Die Sendung vom 16.2. in voller Länge.

Wird Gott jetzt bös?

Der ist nervös. Irrsinnig nervös. Gleich bei der Einführung fällt zweimal das Wort «legendär» beziehungsweise «le-gen-dÄR». Aber gut, wir wären auch nervös. Wird Gott jetzt bös? Wird er nicht. Metzeln sich jetzt zwei Giganten? Tun sie nicht. Schawinski und Gott arbeiten ja gerade beide für SRF, da kann man schon ein bisschen Kreide fressen. Aber vielleicht ist wirklich alles im Reinen zwischen ihnen. Männer können sowas. Bei aller Eitelkeit die eigene manchmal minimal zurückstecken.

«Dein Einstieg war ja durch mein Intro Fernsehgeschichte», sagt Schmidt zu Schawinski und über Schawinskis Buch, das er in der «Harald Schmidt Show» drangsalierte: «Also, bei allem Respekt vor dir als Schriftsteller: Nietzsche ist nicht gefährdet.» Schawinski gesteht, dass er damals vor dem Fernseher gezittert habe. Die beiden lachen sich einen Ast ab. Schmidt: «Sehen so Leute aus, die sich nicht ausstehen können? Ja!»

Schawinski will seinen Gast andauernd zum Hochintellektuellen erheben. Schmidt kontert: «Ich hab ein ganz gutes Gedächtnis, ich kann mir Namen merken und ich kann Tom Hanks von Tom Cruise unterscheiden.» Und wieso hat er nach seinem Abgang von Sat.1 – aus Erschöpfung, aus Ermattung (Schmidt) – die Sender so häufig gewechselt? «Es ging wahrscheinlich um den Wunsch nach Selbstzerstörung. Zum Höchsttarif natürlich.»

Er steht zu seinem Drang nach Geld. Aber er entlarvt auch Schawinski. Während einer «lustigen Taxifahrt durch Berlin» habe dieser gesagt: «Ey fuck, ich kauf jetzt das Penthouse!» Leider sei das Penthouse nachher feucht gewesen. 

Wo steht Schmidt eigentlich politisch? «Meine Haltung ist ganz klar: Ich stehe immer auf der richtigen Seite.» Und was meint er zur Wangenschlecker-Attacke von Jean-Claude Juncker auf Simonetta Sommaruga? «Das ist Ödön von Horváth, ‹Geschichten aus dem Wienerwald›: ‹Du wirst meiner Liebe nicht entgehen!›» Sagt der Mann, der vom Theater kommt.

Schawinksi kann nicht mehr als Stichworte geben, Reibung löst sich in wissbegierige Verehrung auf. Hat Schmidt die Fussball-WM wirklich alleine vor dem Fernseher verbracht? «Ja. Allein und ohne Ton.» Und was denkt er zu «Fifty Shades of Grey»? «Man geht jetzt in den Baumarkt und lässt sich ordentlich auspeitschen. Ich sag dir exklusiv: Sex ist mir zu anstrengend.» Das haben wir jetzt alle gehört. Und viel gelacht. Merci bien, monsieur Dieu.

Harald Schmidt moderiert am 18. Februar noch einmal um 22.25 Uhr den «Kulturplatz» auf SRF1.

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