Kulturförderung
Was verbindet Simonetta Sommaruga und Thomas Hirschhorn?

Im Jahresbericht des Aargauer Kuratoriums aus dem Jahr 1983 findet sich folgender Eintrag unter der Sparte «Musik - Brauchtum»: Sommaruga, Simonettea, Sins: «Förderungsbeitrag» von 8000 Franken.

Sabine Altermatt
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Simonetta Sommaruga

Simonetta Sommaruga

Doch was hat die neue Berner Bundesrätin mit dem Aargau zu tun und warum bekam sie einen «Förderungsbeitrag»? Das ist schnell erklärt. Unsere neue Bundesrätin ist ausgebildete Pianistin und sie lebte 1983 eben im Aargau. Sie spielt heute noch gerne Klavier, am liebsten Bach und Chopin. Warum sie aber nicht die Pianistinnenlaufbahn weiterverfolgte, sondern ein Studium in Anglistik und Romanistik begann, es abbrach und 1988 beim Konsumentenschutz zu arbeiten begann, wissen wir nicht. Sie bedaure es ausdrücklich, liess sie ausrichten, aber bis zu ihrem Amtsantritt beantworte sie keine Medienanfragen mehr.

Prominente Bürger

Und noch ein zweites Ereignis führte uns in den letzten Tagen indirekt wieder zum Aargauer Kuratorium. Die Meldung, dass der in Paris lebende Künstler Thomas Hirschhorn die Schweiz 2011 an der Biennale in Venedig vertritt und dass das Aargauer Kunsthaus ein grosses Werk von ihm angekauft hat. Seine Reaktion: «Das Kunsthaus in Aarau ist ein Top-Museum mit einer hervorragenden Sammlung!

Und als Aargauer Bürger (ich bin Bürger von Lenzburg) freut es mich ganz besonders, dass die ‹Wirtschaftslandschaft Davos› - wo ich aufgewachsen bin - ausgestellt wird. Dazu kommt, dass meine Arbeit schon vor vielen Jahren mehrfach vom Kanton Aargau (Kuratorium) unterstützt wurde.»

Gibt es weitere solche prominente Fälle?, fragt man sich und erinnert sich an den (Zürcher) Filmer Samir. Spätestens bei der Vergabe des Aargauer Kulturpreises, 2006 gewonnen, wurde breiter bekannt, dass auch er - via seine Schweizer Mutter - ein Aargauer Bürgerrecht besitzt. Das Kuratorium war denn auch das erste Gremium, das ihn förderte, schon 1988 mit einem Werkbeitrag von 24 000 Franken.

Auch Xavier Koller hat bekommen

Beim Schmökern in den etwas angestaubten Jahresberichten des Aargauer Kuratoriums stösst man auf weitere bekannte Namen: Die Künstlerin Silvia Bächli, welche die Schweiz 2009 an der Biennale vertrat, lebt zwar in Basel, ist aber in Baden aufgewachsen und wurde mehrfach gefördert.

Auch Oscar-Preisträger und Filmregisseur Xavier Koller ist Aargauer, er lebt in Mellingen und erhielt u. a. 1983 einen «Recherchierbeitrag». Bei den Schriftstellern finden wir Matthias Zschokke, Ruth Schweikert, Hansjörg Schertenleib (1983: Förderungsbeitrag von 10 000 Franken) - auch wenn kaum jemand sie mit dem Aargau in Verbindung bringt. Ebenso wenig Rolf Lappert. Der Gewinner des ersten Schweizer Buchpreises 2008 erhielt für seine ersten beiden dicken Wälzer einst Aargauer Fördergeld.

Ob auch in Zukunft so prominente Namen auf den Kuratoriumslisten auftauchen, ist allerdings fraglich. Ein Aargauer Bürgerrecht reicht nämlich seit diesem Jahr - seit der Revision des Kulturgesetzes - nicht mehr zur Legitimation. Beitragsberechtigt ist weiterhin, wer im Kanton wohnt und neu, wer einen «qualifizierten Bezug zum Aargau» nachweisen kann.

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