Neues Kinderbuch

Zeichner Rolf Meier macht Papa Moll zum «Lucky Loser»

Frappante Ähnlichkeit: Rolf Meier – in seinem Atelier – und der von ihm gezeichnete Papa Moll.

Frappante Ähnlichkeit: Rolf Meier – in seinem Atelier – und der von ihm gezeichnete Papa Moll.

Papa Moll ist altbacken und langweilig? Nicht seit Rolf Meier in Basel am Werk ist.

Hier wird Papa Moll also geboren. Ein unscheinbarer Hinterhof in Basel, weder besonders schön noch besonders hässlich, solides, schweizerisches Mittelmass. Zuverlässig. Wie der immer glatzköpfige, immer schnurrbärtige, immer bisschen schusselige Mann um die 40, der fast jedes Jahr mit einer neuen Geschichte in den Schweizer Buchläden auftaucht.

Man will diese Geschichten eigentlich Abenteuer nennen, die ganzen anderen Comics im Bücherregal versprechen das ja auch: Aufregende Abenteuer aus exotischen Ländern, Tim und Struppi auf dem Mond, Asterix und Obelix im Morgenland, ja sogar Globi hat es mit einem Segelboot um die Welt geschafft. Aber Papa Moll erlebt keine Abenteuer. Oder wenn, dann die Abenteuer des kleinen Mannes. Des kleinen Schweizer Mannes mit Familie, Dackel und Einfamilienhaus. Keine Kämpfe, Bankräuber und Schatzsuchen, sondern tollpatschige Unfälle, herzige Missverständnisse und Ausflüge an Orte, die vor Swissness strotzen. Papa Moll im Verkehrshaus. Papa Moll auf der Alp. Papa Moll im Schnee, Papa Moll…

… auf Schatzsuche?

Rolf Meier lacht. Der Grafiker steht in seinem kleinen Atelier in diesem unscheinbaren Hinterhof und hat die Bücher vor sich ausgebreitet. Wie Edith Oppenheim-Jonas, die in den Fünfzigerjahren den Papa Moll erfand, ist auch er eigentlich nicht Autor, sondern Zeichner. Aber wie damals die Erfinderin steht er hinter jeder Geschichte.

Ein grossartiges Klischee

Seit neun Jahren zeichnet Meier die Comics – und denkt sich die Storys aus. Sieben Bände hat er bis jetzt entworfen, skizziert und gezeichnet – dabei hatte er damals, als ihn der Globi-Verlag anfragte, die Figur überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Nur noch in der Erinnerung, klar, «von den Junior-Heftli beim Coiffeur». Er lacht und sieht dabei selbst aus wie eine Comicfigur. Ein grossartiges Klischee, das bei «Roloff», wie sich Rolf Meier als Zeichner nennt, hundertprozentig zutrifft: Spitz zulaufende Augenbrauen, grosse, spitze Nase, blitzende Augen. Fast wie Papa Moll selbst.

Roloff las sich also ein. Und hörte sich die Forderungen an: Entstauben. Papa Moll näher ans Jetzt bringen. Und dabei doch an die Figur anknüpfen, die er 50 Jahre lang war. Eine Elefantenaufgabe, die Meier elegant löste: Er machte aus dem lachhaften Tollpatsch Papa Moll einen sympathischen Schussel. Oder wie Roloff sagt: Einen «Lucky Loser». Da schwingt das Augenzwinkern mit – und der Pragmatismus auch. Papa Moll muss nicht von einem Tag auf den anderen cool werden, das wäre lächerlich. Aber die Witzfigur in einen liebenswerten Protagonisten verwandeln – das sprach auch den Verlag an.

"Papa Moll" – Der Film (Trailer in Schweizerdeutsch, Kinostart: 21.12.2017)

"Papa Moll" – Der Film (Trailer in Schweizerdeutsch, Kinostart: 21.12.2017)

Zum Inhalt des Films: Ein Wochenende allein zuhause mit den Kindern - und schon bricht bei Papa Moll das Chaos aus. Denn während Moll in der Schokoladenfabrik Überstunden schieben muss, entbrennt zwischen seinen Kindern und dem Nachwuchs seines Chefs ein gnadenloser Kampf: um Zuckerwatte, Strafaufgaben und den berühmtesten Zirkushund der Welt. 

Mutige Entscheidungen

Roloff kriegte das Okay und setzte sich an seinen ersten, den 23. Band von Papa Moll. Es sollte um eine Schatzsuche gehen, aber nicht das übliche Karibik/Schatztruhe/Goldmünzen-Ding, sondern aus einem anderen Winkel der Welt: Kairo! Exotisch und klassisch zugleich. Eine mutige Entscheidung, zumindest für Papa Moll, der selten weiter als an Krethi und Plethis Ferienorte reist. Roloff aber entwarf eine geschickte Geschichte, zeichnete ein Storyboard, besprach sich mit Jürg Lendenmann, der die Verse schreibt. Die Reinzeichnungen kolorierte er am Computer. Das macht er bis heute so, Papa Molls stattliche Leibesfülle kommt immer aus Roloffs Fingern, nicht aus seinem Rechner.

So war die Erfinderin von Papa Moll

So war die Erfinderin von Papa Moll

Edith Oppenheim-Jonas war gebürtige Deutsche mit jüdischen Wurzeln. Sie war verheiratet mit einem Engländer und schenkte der Schweiz den Prototypen eines Schweizers: Papa Moll. Die Erfinderin eines der bekanntesten Comics' der Deutschschweiz wäre dieses Jahr 110 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum erscheint der 30. Band und ein Kinofilm. Seine Mutter habe manchmal die ganze Nacht hindurch an ihren Geschichten von Papa Moll gezeichnet und gedichtet, sagt ihr Sohn Roy Oppenheim im Interview mit sda-Video. Sie sei eine arbeitsame und fleissige Frau gewesen. Laut Roy Oppenheimer kennen 95 Prozent der Deutschschweizer Papa Moll. Die Bücher gibt es mittlerweile sogar auf chinesisch.

Dann war der 23. Band fertig, die weite Reise gemacht. Zumindest für Papa Moll. Der Blick über den geografischen Tellerrand tat ihm gut: Seit Roloff am Werk ist, hat die Figur ihre Flusen aus den Fünfzigern abgelegt. Da ist kein neunmalkluger Ton mehr da, kein plumper Humor, keine altväterliche Besserwisserei. Und doch ist es immer noch der gute, alte, biedere Papa Moll. Nur dass bieder jetzt nicht mehr langweilig bedeutet. Sondern: die spannenden Geschichten des kleinen Schweizer Mannes. Das beste, was Papa Moll je passieren konnte.

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