Solothurner Filmtage
Schweizer Film dringt in alle Ecken der Erde vor

Ein Jahr nach dem 50. Jubiläum zeigt sich das Solothurner Filmfestival erneut als starke Plattform für das Schweizer Filmschaffen, insbesondere auch für den Nachwuchs. Die 51.Werkschau wird von einer starken internationalen Ausrichtung geprägt.

Georges Wyrsch
Drucken
Der Eröffnungsfilm «Die Schwalbe» von Mano Khalil spielt im irakischen Kurdistan.
4 Bilder
Filme, die an den 51. Solothurner Filmtagen gezeigt werden
«Köpek» der türkisch-schweizerischen Filmerin Esen Isik zeigt drei Schicksale in Istanbul.
In «Keeper» ist der Westschweizer Kacey Mottet Klein zu sehen, der die Schweiz an der Berlinale vertreten wird.

Der Eröffnungsfilm «Die Schwalbe» von Mano Khalil spielt im irakischen Kurdistan.

ho

Jeweils im Januar steht die Stadt Solothurn traditionsgemäss im Zeichen des Schweizer Kinos: Die Branche trifft sich an den Filmtagen, und das breite Publikum – gezählt wurden letztes Jahr insgesamt 68 000 Eintritte – entdeckt die diversen Neuheiten des heimischen Filmschaffens.

Doch «heimisch» bedeutet in diesem Zusammenhang längst nicht immer «daheim»: Während zurzeit in den Kinos Schweizer Heimatfilme wie «Schellen-Ursli» und «Heidi» grosse Erfolge feiern, zeichnet sich für das nächste Jahr eine Ausgabe der Solothurner Filmtage ab, die entschlossener denn je den Austausch mit anderen Ländern sucht.

«Wir wollen mit unserer Veranstaltung Offenheit signalisieren», kommentiert Festivalleiterin Seraina Rohrer diese auffallend starke Internationalität. «Seit die EU ihr Medienabkommen mit der Schweiz sistiert hat, müssen wir unsere Kontakte im Ausland noch weit intensiver pflegen. Deshalb haben wir in der neuen Sektion ‹Beyond Borders› auch vier Filmfestivals aus dem Ausland eingeladen.»

Plakat und Programm sind bekannt: Direktorin Seraina Rohrer hat am Dienstag in Zürich verraten, worauf sich das Publikum an den 51. Solothurner Filmtagen freuen kann.

Plakat und Programm sind bekannt: Direktorin Seraina Rohrer hat am Dienstag in Zürich verraten, worauf sich das Publikum an den 51. Solothurner Filmtagen freuen kann.

/KEYSTONE/VALERIANO DI DOMENICO

Hommage an Gnädinger

Doch nicht nur die Filmtage schielen über die Grenzen, auch das Schweizer Filmschaffen selbst dringt in alle Ecken der Erde vor: Schon der Eröffnungsspielfilm, Mano Khalils «Die Schwalbe», spielt im irakischen Kurdistan.

Weitere Destinationen im Verlauf des Programms sind Grönland («Sila and the Gatekeepers of the Arctic»), Island («Welcome to Iceland»), Las Vegas («Above and Below»), Istanbul («Köpek»)... und gleich dreimal Japan: In «Zen for Nothing» von Werner Penzel begibt sich die Berner Schauspielerin Sabine Timoteo über mehrere Monate in ein buddhistisches Kloster, in «Swing It Kids» von Fabian Kimoto geht eine Schweizer Kinderband auf Japan-Tournee und Mathias Gnädinger spielt in «Der grosse Sommer» von Stefan Jäger einen abgehalfterten Ex-Schwinger, der einem kleinen Jungen widerwillig in das Land der aufgehenden Sonne folgt und dort die Lebensfreude neu entdeckt.

Noch an der letzten Ausgabe der Solothurner Filmtage war Gnädinger umjubelt worden: An der Seite von Jörg Schneider rührte er in «Usfahrt Oerlike» die Zuschauer zu Tränen, nur wenige Monate vor seinem Tod.

Diesmal ist er also post mortem noch einmal in einem Film zu sehen, der viel Wärme fürs Gemüt verspricht, und der zweifellos vor vollen Rängen laufen wird. Und nicht nur das: Dem populären Volksschauspieler wird auch eine Fotoausstellung samt Vernissage gewidmet. Gnädiger gehörte zweifellos zu den prägnantesten Persönlichkeiten des Schweizer Films. Auch das ist den Solothurner Filmtagen immer wieder ein Anliegen: denjenigen Menschen Tribut zu zollen, die dem Schweizer Film eine Identität verleihen.

Neu gehört in diese Kategorie zum Beispiel der in Solothurn anwesende Westschweizer Kacey Mottet Klein («Keeper»): Er wird im Februar als Shootingstar die Schweiz an der diesjährigen Berlinale vertreten. Und in diesem Sinne versteht sich auch, dass mit Ursina Lardi als Ehrengast eine Schauspielerin empfangen wird, die in den letzten fünfzehn Jahren ebenfalls zu einem dieser prägnanten Gesichter des Schweizer Films geworden ist. Eine ausführliche Werkschau und eine Publikumsbegegnung stehen auf dem Programm.

Ursina Lardi als Ehrengast

Auch Lardi steht für die Internationalität, die sich das Festival heuer auf die Fahne geschrieben hat: Die Bündnerin ist regelmässig in deutschen Spielfilmen und Serien zu sehen, ihr Spielfilmdebüt von 2001 («Mein langsames Leben») stammt von Angela Schanelec, die zur sogenannten «Berliner Schule» gezählt wird und die ebenfalls in Solothurn sein wird. Um die internationale Vernetzung des Schweizer Films und der Schweizer Filmschaffenden steht es also nicht schlecht – auch wenn sich Seraina Rohrer das Medienabkommen mit der EU dringlichst zurückwünscht.

Solothurner Filmtage 21.–28. Januar 2016. www.solothurnerfilmage.ch

Aktuelle Nachrichten