«Hail, Caesar»

Clooney platzt in Berlin der Kragen: «Ist das eine Anmache?»

George Clooney ist an der Pressekonferenz an der Berlinale genervt: Kaum jemand stellt Fragen zu seinem Film.

George Clooney ist an der Pressekonferenz an der Berlinale genervt: Kaum jemand stellt Fragen zu seinem Film.

George Clooney eröffnete mit «Hail, Caesar!» das Filmfestival – und nervte sich ob blöder Journalistenfragen.

Man ist es gewohnt, bei Pressekonferenzen zu neuen Filmen die unsinnigsten Journalistenfragen zu hören, diesmal aber hatte die Berlinale für eine besondere Inszenierung gesorgt. Wer den Eröffnungsfilm «Hail, Caesar!» bis zu Ende gesehen hatte, hatte keine Chance mehr, in den überfüllten Saal zu kommen, und musste die Konferenz über einen Monitor verfolgen. Im Innern hatten folglich die Klatschreporter und Gossipblogger das Sagen. Kein Wunder, dass kaum eine Journalistenfrage irgendetwas mit dem Film zu tun hatte – immerhin einem der schönsten, die das Festival seit langem eröffnet haben.

Berlinale-Eröffung: Stars, Fans und ein genervter George Clooney

Berlinale-Eröffung: Stars, Fans und ein genervter George Clooney

«George!» und «Meryl!» - Filmfans und Fotografen buhlen bei der Berlinale-Eröffnung lautstark um die Aufmerksamkeit der zwei Hollywood-Ikonen George Clooney und Meryl Streep. Und die nehmen sich richtig viel Zeit für Autogrammjäger und die Reporter. (Quelle: dpa)

In «Hail, Caesar!» spielt George Clooney im Jahr 1951 in einem mächtigen Hollywoodstudio einen angesehenen, aber haltlos naiven Filmstar, der von kommunistischen Drehbuchautoren entführt wird. Die historische Kommunistenhatz unter Senator McCarthy, die meist sehr wenig mit der tatsächlichen politischen Gesinnung der Verfolgten zu tun hatte, setzen die Regiebrüder Joel und Ethan Coen («No Country for Old Men») einer historischen Brechung aus: Was wäre, wenn es da wirklich eine Schar politisch linksorientierter Intellektueller gegeben hätte, die versucht hätten, ihre Kapitalismuskritik in die Traumfabrik zu schummeln? Doch den wenigsten der anwesenden Journalisten, falls sie diese feinsinnige Hommage an das Ende des alten Studiosystems denn überhaupt gesehen hatten, schien das überhaupt etwas zu sagen.

«War das eine Anmache?»

George Clooney, im Film hinreissend als angepasstes Leinwandidol, platzte an der Pressekonferenz der Kragen. «Ist das eine Anmache?», war seine einzige Antwort auf die minutenlang ausformulierte Frage einer polnischen Journalistin, die im Internet irgendetwas über ein Truthahn-Klösschen gelesen hatte, mit dem er seinen Hund gefüttert haben soll. Kurzerhand nahm er die Moderation selbst in die Hand, um die Öffentlichkeit mit Neuigkeiten von ähnlichem Nachrichtenwert zu versorgen. «Die Coen-Brothers sind überhaupt keine Brüder. Das muss jetzt endlich einmal raus. Sie sind in Wirklichkeit Cousins.» Die hingegen kicherten nur etwas zerknirscht in sich hinein, wenn sie Clooney mit vergiftetem Lob verwöhnte. «Es ist schon toll, dass sie so spät in ihrer Karriere noch so gute Filme machen, oder?»

Wer mag da widersprechen. Waren schon viele ihrer früheren Filme wie «Hudsucker Proxy» oder «Barton Fink» Huldigungen an die Künstlichkeit der vergangenen Hollywoodästhetik gewesen, nutzen sie nun die Gelegenheit, Kostproben in weiteren Genres zu geben. Immer wieder unterbrechen sie die Handlung ihrer liebevollen Farce durch wunderbar choreografierte Kabinettstückchen: Der ebenfalls nach Berlin gereiste Channing Tatum brilliert in einer hinreissenden Stepp-Nummerals Star eines Matrosenballetts; Scarlett Johansson ist als Badenixe à la Esther Williams unwiderstehlich und dann auf nicht minder anziehende Weise widerborstig.

Ein anderes Mal schwelgen die Coens im kindlichen Charme früher Serien-Western. Aus jeder dieser Szenen gehen kleine Nebenhandlungen hervor, in denen man jene Skandalgeschichten wiederfindet, wie sie der Hollywood-Chronist und Künstler Kenneth Anger in seinem Buch «Hollywood Babylon» erzählte: Hinter der schwangeren Badenixe verbirgt sich die tragische Geschichte Lorretta Youngs, die ihr eigenes Baby adoptieren musste, um nicht als uneheliche Mutter Schlagzeilen zu machen. Doch bei aller Doppelmoral ist dieses Hollywood zugleich auch ein Himmel auf Erden, in dem die wunderbarsten Illusionen wie von selbst vom Fliessband gehen. Lediglich als der Studioboss beschliesst, aus dem unbedarften Cowboydarsteller (Alden Ehrenreich) einen smarten Komödienstar zu machen, hat ein Regisseur vorübergehend ein Problem. Doch den spielt Ralph Fiennes so überzeugend mit der Noblesse des legendären George Cukor, das sich auch diese Probleme lösen lassen.

«Ihre Frage ist merkwürdig»

Welche Perlen wurden da verschwendet an Journalisten, die lieber ganz andere Filme gesehen hätten. Von George Clooney erbat sich ein griechischer Kollege aufgrund der Flüchtlingskrise ein «Syriana 2», worauf der Star noch geduldig antwortete, das Thema bewege ihn sehr. Am Freitag, fügte er hinzu, werde er mit Angela Merkel zusammentreffen. Doch als ihn dann noch einmal eine deutsche Journalistin aufforderte, einen Film über Flüchtlinge zu drehen, war es mit der Geduld vorbei. «Ich bin sehr viel in Krisengebieten unterwegs. Sagen Sie mir doch erst einmal, was Sie für die Flüchtlinge tun.»

Als die Frau daraufhin aufzählte, was in ihrer Heimatstadt Wolfsburg geleistet werde, gab er sich nicht zufrieden. «Ich wollte wissen, was Sie persönlich tun. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich finde Ihre Frage schon sehr merkwürdig.» Es war eine traurige Schulstunde im Filmemachen, die schliesslich auch den trotzigen Humor aus dieser Pressekonferenz fegte. «Filme entstehen nicht einfach aus dem Tagesgeschehen», versuchte es Clooney noch einmal zu erklären. «Sie entstehen aus guten Drehbüchern und brauchen meist Jahre.» Für manche Themen seien die Nachrichtenmedien eben besser geeignet. Aber den Glauben an guten Journalismus konnte man an diesem Nachmittag in Berlin erst einmal verlieren.

Hail, Caesar! (USA 2016) 106 Min. Regie: Joel Coen, Ethan Coen. Mit George Clooney, Josh Brolin, Scarlett Johansson u. a. Ab 18. Februar im Kino.

Trailer zu "Hail, Caesar!"

Trailer zu "Hail, Caesar!"

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