Wie oft besuchen Sie pro Jahr ein Museum? Nie? Dann sind Sie klar in der Minderheit. Denn 72 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer gehen mindestens einmal jährlich hin. Das ist ja auch nicht schwierig, gibt es in der Schweiz doch 1111 Museen – für Kunst, Naturwissenschaft, Technik oder (lokale) Geschichte. 2015 haben die Schweizer Museen insgesamt 12,1 Millionen Eintritte verbucht. Das belegt die erste Schweizer Museumsstatistik. Sie rechnen nun sicher bereits im Kopf … Genau: Im Schnitt hat jedes Ausstellungshaus rund 11 000 Besucherinnen und Besucher. Aber diese Zahl taugt nicht viel, denn in der Realität verteilen sich die Besucherströme extrem unterschiedlich. Naturwissenschaft liegt in der Gunst vor Kunst und Geschichte.

Vier Prozent machen die Quote

Mehr als die Hälfte aller Besucher drängen sich in gerade mal vier Prozent der Museen. In welche genau, darüber schweigt das Bundesamt für Statistik leider. Als ob eine Rangliste die föderalistisch-politische Korrektheit gefährden würde. Also muss man diese Statistik selber erheben: Dass dabei das Verkehrshaus in Luzern (2015: 497 182) bei den technischen Museen und die Fondation Beyeler in Riehen (2015: 481 704) bei den Kunstfreundinnen obenaus schwingt, erstaunt nicht. Auf Platz zwei und drei folgen hier das Kunsthaus Zürich und das Kunstmuseum Basel – allerdings mit deutlichem Rückstand.

Auf der anderen Seite wirken die Zahlen der lokalen Anbieter ernüchternd: Die unglaublich grosse Anzahl von über 800 kleinen Museen erreicht zusammen nicht mal zehn Prozent aller Eintritte (siehe Statistik). Warum das Bundesamt für Statistik zudem dermassen akribisch das Verhältnis von Zentrums-, Agglomerations- und Landgemeinden untersucht, ist rätselhaft und wenig erhellend.

Tessiner sind Museums-Muffel

Interessant – nicht nur für die Marketingabteilungen und die Geldgeber der Kulturindustrie – ist die Frage, wer die Museumsbesucher sind. Je höher die Bildung und je urbaner der Wohnort, desto häufiger besuchen die Leute Museen. Das folgt Erfahrung und Klischee. Ebenso dass Kunst mehr Frauen, die anderen Museumstypen dagegen mehr Männer anlocken.
Da überrascht es schon eher, dass alle Altersklassen (abgesehen von den über 75-Jährigen) fast gleichmässig gerne in Museen gehen. Einzig warum die Tessiner im Vergleich zu den Romands Museums-Muffel sind (die Deutschschweizer liegen da in der Mitte), ist ein Rätsel – gerade auch weil die Dichte im Tessin (25,1 Museen pro 100 000 Einwohner) etwa doppelt so hoch ist wie in der Restschweiz.

Keine Staatsdominanz

Doch wer führt überhaupt all diese vielen Kulturhäuser? Es ist nicht der Staat, wie man gemeinhin annimmt (siehe Grafik). Die Organisation und Verantwortung liegt primär (bei 70 Prozent aller Häuser) bei Privaten. Wobei das sehr selten Einzelpersonen sind, sondern Vereine und Stiftungen.

Diese Strukturen sind historisch gewachsen. Ohne den finanziellen Support der öffentlichen Hand könnten sie allerdings nicht überleben. Fast die Hälfte der Museen wird primär öffentlich finanziert – in unserem föderalen System vor allem von den Gemeinden. Würde man die öffentlichen Zuschüsse an Stiftungen und Kunstgesellschaften weiter aufschlüsseln, wäre die Staats-Finanzierung noch höher.

Museen können aufatmen

Sollten die erste Museumsstatistik des Bundes und die ebenfalls erschienene Statistik über das Kulturverhalten als Grundlage für die künftige Subventionspolitik dienen, dann können die Museen aufatmen. Sie sind mit ihren vielen Events, Sonderausstellungen und Führungen die Quotenkönige. Konzerte sowie historische Stätten/Denkmäler sind ihnen allerdings dicht auf den Fersen (gut 70 Prozent aller Schweizer und Schweizerinnen nutzen sie). Erst dann folgt das Kino (66 Prozent).

Was die beiden Statistiken auf jeden Fall zeigen – und damit implizit das Klischee von der gehätschelten Elite-Kultur widerlegen: Kultur ist nicht nur populär, sondern auch mehrheitsfähig.