Solothurn

Filmtage-Direktorin zum Streit um Schweizer Filmpreis: «Wir wollen weiterhin Premieren»

Volle Kinosäle, Ticketprobleme und die Kritik der Regisseure am Schweizer Filmpreis: Anita Hugi zieht Bilanz über ihre ersten Solothurner Filmtage als Direktorin.

Wir treffen Anita Hugi am zweitletzten Tag der Solothurner Filmtage im «Kreuz». Sie ist noch mitten im Festivalfieber, setzt sich im Gewimmel an einen Holztisch und zieht eine vorläufige Bilanz über ihre ersten Filmtage als Direktorin.

Wie haben Sie Ihre Premiere ­erlebt?

Anita Hugi: Sehr gut, ich habe mich meinen vielen Aufgaben und der tollen Stimmung voll hingeben können und habe mir Zeit genommen für all die Begegnungen und Gespräche.

Welche Rückmeldungen erhielten Sie?

Sehr viel positive, insbesondere auch zum Programm und zur schönen Stimmung. Bei anderen ging es um die interessanten Gäste für die Diskussionsrunden im Rahmenprogramm.

Zur Person

Anita Hugi – Direktorin Solothurner FilmtageDie gebürtige Grenchnerin Anita Hugi (44) hat im August die Leitung der Solothurner Filmtage von Seraina Rohrer übernommen. Hugi wuchs in Biel auf und arbeitete nach ihrem Übersetzerstudium zuerst bei SRF und später als Programmdirektorin für ein Kunstfilm-Festival in Montréal, Kanada. Anita Hugi lebt mit ihrem Partner in Biel. (dfu)

Anita Hugi – Direktorin Solothurner Filmtage

Die gebürtige Grenchnerin Anita Hugi (44) hat im August die Leitung der Solothurner Filmtage von Seraina Rohrer übernommen. Hugi wuchs in Biel auf und arbeitete nach ihrem Übersetzerstudium zuerst bei SRF und später als Programmdirektorin für ein Kunstfilm-Festival in Montréal, Kanada. Anita Hugi lebt mit ihrem Partner in Biel. (dfu)

Es gab auch Probleme. Das Ticketsystem war überlastet, die Festival-App lief nicht zuverlässig. Das tat der Stimmung keinen Abbruch?

Nein, alle Rückmeldungen aus den Spielstellen zeigen, dass es zwar insbesondere am Freitag Probleme beim Ticketing und bei der App gab, sich diese jedoch nirgends auf die Stimmung auswirkten. Im Gegenteil. Die Mitarbeitenden haben mit ihrer zuvorkommenden Art und ihren schnellen Lösungen den Unterschied gemacht – und ebenso die Freude der Filmtagebesucher am Programm und an der besonderen Stimmung in der Stadt. Im Hintergrund arbeitete unser Ticketing-Partner auf Hochtouren.

Wo lagen die Ursachen der ­Probleme?

Der Server war überlastet. Wir wurden Opfer unseres eigenen Erfolgs. Der Freitag war laut Statistik der beste Freitag von den Eintrittszahlen her überhaupt, seit es die Filmtage gibt. Weil ab 8.30 Uhr morgens Reservationen gemacht werden können für die Tagesvorstellungen und jene des nachfolgenden Tages, kam das System zum Erliegen. Besitzer eines Tagespasses und eines Festivalpasses griffen gleichzeitig auf das System zu. Das schluckte unser Server nicht mehr, obwohl wir die Kapazität im Voraus ums Dreifache erhöht hatten.

Und damit haben Sie nicht ­gerechnet?

Nein, damit konnten wir nicht rechnen. Hinzu kam, dieses Jahr reservierten und kauften massiv mehr Leute ihre Plätze via App.

Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Wir werden das nach den Filmtagen umfassend analysieren. Prüfen werden wir beispielsweise, ob wir nächstes Jahr gestaffelt mit den Tickets rausgehen. Das heisst, es würden nicht mehr alle Besucherinnen und Besucher um die gleiche Zeit Reservationen machen wollen.

Viele Vorstellungen waren von Beginn weg ausgebucht. Ver­zeichnen Sie einen Rekord bei den Eintrittszahlen?

Das können wir erst nach den Film­tagen sagen. In den Kinosälen war vieles bis auf den letzten Platz ausgebucht, auch bei den filmhistorischen Programmen, was sehr positiv überrascht.

Erstmals verliess das Festival am Samstag für ein paar Stunden die Heimstätte Solothurn. Auf dem umgenutzten Attisholz-Industrieareal stieg eine Party der Schweizer Filmschulen. Waren da vor allem die Jungen?

Zu Beginn ja, doch nach den letzten Filmvorstellungen in Solothurn kamen noch einmal Shuttlebusse voll mit älteren Festivalbesuchern auf dem Areal an. Die Jungen der vier Filmhochschulen tanzten, und die Älteren mischten sich unter die Tanzenden. Es war eine ganz tolle Stimmung – eben dieser Dialog quer durch die Landesteile und Altersgruppen. Dort wurde besonders sichtbar, was wir uns zum Ziel gesetzt hatten: die Tradition der Filmtage ­bewahren und die Zukunft gestalten. Auch insgesamt steuern wir in dieselbe Richtung: Wir hatten 170 Akkreditierungen Studierender. Sie kamen nicht nur Party machen, sondern gingen in die Filme. Die Begegnung und das gemeinsame Filmerlebnis stehen in Solothurn sehr im Vordergrund.

Es gab Kritik am Termin der sogenannten Nacht der Nominationen. Am Anlass werden die Kandidaten für den Schweizer Filmpreis präsentiert. Den Filmschaffenden war der Termin am zweiten Festivaltag zu früh. Sie und der Bund als Trägerschaft des Filmpreises erhofften sich, dass dadurch die Publizität steigt für die Filme und die Leute sie nach der Nomination noch anschauen können in Solothurn selbst. Ist dieser Plan aufgegangen?

Die Filme waren durchweg gut ausgelastet oder ausverkauft. Das Thema wurde vor allem unter den Filmschaffenden und in der Presse diskutiert. Der Entscheid hierin liegt beim Bundesamt für Kultur, im Zusammenspiel mit der Filmakademie, welche nominiert. Mir ist wichtig zu betonen, die Filmtage sind auch ein Publikumsfestival.

Die Regisseure aber drohten damit, nicht mehr mit Premieren nach Solothurn zu reisen, wenn das so bleibt. Denn unter Umständen hat ihr Film erst Uraufführung, nachdem bereits die Nominierten für den Filmpreis bekannt sind. Solothurn ohne Premieren? Das müsste Ihnen Sorgen bereiten. Was entgegnen Sie darauf?

Sie sind mit Premieren in Solothurn willkommen, denn Solothurn bringt der Sichtbarkeit eines Films enorm viel! Filme berühren uns emotional. Und wenn sich viele Menschen einen Film erstmals als Premiere gemeinsam anschauen, dann ist das ein besonderes Erlebnis, und es führt zu einer Diskussion, die für die Filmschaffenden und die Lancierung eines Films sehr wertvoll sind. Das Filmerlebnis ist als gemeinschaftliches Erlebnis im Kinosaal am stärksten – und schönsten.

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