Drama-Komödie
Die Stadt der gelangweilten Hedonisten

In seinem sechsten Langfilm «La Grande Bellezza» widmet sich Paolo Sorrentino der italienischen Hauptstadt und deren High Society. Es ist ein Abgesang auf Rom – und eine Liebeserklärung an die Stadt.

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Toni Servillo gibt den von Dekadenz und Oberflächlichkeit angeödeten Journalisten Jep Gambardella überzeugend. GIANNI FIORITO

Toni Servillo gibt den von Dekadenz und Oberflächlichkeit angeödeten Journalisten Jep Gambardella überzeugend. GIANNI FIORITO

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und Jep Gambardella, erfolgreicher, im Jetset Roms beheimateter Journalist, lässt sich treiben durch eine seltsam leere Metropole. Es ist die Stadt, die er so liebt, deren Oberflächlichkeit und Dekadenz ihn jedoch auch anwidern.

In seinem sechsten Langfilm «La Grande Bellezza» widmet sich Paolo Sorrentino der italienischen Hauptstadt und deren High Society. Erneut hat Sorrentino die Hauptrolle mit Toni Servillo besetzt, mit dem er schon einige Filme gedreht hat.

«La Grande Bellezza» beginnt mit einer wilden Party zu Ehren Gambardellas, der 65 wird und sich wie kaum ein anderer aufs exzessive Feiern versteht. Immer mehr aber spürt Jep, dass auch seine Zeit begrenzt ist. Und immer häufiger sieht er sich mit der Schlüssel-Frage seines Lebens konfrontiert: «Warum hast du nicht noch ein Buch geschrieben?»

Der einzige Roman, den er zustande gebracht hat, liegt 40 Jahre zurück. Als Jep auch noch vom Tod einer frühen Liebe erfährt, lässt er sich bereitwillig von einem melancholischen Strudel ergreifen.

Skurrile Figuren

In «La Grande Bellezza» wimmelt es vor skurrilen Figuren: Da ist Jeps Freund, der über Schlüssel zu sämtlichen historischen Gebäuden Roms verfügt und sie auch benutzt. Da ist der fast ausschliesslich mit Kochrezepten beschäftigte Kardinal. Da sind die dekadenten, von Schönheits-Operationen entstellten Neureichen Roms, denen Langeweile und Überdruss im Gesicht geschrieben stehen.

Sorrentino führt sein Personal nie vor; alle Charaktere sind liebevoll entworfen. Auch der vom Hedonismus zunehmend angeödete Protagonist. Toni Servillo gibt ihn überzeugend mal als lässig-charmanten Playboy, mal als desillusionierten Clown.

Bei aller ausgestellten Schönheit ist «La Grande Bellezza» ein melancholischer Film und die Schwermut überträgt sich auch auf den Kino-Besucher. Rom, die «Ewige Stadt», ist ein denkbar guter Ort, um über Liebe und Leben, über Sinn und Vergänglichkeit nachzudenken.

Sorrentino durchbricht den spätsommerlichen Ennui mit wunderbaren, traumgleichen Bildern: In einer der schönsten Szenen zaubert er Flamingos auf Jeps Terrasse, die sich in unmittelbarer Nähe des Kolosseums befindet.

Und er lässt eine Nonne auftreten, die sich ganz der Armut verschrieben hat. Wenn auch stark überzeichnet, stellt sie doch eine der wenigen hoffnungsvollen Figuren dar im bunten Reigen der Hedonisten und Verzweifelten.

Sorrentinos Film, der ein Abgesang ist auf die italienische Hauptstadt und sie zugleich mit jeder Einstellung feiert, hat Parallelen zu Federico Fellinis legendärem Meisterwerk «La Dolce Vita» von 1960. Kultstatus dürfte der Film aber nicht erreichen.

La Grande Bellezza (I/FR 2013) 143 Min. Regie: Paolo Sorrentino. Ab Donnerstag im Kino. HHHHI