Filmmusik

Wohler lässt aufhorchen

Obwohl er beim Film «Der grosse Kater» mitwirkte, hörte Alex Shinn das Ergebnis erst im Kino.

Alex Shinn

Obwohl er beim Film «Der grosse Kater» mitwirkte, hörte Alex Shinn das Ergebnis erst im Kino.

Alex Shinn spielt im Film «Der grosse Kater mit», allerdings nicht als Schauspieler. Er ist Pianist und unterrichtet Klavier an der Kanti Wohlen. «Filmmusik muss präzise passen», sagt er.

Alex Shinn ist Amerikaner. Das hört man unweigerlich aus seiner Mischung von Dialekt und Mundart mit amerikanischem Akzent. Bezeichnend ist auch, dass er schwankt, ob er sein Gegenüber duzen oder siezen soll. Letzteres ist zwar angebracht, doch das Du liegt ihm deutlich näher. Alex also lebt seit neunzehn Jahren in der Schweiz. Eingereist ist er als Student, mit einem Stipendium fürs Konservatorium Basel. In der Schweiz fand er Förderer und Möglichkeiten für Klavierkonzerte. Bald fing er selber an, Klavierunterricht zu geben, fand erst eine Stelle in Brugg und unterrichtet nun seit 1992 an der Kanti in Wohlen.
Diese Mischung stimmt für ihn perfekt. «Ich unterrichte sehr gerne, deswegen habe ich diesen Beruf gelernt», begründet Alex, immer mit dem Ziel, dane-
ben Klavierkonzerte zu geben. Bisher ist ihm das gelungen. Neben seinen rund 20 Stunden Unterricht pro Woche spielt er immer wieder vor Publikum, mal allein, mal zusammen mit einer Cellistin oder mit einem Orchester. Daneben ist er ein ewiger Student geblieben, machte einen Master in Orgel und Cello und schreibt derzeit an seiner Doktorarbeit über Orgelmusik.
Während des sprechens faltet Alex die Hände. Er nimmt sich Zeit, überlegt, sucht nach den richtigen Worten. Das Englische liegt ihm manchmal immer noch näher als Deutsch. In der Schweiz hat er sich nie richtig eingenistet. «Ich wohne in Freiburg, weil ich dort studiere, und habe daneben ein Zimmer in Zürich.» Dort schlafe er allerdings nur. Am meisten Zeit verbringt er in Woh-len. Ein Weltenbummler ist er geblieben. Alex hat insbesondere seine Verbindungen zu New York beibehalten, wo er an der renommierten Juillard School das Klavierspielen lernte. So erhielt er auch den Auftrag, den Klavierpart im Film «Der grosse Kater» einzuspielen.
«Der grosse Kater» ist die erste Filmproduktion, bei der Alex mitwirken durfte. Während die Bläser in Los Angeles aufgenommen wurden, konnten Alex und das Orchester ihre Tonaufnahmen in Luzern machen. Für Alex war dies eine neue Erfahrung. «Man muss mit Kopfhörern spielen, über die ein Takt vorgegeben wird.» Diesen gilt es exakt einzuhalten. Denn in der Filmmusik werden die einzelnen Instrumente mit verschiedenen Mikrofonen aufgenommen und erst später zusammengefügt. Und dann muss alles passen. So kann
die Musik präzise auf die Szenen im Film gemischt werden. Je nach Emotionen, die vermittelt werden sollen, werden mal die Klarinetten lauter gedreht oder wird das Klavier hervorgehoben.
Filmmusik sei technisch weniger anspruchsvoll, als live ein Konzert zu geben. «Dafür braucht es aber Perfektion
in allen Bereichen: Dynamik, Anschlag und die Interpretation müssen perfekt sein.» Eine Herausforderung war auch die Kurzfristigkeit. Innert einer Woche musste Alex sich die ganze Musik beibringen. Die letzten Stücke wurden sogar erst kurz vor der Aufnahme fertig komponiert. «Ich musste sie mir innert dreier Stunden einprägen.»
Trotz dem Druck hat das Filmprojekt Alex Spass gemacht. «Den Film schlussendlich auf der Leinwand zu sehen, ist wunderschön.» Allerdings erhielt er keinen vorzeitigen Einblick ins fertige Werk: «Ich habe ihn erst vor drei Wochen gesehen, in einem Kino in Zürich.» Wenn alles gut läuft, hat Alex schon bald das nächste Filmprojekt am Laufen. «Es gibt bereits Gespräche», verrät er.
Alex lebt für die Musik. Der 52-Jährige ist weder verheiratet noch hat er Kinder. Für die Menschen scheint er sich weniger zu interessieren als für die Musik. Dies wird dann klar, wenn er zu spielen beginnt. Virtuos fliegen die Finger über die Tasten. Er versinkt in den Klängen, bewegt seinen Oberkörper dazu. Auf die Aufforderung hin, fürs Foto in die Kamera zu blicken, zuckt er zusammen, verliert die Melodie. Zurück in der Realität, muss er sich erst wieder sammeln. Nach zwei Anläufen findet Alex erneut den Weg in seine Welt der Klänge.

Der grosse Kater
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller (1998) von Thomas Hürlimann. Brisant ist der autobiografische Hintergrund. Thomas Hürlimanns Vater war selbst Bundesrat. «Der grosse Kater» (Regisseur Wolfgang Panzer) ist eine deutsch-schweizerische Produktion .

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1