Kultur

Drei Künstler präsentieren ihren neuen Geniestreich: die Fusion aus Jazz und indischer Musik

Der Saxophonist des Trios ist der Britte Chris Potter. Bild: CH Media

Der Saxophonist des Trios ist der Britte Chris Potter. Bild: CH Media

Dave Holland, Zakir Hussein und Chris Potter liefern ein neues Glanzstück.  Ihre Kompositionen sind orientalisch angefärbt.

Noch vor dem berühmten Trip der Beatles nach Indien wurde der Jazz vom Indien-Fieber erfasst. «Jazz Raga» hiess das Pionierwerk von 1966 des Gitarristen Gabor Szabo, das Jazz mit indischen Klängen verband, «Jazz meets India» das Projekt von Irene Schweizer 1967. In der Popmusik sind die indischen Einflüsse längst wieder verschwunden, im Jazz sind sie geblieben. Das hat damit zu tun, dass bei Jazz und indischer Musik die Improvisation zentral ist und weil beide Genres als Produkt des Zusammentreffens von Kulturen grundsätzlich offen sind gegenüber externen Einflüssen.

Jazz und indische Musik sind kompatibel. Herausragende Beispiele dazu lieferten seither John Handy (1975 mit Ali Akbar Khan), Charlie Mariano (1983 mit dem Karnataka College), das Trio Shakti mit John Mc Laughlin (ab 1974) und Charles Lloyds Band Sangam (2004).

Bei Shakti wie Sangam spielte der indische Tabla-Spieler Zakir Hussein eine entscheidende Rolle. Dieser inzwischen 68-jährige indische Perkussionist steht auch am Anfang des aktuellen Projekts «Crosscurrent» mit Dave Holland (Bass) und Chris Potter (Sax). Es begann zu siebt, ist aber inzwischen auf die Trio-Essenz geschrumpft.

Der 73-jährige britische Bassist ist wie Hussein fusionserprobt und ein Spezialist in Sachen stilistischer Entgrenzung. So kennen wir ihn auch aus der Band des tunesischen Oud-Spielers Anouar Brahem. Und der Sopran- und Tenorsaxofonist Chris Potter kann sowieso alles.

Überragend, mit welcher Selbstverständlichkeit die drei Meister spielen, kommunizieren und sich gegenseitig anspornen. Die Kompositionen sind zwar leicht orientalisch gefärbt, mit indischer Musik und den typischen Viertelton- und Mikrotonschritten hat das freilich nicht viel zu tun. Vom Klackern der Tablas angetrieben macht diese Supergroup mit den Mitteln der Universalsprache Jazz eine Musik, die keine Genregrenzen kennt.

Vor allem Chris Potter, dieser Weltmeister der Virtuosen, fühlt sich in diesem Umfeld pudelwohl. Er beweist, dass er auf seinem Instrument auch rhythmisch und melodisch unglaublich einfallsreich ist.

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

Meistgesehen

Artboard 1