Film
Biedermann Tom Hanks verbreitet gute Laune

Er ist einer der besten Schauspieler der Welt. Nun macht Tom Hanks gemeinsame Sache mit Julia Roberts. In «Larry Crowne» von und mit Tom Hanks plätschert der Film vor sich hin.

Hans Jürg Zinsli
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Der Befund ist wenig schmeichelhaft: Mit dicker Sonnenbrille und gestreiftem Poloshirt in der Hose sehe er aus wie ein Ex-Polizist. Hoppla, da ist sich Tom Hanks aber anderes gewohnt. Der bald 55-Jährige war das prägende Hollywood-Gesicht der Neunzigerjahre.

Er gewann zwei Oscars («Philadelphia», 1994, Forrest Gump», 1995) und garantierte selbst dann Blockbuster-Erfolge, wenn er zwei Stunden auf einer Insel mit einem Volleyball sprach («Cast Away», 2000). Zuletzt machte Hanks auch als schmieriger Politiker («Charlie Wilson’s War», 2008) und als Vatikansprinter in der Dan-Brown-Verfilmung «Angels & Demons» (2009) gute Figur.

Und nun das: Als Larry Crowne verkörpert Hanks im gleichnamigen Film einen windschiefen Vertreter der Wirtschaftskrise, der vor allem eine Eigenschaft besitzt – schlechten Geschmack. Crowne ist geschieden, arbeitslos, überschuldet, kurz: eine traurige Figur. Ob das gut geht? Ja und nein.

Crowne selbst rappelt sich wieder auf. Er drückt die Schulbank, schöpft Mut aus neuen Begegnungen und beweist sich als Selfmade-Stehaufmann. Typisch Hanks, möchte man sagen: Der Mann sprüht vor gutamerikanischem Optimismus, selbst wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht.

Allein, der Film, den Hanks zusammen mit Nia Vardalos («My Big Fat Greek Wedding») schrieb und selbst inszenierte, ist eine Ansammlung von Mutlosigkeiten. Der Glaube an das Gute im Menschen wird in «Larry Crowne» auf derart biedere Weise propagiert, dass man sich umgehend die schlimmstmöglichen Wendungen herbeiwünscht. Doch soweit will Hanks nicht gehen. Echte Krisen? Nein, danke.

Julia Roberts Figur rein dekorativ

Was bleibt, ist ein weiteres Abbild des All-American-Guy, der wie ein Fossil auf Biegen und Brechen gute Laune verbreitet. Das hat mit der Aktualität wenig zu tun. Kommt dazu, dass die Nebenfiguren wie bestellt und nicht abgeholt herumstehen.

Julia Roberts, die logische Ergänzung zu Nineties-Vertreter Hanks, spielt eine Rhetorik-Expertin, deren Seminare Leben verändern sollen. Doch davon ist im Film nichts zu spüren. Ihre Unterrichtsmethoden bleiben Behauptung. Roberts Figur dient, wie der Rest des Filmpersonals, rein dekorativen Zwecken.

«Larry Crowne» ist ein Film ohne Missverständnisse, ohne Überraschungen, ohne falsche Fährten. Es gibt nichts, was den Glauben an ein unverwüstliches Amerika erschüttern könnte. So bleibt unterm Strich ein didaktisches Irgendwas, ein filmisches Dahinplätschern, das höchstens auf der Soundspur (ELO, Tom Petty) etwas Faszination bietet. Doch auch diese Songs verweisen letztlich auf ein Amerika, das schon mal grösser, prächtiger und aufregender daherkam.

Larry Crowne (USA 2011) 99 Min. Regie: Tom Hanks. Mit: Tom Hanks, Julia Roberts, Wilmer Valderrama u.a. HHIII