Jungfilmfestival in Luzern stellt das unterschätzte Film-Format ins Rampenlicht

Zu selten sind Kurzfilme von vielversprechenden Schweizer Nachwuchsfilmern im Kino zu sehen. Upcoming Film Makers bietet ihnen zum 15. Mal eine Plattform – in Luzern. Dieses Jahr weht gar ein Hauch Oscar-Stimmung über der Veranstaltung.

Regina Grüter
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Jane Birkin in «La femme et le TGV» von Timo von Gunten. Bild: PD

Jane Birkin in «La femme et le TGV» von Timo von Gunten. Bild: PD

Timo von Gunten fährt beim Telefongespräch auf dem Velo. Er müsse seine Zeit nutzen, sagt der Zürcher Filmemacher, der für seinen Kurzfilm «La femme et le TGV» für einen Oscar nominiert war. Morgen sprechen er und die Produzenten Giacun Caduff und Jean de Meuron im Rahmen des Jungfilmfestivals Upcoming Film Makers in Luzern über ihre Oscar-Erfahrungen. Das verleiht dem Festival ein bisschen Glanz und verhilft dem Wettbewerb mit 21 Werken von jungen Schweizer Filmemachern hoffentlich zu etwas mehr Breitenwirkung.

Denn der Kurzfilm hat einen sehr schweren Stand. Die Filme im Kino zu zeigen, ist für die Verleiher finanziell einfach nicht attraktiv. Die Branche hat mit über 500 Filmen im Jahr und schwindenden Zuschauerzahlen schon genug zu kämpfen.

Die Lust, sich überraschen zu lassen

Festivals wie das Upcoming Film Makers würden dem Format eine Plattform bieten, sagt von Gunten. «Hier können Nachwuchsfilmer ihre Werke einer Öffentlichkeit präsentieren und erleben, wie das Publikum darauf reagiert.» Darüber hinaus bietet sich ihnen Gelegenheit zur Vernetzung – es sind mit Produzenten und Schauspielern Leute aus der ganzen Branche anwesend. «Die Jungfilmer können ihre Fühler ausstrecken und schauen, ob das Business wirklich etwas für sie ist», so von Gunten, «im Idealfall ein nächstes Projekt aufzugleisen.»

Der Kurzfilm ist ein Format, welches Experimente zulässt. Man kann Dinge ausprobieren, und es kostet nicht allzu viel. Das macht ihn interessant für das Publikum. Es ist immer wieder erfrischend, im Rahmen eines Festivals einen Kurzfilmblock zu besuchen. Es wird einem nie alles gefallen, aber es passiert garantiert etwas Unerwartetes. Dass Upcoming Film Makers in Luzern stationiert ist, kommt nicht von ungefähr. Die Hochschule Luzern – Design & Kunst spielt im Schweizer Nachwuchsfilm eine grosse Rolle. Tatsächlich stammen sechs der 28 nominierten Filmemacher aus unserer Region: Frederic Siegel, Beni Morand, Justin Stoneham, Lalita Brunner, Isabelle Luu und Kerstin Zemp.

Man setzt gemeinhin den jungen Film mit dem kurzen Film gleich – wenngleich sich auch renommierte Filmemacher immer wieder dem offeneren Format zuwenden. Nicht umsonst spricht man beim ersten langen Film vom Debüt. Bei Timo von Gunten heisst es nun «genug mit Kurzfilmen». «Man kann davon nicht leben», sagt er. Ausserdem reize ihn das Narrative, das Verfolgen einer Figur über längere Zeit. Für ihn haben sich die Türen mit der Oscarnominierung bereits geöffnet.

Upcoming Film Makers, morgen Samstag im Kino Bourbaki, Luzern. 16 Uhr Hauptwettbewerb, Blöcke 1 +2 ; 19.15 Uhr Blöcke 2 + 3; 21 Uhr Blöcke 3 + 1. Podium-Talk «Road to the Oscars»: 17.45 Uhr im Bourbaki 1. 22.45 Uhr Preisverleihung; 23.15 Uhr Afterparty im Neubad. Weitere Infos: www.upcoming-filmmakers.ch.