«Blue Note ist das Label der Pioniere und Bahnbrecher», sagt Trompeter Ambrose Akinmusire im Film der Berner Filmemacherin Sophie Huber über das Jazz-Label. Huber zeichnet die Geschichte des 1939 von den jüdischen Immigranten Alfred Lion und Francis Wolff gegründeten, stilprägenden Labels nach, lässt die Musik in bewegenden, historischen Aufnahmen aufleben und lässt Musiker wie Herbie Hancock und Wayne Shorter sprechen.

Dabei wird das Erfolgsrezept von Blue Note deutlich: Die beiden Gründer haben erkannt, dass das Wesen des Jazz auf der Entfaltung des Individuums beruht. Sie vertrauten den Musikern, gaben ihnen den Freiraum, den sie brauchten, und ermutigten sie, Neues zu erkunden und zu probieren. Sie waren Förderer und Fans.

Zum Beispiel von Thelonious Monk: Blue Note ermöglichte die ersten Aufnahmen mit dem sperrigen, unorthodoxen Genie. Ohne Blue Note hätte wohl niemand von Monk gehört.

Das Label konzentrierte sich auf Be-Bop/Hard Bob und schuf in den 50er-und 60er-Jahren eine Vielzahl von Klassikern von Miles Davis, John Coltrane, Art Blakey und vielen anderen, die bis heute kaum Staub angesetzt haben. Unabhängig von kommerziellem Druck, ging es Blue Note immer nur um die Musik. Doch diese Unabhängigkeit ging Mitte der 60er-Jahre verloren, als Blue Note verkauft werden musste. Es war der Anfang vom Ende.

Sophie Huber fängt aber nicht nur die Vergangenheit ein. Bald 80 Jahre nach der Gründung ist Blue Note heute Teil des Major-Riesen Universal. Die Musik- und Jazzwelt ist eine andere. Nach der Neugründung im Jahre 1985 hat sich der musikalische Fokus verschoben und das Label ist immer wieder gezwungen, auf den Geschmack eines breiteren Publikums Rücksicht zu nehmen. Interessant ist aber, dass Musiker wie Robert Glasper und Terrace Martin versuchen, Jazz und Hip-Hop miteinander zu verbinden, um ein jüngeres Publikum zu erreichen. «Für mich ist es dasselbe», sagt Martin. Diese Musiker haben den Pioniergeist von Blue Note in die heutige Zeit gerettet.