Fantasy
Der neue «X-Men»-Streifen führt zum Ursprung des Mutantenstadls

Matthew Vaughn verpasste seinen Übermenschen in «X-Men: First Class» eine Verjüngungskur. Der Fantasy-Film führt die Zuschauer zurück in die 60er Jahre. Zurück zum verschüchterten Mutantennachwuchs, der seinen Platz in der Gesellschaft finden muss.

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Neues von den Übermenschen: Das Fantasy-Spektakel «X-Men: First Class» schildert, wie alles begann. Das «Prequel» beleuchtet die Vorgeschichte von Telepath Charles Xavier alias Professor X und von seinem späteren Erzfeind Erik Lehnsherr alias «Magneto». Einst waren die beiden beste Freunde und agierten im Kalten Krieg als CIA-Hilfspolizisten. Damit stellt die Comic-Verfilmung augenzwinkernd klar, was in der Kuba-Krise wirklich geschah.

Seine magnetischen Superkräfte entdeckt Erik - wie aus früheren Verfilmungen der X-Men-Saga bekannt -, als seine Mutter 1944 von Nazis verschleppt wird. Ein Nazi-Wissenschafter schnappt sich den Buben und unterzieht ihn fürchterlichen Experimenten. Als der erwachsene Erik Jahre später Rache sucht, begegnet er dem jungen Genetiker und Telepathen Charles. Dieser will für die CIA mithilfe des «Cerebro»-Apparates eine Mutantentruppe rekrutieren, um einen Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion abzuwenden. Als ihr Hauptgegner entpuppt sich Eriks alter Peiniger, inzwischen zum Superfiesling aufgestiegen.

Wie in alten Bond-Streifen

Wer von den letzten der bisherigen «X-Men»-Filmabenteuer enttäuscht war - besonders die «Wolve-rine»-Auskoppelung war ein Flop -, darf sich jetzt freuen. Der Brite Matthew Vaughn («Kick-Ass») verpasst den Übermenschen eine Verjüngungskur im retrofuturistischen Stil der 60er- Jahre.

Die komplizierte Gemengelage aus unzähligen Mutanten mit jeweils speziellen Begabungen zerlegt er übersichtlich und humorvoll - und findet sogar noch Zeit für philosophische Erörterungen. Gelungen sind auch die Actionszenen, die verspielter als das oft grobe und angeberische Special-Effects-Getöse vieler anderer Filme des Genres daherkommen. Grossartig wirken etwa die Begegnung eines U-Bootes mit einem Kampfjet und die Raketenschauer im nostalgischen Look eines alten 007-Streifens.

Verschüchterter Mutanten-Nachwuchs

Getreu dem Sixties-Zeitgeist tragen die Damen Miniröcke, während die CIA-Agenten noch hemmungslos Machos in grauen Anzügen sind. Cool gestylt ist der Bösewicht Sebastian (Kevin Bacon). Seine Assistentin Emma Frost (January Jones) - Spezialität: Verwandlung in einen Diamanten - erinnert gar an Ursula Andress. Zoë Kravitz flattert als «Wings» durch die Kulisse. Jennifer Lawrence als melancholische, blau geschuppte Formwandlerin Mystique wurde zuletzt durch das Sozialdrama «Winter's Bone» ein Kritikerliebling.

Besonders beim Treff des verschüchterten Mutanten-Nachwuchses, der sich endlich traut, seine Talente vorzuführen, gelingt Vaughn die Balance zwischen Komik und Ernst. Denn der rote Faden des Films ist die Frage, ob sich die Freaks an die «Normalos» anpassen - oder stolz ihre Andersartigkeit leben sollen: «Mutant and proud!»

Im Lichte der Erfahrungen von Erik, der weiss, wie viel Böses im Menschen steckt, erscheint Charles Xavier fast als Heuchler. James McAvoy spielt den späteren Professor X, Prediger des Dialogs und der Gewaltlosigkeit, als entspannten Sonnyboy aus der Upperclass, der Eriks berechtigte Wut mit therapeutischem Geschwätz abtut. So entpuppt sich der gequälte Erik, gespielt vom deutsch-irischen Newcomer Michael Fassbender, als heimlicher Star des Films; seine Düsterkeit verleiht dem launigen Mutantenstadl erst die Würze. (sda)

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