Kino

2013 wird garantiert kein langweiliges Kinojahr werden

Dustin Hoffman hinter der Kamera, mit Schweizern als Mitproduzenten: «Quartet», ein Film um in die Jahre gekommene Opernsänger. HO

Dustin Hoffman hinter der Kamera, mit Schweizern als Mitproduzenten: «Quartet», ein Film um in die Jahre gekommene Opernsänger. HO

Mit Steven Spielbergs Bio-Pic «Lincoln», Kathryn Bigelows Bin-Laden-Jagd «Zero Dark Thirty» und Quentin Tarantinos lang ersehntem Western «Django Unchained» kommen im Januar drei heisse Oscar-Anwärter ins Kino.

Als Schweizer Kinogänger durfte man sich letztes Jahr abermals im Lichtspiel-Süssigkeitenladen wähnen, wenngleich mit insgesamt 477 gezeigten Filmen 36 weniger liefen als 2011. Dafür bot 2012 einen neuen Bond, einen neuen Batman, den letzten Teil der «Twilight»-Saga und mit «Intouchables» einen unverhofften Überflieger. «Der Hobbit – Eine unerwartete Reise», «Beast of the Southern Wild» und «Life of Pi» sorgten für ein atemloses Festzeit-Finish.

Fortgesetzt und neu verfilmt

Quelle: youtube/MoviepilotTrailer

Trailer zum Film Lincoln

Das angebrochene Kinojahr behält die hohe Kadenz bei. Mit Steven Spielbergs Bio-Pic «Lincoln», Kathryn Bigelows Bin-Laden-Jagd «Zero Dark Thirty» und Quentin Tarantinos lang ersehntem Western «Django Unchained» kommen im Januar drei heisse Oscar-Anwärter ins Kino. Im Februar folgen zwei weitere: «The Master» von Paul Thomas Anderson sowie die Filmadaption des legendären Musicals «Les Misérables». Damit werden für einmal praktisch alle favorisierten Grossproduktionen noch vor der Oscar-Nacht (24. Februar) in den Schweizer Kinos angelaufen sein.

Quelle: youtube/KinoCheck

Trailer zum Film Django Unchained

Quelle: youtube/C1NEMAGIC

Trailer zum Film The Master

Fortsetzungen und Franchisen bilden auch heuer das kommerzielle Rückgrat des Filmjahres. «Hangover» und «Iron Man» gehen im Frühling in die dritte, «Stirb langsam» bereits in seine fünfte Runde. Der letztjährige Grosserfolg «The Hunger Games» kriegt in der zweiten Jahreshälfte genauso ein Sequel wie der Animationsfilm «Despicable Me», und endlich ist auch der zweite Teil von Robert Rodriguez’ düsterer Comicverfilmung «Sin City» absehbar – mit etwas Glück gibt es seine fortgesetzte Grindhouse-Hommage «Machete Kills» gleich obendrauf.

Wiederum im Dezember ist dann der zweite Hobbit-Teil zu sehen. Daneben fehlen auch die obligaten Remakes nicht. Mit «Carrie» und «The Great Gatsby» knöpft sich Hollywood gleich zwei seiner Klassiker der Siebzigerjahre vor. Im zweitgenannten tritt Leonardo DiCaprio in die Fussspuren von Robert Redford.

Ähnlich der «Remastered»-Gepflogenheit im Musikgeschäft wird in der Filmwelt die 3-D-Aufbereitung von Klassikern immer mehr zum Usus. Dies beschert uns ein Wiedersehen mit der zweiten und dritten «Star Wars»-Episode, mit «Finding Nemo» sowie «Jurassic Park». Entgegen früheren Meldungen wurde jedoch das visuelle Lifting von Roland Emmerichs Blockbuster «Independence Day» erst einmal auf Eis gelegt. Dafür tobt sich der deutsche Bombastregisseur mit dem Action-Reisser «White House Down» wieder mal im Amtssitz des US-Präsidenten aus.

Debüt für Dustin Hoffman

Zahlreiche Regie-Grössen erweitern 2013 ihr Oeuvre mit neuen Arbeiten, so unter anderem Pedro Almodóvar («Los amantes pasajeros»), Terrence Malick («To the Wonder») oder Ron Howard («Rush»). Einer aber fängt auf seine alten Tage nochmals ganz von vorne an: Dustin Hoffman liefert mit 75 Lenzen sein Debüt hinter der Kamera ab. «Quartet» heisst dieses, dreht sich um in die Jahre gekommene Opernsänger, und wurde von der deutschen DCM Productions mitproduziert, der Firma der drei Schweizer Dario Suter, Christoph Daniel und Marc Schmidheiny.

Quelle: youtube/NOOOB5001

Trailer zum Film Quartett

Womit wir beim Europäischen Filmschaffen angelangt wären, das im Schweizer Kinomarkt gewohnt stark mit Werken aus Deutschland, Grossbritannien und Frankreich vertreten ist. Gespannt darf man auf den ersten Teil der kontroversen «Paradies-Trilogie» des Österreichers Ulrich Seidl sein, wie auch auf das fulminante dänische Pädophilie-Drama «Jagten» von Thomas Vinterberg. In «The Impossible» zeichnet der Spanier Juan Antonio Bayona («Das Waisenhaus») überdies das Schicksal einer Familie auf, die im Dezember 2004 in den Tsunami in Thailand gerät. Naomi Watts und Ewan McGregor spielen in diesem Streifen die Hauptrollen, der mit 30 Millionen Euro eine der teuersten europäischen Produktionen 2013 ist.

Militär, Feuchtgebiete, Zombies

Von solchen Budgets können Schweizer Grossprojekte wie «Achtung, fertig, WK!» nur träumen. Zieht die Fortsetzung der Militär-Klamotte «Achtung, fertig, Charlie!» jedoch wiederum über eine halbe Million Zuschauer an, geht die Rechnung indes sicher auf. Damit wäre auch ein erhöhter Anteil des Schweizer Films am Gesamtmarkt absehbar. 2012 belief sich dieser laut dem Schweizerischen Verband für Kino und Filmverleih Procinema wohl auf knappe fünf Prozent (die Auswertung ist noch im Gange).

Anlaufen wird «Achtung, fertig, WK!» im Oktober. Zum Überraschungserfolg könnte die Tragikomödie «Himmelfahrtskommando» werden, die mit Beat Schlatter, Walter Andreas Müller und Andrea Zogg illuster besetzt ist. Noch ohne Starttermin sind die Werke zweier grosser Schweizer Talente, «Cyanure» von Séverine Cornamusaz und «Boys are Us» von Peter Luisi. Beide Filme gibt es jedoch schon an den Solothurner Filmtagen zu sehen, wie auch «Verliebte Feinde», der die einnehmende Liebesgeschichte von Iris und Peter von Roten erzählt.

Weniger ans Herz gehen wird wohl die Verfilmung von Charlotte Roches anzüglichen Romans «Feuchtgebiete». Kein Schweizer Film zwar, aber durch Carla Juri mit einer Schweizer Schauspielerin in der Hauptrolle besetzt. Und um den Bogen wieder zurück zur Traumfabrik zu spannen: Auch «unser Mann» in Hollywood wird 2013 den Schweizer Kinosälen präsent sein. In «World War Z» lässt Marc Forster Zombies auf Brad Pitt los.

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