Kino
Rex, du hast die Zähne schön: So gut ist der neue «Jurassic World»-Film

Der neue «Jurassic World»-Film erzählt wenig Neues. Er hat aber trotzdem mehr Biss als seine Vorgänger.

Lory Roebuck
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Selbst vom Bildrahmen nicht zu bändigen: Der Tyrannosaurus Rex treibt auch in «Jurassic World: Fallen Kingdom» sein Unwesen. Genau wie der Vulkan in seinem Rücken.

Selbst vom Bildrahmen nicht zu bändigen: Der Tyrannosaurus Rex treibt auch in «Jurassic World: Fallen Kingdom» sein Unwesen. Genau wie der Vulkan in seinem Rücken.

Universal Pictures

Mensch, du lernst es wohl nie. Da hat der knurrige Armeeoffizier gerade zwei Betäubungspfeile abgefeuert, schon nähert er sich der furchteinflössenden Kreatur mit seiner Zange. Ein weiterer Saurierzahn soll zu seiner Sammlung stossen.

Doch dieses Mal klemmt etwas. Und halt, schläft dieser Dino auch wirklich oder tut er nur so? Wer mit den Gesetzmässigkeiten klassischer Filmdramaturgie vertraut ist, ahnt bereits, was als Nächstes passiert.

Auf den ersten Blick hat der neue Kinofilm «Jurassic World: Fallen Kingdom» nicht viel mehr zu bieten als seine vier Vorgängerfilme. Auch jetzt streifen noch allerhand gefrässige Riesenechsen auf der Isla Nublar umher.

Auch jetzt kehren wieder Menschengruppen auf die Pazifikinsel zurück, obwohl bislang jeder einzelne Versuch, die dank Gentechnologie wieder zum Leben erweckten Dinosaurier dort als Touristenattraktion zu vermarkten, in einer Katastrophe mit hoher menschlicher Opferzahl gemündet ist.

Diese gigantische Unvernunft ist natürlich die Grundbedingung dafür, dass diese Filmserie beliebig lange weiterlaufen kann.

Denn das heutige Kinopublikum steht offenbar auf Dinosaurier, das legen die Einnahmen des letzten «Jurassic World»-Films nahe, der im Sommer 2015 den finanziell erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinlegte und schliesslich mehr als das Zehnfache seiner Herstellungskosten einspielte.

Zweites Massensterben droht

Was ist das Erfolgsrezept? Galt Steven Spielbergs ursprünglicher Film «Jurassic Park» 1993 noch als Meilenstein der Computertricktechnik, floppten die beiden Fortsetzungen «The Lost World» (1997) und «Jurassic Park III» (2001) dagegen erst bei den Kritikern und dann auch an den Kassen. Der riesige Erfolg von «Jurassic World» über ein Jahrzehnt später hatten nur wenige vorausgesehen.

Wie ein junger Harrison Ford: Chris Pratt als Dino-Zähmer Owen.

Wie ein junger Harrison Ford: Chris Pratt als Dino-Zähmer Owen.

Universal Pictures

War er dem neuen Hauptdarsteller Chris Pratt zu verdanken? Auch er hat schöne Zähne, und erst noch so viel Charisma und Humor wie der junge Harrison Ford. Vielleicht lag es aber auch an den jungen Kinozuschauern, die trotz Download und Streaming merkten, dass die Dinos auf der grossen Kinoleinwand einfach am meisten Eindruck machen.

Wie dem auch sei: Auch der Spanier J. A. Bayona, der für «Jurassic World: Fallen Kingdom» den Regieposten vom Amerikaner Colin Trevorrow übernahm, hat nun einen Film gedreht, der auf dem Fernseher oder Tablet verschwendet wäre.

Er tat das sogar in einem merklich breiteren Bildformat als seine Vorgänger, um, wie er sagt, möglichst viele Dinosaurier in die gleiche Einstellung packen zu können. Und es gibt bei Bayona viele Dinosaurier, mehr als in allen anderen «Jurassic»-Filmen zusammen. Der Clou: Weil der Vulkan auf Isla Nublar wieder aktiv ist, droht ihnen ein zweites Massensterben.

Wie bei Frankenstein

Chris Pratt alias Veloziraptoren-Züchter Owen will das verhindern. Also reist er mit einer privaten Milizarmee, die insgeheim natürlich viel unheilvollere Absichten verfolgt, auf die Insel.

Bayona inszeniert die Evakuierungsmission als furioses Endzeitspektakel voller panisch umherstampfenden Sauriern, alles verschlingenden Lava-Massen und aus dem Himmel regnenden Feuerbällen.

Wer ins Kino geht, um zwei Stunden lang sein Hirn abzuschalten und tief im Sessel zu kauern, ist hier gut bedient. Erst recht in der zweiten Filmhälfte, die in einem altehrwürdigen Anwesen auf dem Festland spielt, wo die Dinosaurier an die Meistbietenden versteigert werden sollen.

Natürlich ist darunter wieder ein besonders mörderisches Exemplar, das einer perversen genetischen Verquickung entsprungen ist und das es nicht lange in seinem Käfig hält.

Inhaltlich erzählt «Jurassic World: Fallen Kingdom» wenig Neues, Spass macht der Film trotzdem. Denn die Fähigkeiten von Horror-Spezialist Bayona («The Orphanage») kommen in der gotischen Villa voll zur Geltung. So klaustrophobisch und gruselig waren diese Filme noch nie.

Bayona nimmt die «Frankenstein»-Allegorie, die den «Jurassic»-Filmen innewohnt, als Erster richtig Ernst – und verleiht ihr ganz neuen Biss. Da hat also doch einer was gelernt.

Jurassic World: Fallen Kingdom (USA /S 2018) 128 Min. Regie: J. A. Bayona. Ab heute Mittwoch im Kino. ★★★☆☆