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Nächste Woche startet «Madres paralelas» in den Kinos – funktioniert das Duo Pedro Almodóvar und Penélope Cruz noch?

Am kommenden Donnerstag präsentiert das spanische Dream-Team Almodóvar-Cruz seinen neuen Film in Schweizer Kinos. Gar eine zweite Oscarnominierung liegt in Reichweite.

Regina Grüter
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Seit bald einem Vierteljahrhundert beruflich und privat freundschaftlich verbunden: Penélope Cruz und Pedro Almodóvar.

Seit bald einem Vierteljahrhundert beruflich und privat freundschaftlich verbunden: Penélope Cruz und Pedro Almodóvar.

Bild: Getty Images

Von Pedro Almodóvar und seiner «Muse» Penélope Cruz ist jetzt wieder überall die Rede. «Madres paralelas», der am Donnerstag in unseren Kinos startet, ist ihr achter gemeinsamer Film. Doch kann man Cruz nicht ­einfach als Almodóvars Muse bezeichnen. Ihr Verhältnis ist komplexer.

Der Kultregisseur schreibt erst seine Geschichten und sucht sich danach die geeigneten Gesichter dafür. Victoria Abril, Cecilia Roth, Rossy de Palma, Carmen Maura, Marisa Paredes, Julieta Serrano – der schwule spanische Regisseur hatte im Laufe seiner über 40-jährigen Karriere viele «Lieblings­schauspielerinnen». In seinen schrill-bunten 80er-Jahre-Filmen war es Carmen Maura. Durch sie konnte er seine explosiven Eifersuchts- und ­Rachegeschichten zwischen Melodrama und Komödie am besten erzählen. Und den Machismus demontieren. Die Liste der Frauen in der «Almodóvar-Familie» ist ungleich länger als die der Männer. Und ja, Penélope Cruz nimmt darin eine besondere Stellung ein.

Zweite Oscarnominierung für einen Almodóvar-Film?

Almodóvar sucht nach Schauspielerinnen, die intuitiv verstehen, um was es ihm geht. Penélope Cruz ist so eine. Sie stärke sein (Selbst-)Vertrauen, sagte er einmal. Auffällig an der Kollaboration zwischen Cruz und Almodóvar ist, dass der Regisseur sie – mit Ausnahme von «Los abrazos rotos» – als Schwangere oder Mutter besetzt. In ihrem ersten ­Almodóvar-Film «Carne trémula» war sie etwas über 20 und bringt als Prostituierte Isabel ihr Baby im Bus zur Welt. Almodóvar hatte sie gleich in ihrem 1992er-Debüt, der Beziehungskomödie «Jamón Jamón», für sich entdeckt. Für Penélope Cruz auf der anderen Seite war Almodóvars «Fessle mich!» eine Offenbarung, und sie war Feuer und Flamme, in einem seiner «revolutionären» Filme mitzuspielen.

Mit der Nebenrolle der schwangeren, HIV-positiven Nonne in Almodóvars «Todo sobre mi madre» kamen nach 1999 die grossen Anfragen aus Hollywood.

Für ihre Hauptrolle der Matriarchin Raimunda in «Volver» wurde Penélope Cruz 2007 für einen Oscar nominiert – ihre bisher erste für einen Almodóvar-Film.

Der Film ist eine Hommage an Almodóvars ländliche Heimat La Mancha, wo Frauen in den Hinterhöfen das soziale Leben pflegen. Cruz singt den Titelsong mit so viel Gefühl, dass ihr die Tränen in die Augen steigen. Ihre extreme Emotionalität ist das, was der Regisseur so an ihr schätzt.

Ihre rot geäderten, mit Tränen gefüllten Augen sieht man in vielen Almodóvar-Filmen. Auch jetzt wieder, in «Madres paralelas». Im Melodrama über Generationen von spanischen Frauen ist Cruz’ Figur Janis das Verbindungsglied; eine erfolgreiche Fotografin, die beschliesst, ihr Kind alleine grosszuziehen und wegen einer folgenschweren Verwechslung in ein Dilemma gerät. Es ist vielleicht die facettenreichste Figur, die Penélope Cruz je gespielt hat. Eine zweite Oscarnominierung für einen ­Almodóvar-Film liegt in Reichweite.

Cruz so sinnlich und feurig wie Anna Magnani oder Sophia Loren

Eine der grössten Ehren aber erteilte Almodóvar seiner langjährigen Freundin in seinem letzten Film «Dolor y gloria». Im autofiktionalen Werk spielt ­Antonio Banderas das Alter Ego des Regisseurs und Penélope Cruz, in Rückblenden in die Kindheit, seine Mutter. Francisca Caballero ist 1999 gestorben. «Volver» war ihr gewidmet.

Jetzt, mit 47 Jahren, ist Penélope Cruz Mutter zweier Kinder im Primarschulalter. Die ideale Verkörperung des Almodóvar-Mutterbildes war sie schon vorher. Es orientiert sich an der italienischen Filmtradition, an Schauspielerinnen wie Anna Magnani oder Sophia Loren, so sinnlich und feurig wie Cruz.

Seit die spanische Schauspielerin selbst Mutter ist, haben sich ihre Prioritäten verschoben.

Um nahe bei den Kindern zu sein, dreht sie gern in Madrid. Internationale Engagements kommen im Sommer in Frage, wenn ihre Familie sie begleiten kann. Das kommt einer Zusammenarbeit mit Almodóvar entgegen, der seiner Heimat immer treu geblieben ist.

«Wenn der erste Drehbuchentwurf fertig ist, denke ich über die Gesichter der Figuren nach und suche nach einer, die zu Penélope passt oder arbeite sie entsprechend um», sagte er einmal. Insofern könne man sie als Muse bezeichnen. In «Madres paralelas» zeigt sich das Paar in Bestform. Es ist sicher auch dem 72-jährigen Spanier zu verdanken, dass Cruz als junge Schauspielerin nicht in die Schublade «hübsches Mädchen» gesteckt wurde.

Umgekehrt machte der internationale Erfolg von Cruz Almodóvar einem breiteren Publikum bekannt. Liebend gern würde Penélope Cruz etwas in der Art von «Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs» machen. Mal sehen, ob Almodóvar wieder einmal Lust auf eine Komödie verspürt.

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«Madres paralelas», ab 16. Dezember im Kino. Im Stadtkino Basel läuft den ganzen Monat über eine Almodóvar-Retrospektive: www.stadtkinobasel.ch.

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